Sturmtief Wilma hat im nördlichen Landkreis Karlsruhe vor allem Kraichtal getroffen. Über 200 Einsätze waren nötig. Mancherorts traf es dieselben Keller wie erst vor eineinhalb Wochen.
Sturmtief Wilma hat im nördlichen Landkreis Karlsruhe vor allem Kraichtal getroffen. Mancherorts traf es dieselben Keller wie erst vor eineinhalb Wochen. | Foto: 7aktuell/Feuerwehr

Sturm und Stromausfälle

Land unter in Menzingen

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Wieder, nach erst eineinhalb Wochen, hat es Kraichtal erwischt: Das Unwetter auf Freitagnacht traf Manchen heftiger als das vorangegangene und dieses Mal vor allem in Menzingen. In Neuenbürg kroch der Schlamm zum Teil in dieselben Gebäude und Keller wie kürzlich. „In Menzingen haben wir sowas noch nicht gesehen“, sagt Mathias Bauer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kraichtal. Nach Angaben des Kreisfeuerwehrverbands Karlsruhe hat Tief Wilma mit seiner flächendeckenden Gewitterzelle den ganzen nördlichen Landkreis mit Starkregen und heftigen Windböen arg gebeutelt.

 

Diese peitschten die Wassermassen in alle Ritzen und Fugen. Örtlich schlug Hagel zu. Die Rückmeldungen der Landwirte hierzu stehen aus. Zu mehr als 200 Einsätzen rückten die Feuerwehren im nördlichen Landkreis aus. Betroffene Oberleitungen führten zu Verzögerungen bei der Bahn zwischen Mannheim, Bruchsal und Weingarten. Straßen wurden zu Flüssen. Umgestürzte Bäume versperrten viele Wege.

Matsch kroch in die Autos

In Kraichtal-Neuenbürg und vor allem in Menzingen schoss das Wasser durch die Straßen, füllte mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter, wie Wetterdienste warnten, Keller und überflutete vor allem die Menzinger Ortsmitte um die Heilbronner Straße völlig – und mit ihr viele Autos. In einige kroch der Matsch bis zur Sitzhöhe, darunter auch in Neufahrzeuge, so Kommandant Bauer. Auf den Kraichtaler Straßen stand das Wasser zeitweise bis zu 80 Zentimetern hoch. Ein Menzinger war mit dem Neubau seiner Tankstelle und seinem Autohaus doppelt getroffen.

Sogar Handynetze weg

Die Kraichtaler Wehr war mit allen neun Abteilungen im Einsatz und hatte ihre Arbeit obendrein zwischen 1.30 Uhr und etwa 4.30 Uhr nur per Funk, ohne jede telefonische Kontaktmöglichkeiten zu bewerkstelligen. Denn sowohl das Stromnetz wie auch Handynetze waren in Menzingen und Bahnbrücken in diesem Zeitraum ausgefallen. Grund war laut Kommandant Bauer die Überflutung der örtlichen Umspannstation. Der Stromversorger war bis gegen Freitagmittag mit den Reparaturarbeiten beschäftigt.

Auch Bäche traten über die Ufer, umgestürzte Bäume versperrten Wege und Straßen. So etwa die L618: Zwischen Heidelsheim Richtung Gochsheim beseitigte die Feuwerwehr einen 30 Zentimeter starken Stamm und auf der Autobahn A5 zwischen Weingarten und Untergrombach kurz vor der Noteinfahrt Untergrombach hing ein Baum über der Leitplanke. Auch wegen großer Äste war oftmals kein Durchkommen, wie zwischen Unteröwisheim und Münzesheim auf der Landstraße L554.

Pumpen, pumpen

Auch in Östringen, Bruchsal und Ubstadt-Weiher waren Polizei und Freiwillige Feuerwehren bis in die Morgenstunden im Dauereinsatz. In Bruchsal-Heidelsheim ließ die Feuerwehr das Wasser am Bahnübergang ablaufen und pumpten einen Keller nach dem anderen leer. „Das ist der tiefste Punkt und der Bauhof entfernte die Schlämme am Morgen,“ so Tibor Czemmel, Pressesprecher der Bruchsaler Wehr. Bauhofmitarbeiter waren in nahezu allen Gemeinden des Landkreises noch lange im Einsatz.

Schwimmende Gullideckel in Östringen

In der Straße Ziegelhütte in Heidelsheim und in der Bruchsaler Friedensstraße wurde ein Keller leer gepumpt und durchgehend beobachtete die Wehr den Pegel der Saalbach, von Gondelsheim kommend – „um zu sehen, ob sie in ihrem Bett bleibt“, sagte Einsatzleiter Thomas Zöller. „Aber wir wussten recht bald aus Bretten, dass der Pegel fiel.“ Gegen 4 Uhr gab es Entwarnung. „Gute Vorbereitung nach unseren Erfahrungen 2013 haben uns geholfen,“ so Einsatzleiter Zöller.
In Östringen hieß es für alle Helfer zupacken: Neben vollen Kellern wie in der Mittelstraße, hoben die Wassermassen Gullideckel auf der Östringer Hauptstraße/B292 aus der Fahrbahn in Nähe des Ortseingangs aus Richtung Bad Schönborn und schwemmten sie fort, wie Ralf Minet, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe sagte. Wo der Strom wegblieb, halfen die Wehren mit Notstromaggregaten.