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Todesursache ungeklärt

Leiche mehrere Jahre in Bruchsaler Wohnung aufbewahrt: Sohn lebte von Rente der Mutter

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Grausige Entdeckung in Bruchsal: Im Stadtteil Untergrombach soll ein 65-jähriger Mann den Leichnam seiner heute 94 Jahre alten Mutter jahrelang in der Wohnung aufbewahrt haben. Eine Nachbarin hatte die Polizei auf die Spur gebracht.

Die Nachbarin hatte sich bereits am Montag bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt, dass sie die ältere Frau schon länger nicht mehr gesehen habe. Am Montagabend fuhr dann eine Polizeistreife zum Wohnhaus.

Der 65-jährige Sohn verwickelte sich zunächst in Widersprüche und führte dann die Beamten zu der Leiche seiner Mutter im Schlafzimmer im ersten Obergeschoss, heißt es in der Meldung der Polizei. Nach Angaben des Sohnes sei seine Mutter im August 2015 verstorben. Da er kein eigenes Einkommen habe, hätte er von den Rentenzahlungen gelebt.

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Die Obduktion der Leiche zeigte, dass die Angaben des Sohnes stimmen könnten. Die Ursache des Todes der Frau, die heute 94 Jahre alt wäre,  habe man bisher aber nicht sicher klären können. Die Ermittlungen – auch zum Verdacht des Betruges im Hinblick auf die Rentenzahlungen – dauern an.

Sohn wollte Polizei zunächst offenbar nicht ins Haus lassen

Der Sohn ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Nach BNN-Informationen soll er vor einigen Jahren ins Reihen-Einfamilienhaus an der Bundesstraße gezogen sein. Nachbarn beschreiben den Mann als extrem scheu. Er habe nie mit jemandem gesprochen. „Er erschien mir, wie das personifizierte schlechte Gewissen“, berichtet etwa ein Nachbar, der die Seniorin schon lange kannte.

Der Polizeieinsatz am Montag, den die Staatsanwaltschaft erst jetzt öffentlich gemacht hat, zog sich über Stunden. Zunächst sei ein Streifenwagen angerückt, berichtet ein Augenzeuge. Es kam eine zweite Streife, und die Polizisten verlangten Einlass, um sich nach der Mutter zu erkundigen. „Der Polizist hatte den Fuß in der Tür, sonst hätte der Sohn ihn sicher abgewimmelt“, schildert der Augenzeuge weiter.

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Es folgten weitere Uniformierte und Zivilpolizisten, sowie die Spurensicherung. „Das ganze Haus war hell erleuchtet.“ Weitere Polizei traf ein, um das Einfamilienhaus in der Bruchsaler Straße zu durchsuchen. „Die Polizei ist auch laut geworden“, berichtet ein Nachbar im Gespräch mit bnn.de.

Nachbarn kam etwas verdächtig vor

Offenbar hatte sich der Sohn zunächst längere Zeit geweigert, den Polizisten Zutritt zum Haus zu gewähren. Erst weit nach Mitternacht konnte die Leiche schließlich abtransportiert werden.

Die Frau, eine Untergrombacherin, beschrieben Nachbarn als umgänglich und nett. Sie habe oft aus dem Fenster gewunken. Der Sohn hingegen sei immer sehr früh morgens mit dem Rad zum Einkaufen gefahren und habe es tunlichst vermieden, jemandem zu begegnen, wie Nachbarn schildern.

Ein Nachbar, so schildert er es gegenüber bnn.de, will schon länger den Verdacht gehabt haben, dass da was nicht stimmt. Er sei bereits vor Jahren bei der Verwaltung vorstellig geworden und habe dort seine Sorge vorgetragen, dass in dem Haus an der Hauptstraße etwas nicht stimme. Sein Verdacht: Der Sohn habe wohl auch Mitarbeiter von Sozial- oder Ordnungsamt abgewimmelt. Bruchsals Bürgermeister Andreas Glaser kann dies in einer ersten Stellungnahme nicht bestätigen. Der jetzige Hinweis sei sofort an die Polizei weitergeleitet worden – mit dem bekannten Ergebnis.

Bruchsal: Leiche lag im Schlafzimmer – ungekühlt

Die Staatsanwaltschaft will sich zu den Details der Aufbewahrung des Leichnams nicht äußern. So viel ist aber klar: Die Frau lag zum Zeitpunkt des Auffindens im Schlafzimmer. Sie war nicht in einer Kühltruhe, wie in Untergrombach kolportiert wurde, sondern lag vermutlich über Jahre in einem Zimmer, und war in einem dementsprechenden Zustand.

Hinweis: In der ersten Meldung hieß es zunächst, der Mann sei 55 Jahre alt und seine Mutter im Alter von 86 Jahren gestorben. Inzwischen hat die Polizei die Angaben korrigiert.