Naidoo
Verlorener Sohn: Mit Xavier Naidoo (rechts) und seinen zunehmend extremer werdenden Aussagen wollen die Bandmitlieder Henning Wehland, Rolf Stahlhofen und Tino Oac nicht mehr in einen Topf geworfen werden. | Foto: Uwe Anspach/dpa-Archiv

Kontakte nach Bruchsal

Kritiker wollen Konzert von Xavier Naidoo in Mannheim stoppen

Anzeige

Ob Xavier Naidoo im Oktober ein Konzert in Mannheim geben darf, hängt nicht nur von Corona-Kontaktbeschränkungen ab, die dann womöglich noch oder wieder gelten könnten. Nach Empörung verschiedener Gemeinderatsfraktionen wird derzeit eifrig eine Petition unterzeichnet, um den Auftritt zu verhindern und somit den Verschwörungstheorien des Musikers kein weiteres Forum zu bieten.

Von unserem Mitarbeiter Armin Herberger

Zu Beginn seiner Karriere hatte Naidoo auch einen starken Bezug in die Bruchsaler Region: Das Debüt-Album „Zion“ der Söhne Mannheims wurde im Karlsdorfer Kangaroo Tonstudio produziert, Naidoo war zeitweise auch Sänger im Bandprojekt „4 Your Soul“ um Edo Zanki.

Das ist nicht das, wofür die Söhne Mannheims stehen.

Florian Sitzmann, Keyboarder und Betreiber eines Tonstudios in Untergrombach

„Es war anfangs eine sehr intensive, kreative und produktive Arbeit“, erinnert sich Produzent Vilko Zanki, doch der Kontakt ging bereits 2001 auseinander. Auch langjährige Weggefährten verstehen die aktuellen Äußerungen von Xavier Naidoo nicht: „Das ist nicht das, wofür die Söhne Mannheims stehen“, sagt Keyboarder Florian Sitzmann, der in Untergrombach das „Sherwood Forest Recorders“ Tonstudio betreibt.

Mehr zum Thema: Söhne Mannheims trennen sich von Xavier Naidoo

Naidoos alte Band setzt sich gegen Rassismus ein

Xavier hat er zuletzt vor zwei Jahren gesehen: Nach einer Rückkehr zum Bandjubiläum 2015 war das prominente Gründungsmitglied auch noch am 2017 erschienenen Album „MannHeim“ beteiligt. Der Song „Marionetten“ aus dieser Produktion war auf Kritik gestoßen wegen seiner Texte, die manche als Aufruf zur Selbstjustiz oder als antisemitisch bezeichneten.

Im Gegensatz zu Naidoo hat die Band sich jedoch nachdrücklich von diesen Vorwürfen distanziert, unterstützte Projekte wie „Rock gegen Rechts“ oder „Schule ohne Rassismus“ und spielte Konzerte in Israel.

„Es ist ein Unterschied, ob man etwas in Liedtexten formuliert, das innerhalb einer gewissen künstlerischen Freiheit steht“, sagt Sitzmann insbesondere mit Blick auf die Hiphop-Szene, „oder ob man es in einem Interview als Statement von sich gibt.“

Für Sitzmann sind die Söhne Mannheims ein Künstlerkollektiv, die geplanten Konzerttermine im Frühjahr, die inzwischen alle verschoben oder abgesagt wurden, hätten eh ohne Xavier stattgefunden.

Management zeigt sich entspannt

Während sich Sitzmann überrascht zeigt, dass Naidoo auf der offiziellen Homepage noch als Bandmitglied aufgeführt ist – und das prominent an erster Stelle – zeigt man sich beim Management betont entspannt.

Mehr zum Thema: Xavier Naidoo wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Die einzige Stellungnahme wurde kurz und knapp am 11. März auf Facebook veröffentlicht: „Xavier und wir gehen seit einiger Zeit getrennte Wege und als Musikerkollektiv stehen wir klar und konkret gegen Hass, Gewalt und Rassismus! Bestimmt ist es wichtig, in der heutigen Zeit Dinge anzusprechen, gerne auch kontrovers, aber man muss sich der Macht des Wortes bewusst sein.“

Pressesprecherin Merle Lotz sieht dieses Posting nur als Distanzierung von Naidoos Statements, aber keine generelle Trennung von der Band: „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Derzeit kümmert sich Xavier Naidoo eben um seine eigene Musik.“