Die Außenstelle des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in der Heidelberger Straße Bruchsal soll einen Anbau für die Methadon-Ambulanz bekommen. | Foto: Heintzen

Baugenehmigung liegt vor

Methadon-Ambulanz in Bruchsal soll Mitte 2020 kommen

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Nicht vor Mitte 2020 wird die geplante ambulante Methadon-Abgabestelle bei der psychiatrischen Tagesklinik in der Heidelberger Straße in Bruchsal eröffnet werden. Diese vorsichtige Prognose gab Michael Bolek, Leiter des Amts für Grundsatz und Soziales beim Landkreis Karlsruhe. In der Bruchsaler Außenstelle des Zentrums für Psychiatrische Gesundheit Wiesloch (ZFP) soll in Zukunft ein Teil der Methadon-Patienten im nördlichen Landkreis versorgt werden.

Nach dem Rückzug der Fachambulanz der Malteser 2016 und von zwei Substitutionsärzten in Bruchsal sind 180 Patienten im nördlichen Landkreis Karlsruhe unversorgt. Diese neuesten Zahlen hat Bolek vom Substitutionsgipfel mitgebracht, der am 18. November in Stuttgart stattfand.

Es ist immer problematisch, wenn Methadon-Patienten neben Arbeit und Familie noch lange Wege auf sich nehmen müssen.

Michael Bolek, Leiter des Amts für Grundsatz und Soziales beim Landkreis Karlsruhe

Die Abhängigen, die mit Hilfe des Methadons dem Drogenkonsum oder der Beschaffungskriminalität entkommen wollen, sind zwischenzeitlich nach Mannheim, Heilbronn oder Karlsruhe ausgewichen. In der Fächerstadt beispielsweise wird am 6. Dezember ein Drogenkonsumraum in Betrieb genommen.

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Mit der Ambulanz in Bruchsal sollen den Betroffenen lange Anfahrtswege erspart werden. „Es ist immer problematisch, wenn Methadon-Patienten neben Arbeit und Familie noch lange Wege auf sich nehmen müssen“, so Bolek. Die Ambulanz soll zumindest die Basisversorgung ermöglichen.

40 bis 60 Patienten

In dem neuen Anbau in der Heidelberger Straße sollen 40 bis 60 Patienten betreut werden. Nachdem auch die Parkplätze ausgewiesen wurden, liegt jetzt die Baugenehmigung der Stadt Bruchsal vor. Nun warte man auf eine Finanzierungszusage des Sozialministeriums. Die Baukosten in Höhe von 400.000 Euro sollen vom Land kommen. Der laufende Betrieb wird über die Kassenärztliche Vereinigung finanziert.

Übrige Versorgung nicht gelöst

Noch völlig ungelöst ist allerdings die Versorgung der übrigen Substitutionspatienten. Nach einem ersten Aufruf im Frühjahr hat sich laut Bolek kein Hausarzt gemeldet. Zu unattraktiv sei die medizinische Versorgung der als schwierig geltenden Patienten, die meist auch unter psychischen oder somatischen Erkrankungen leiden und psychosoziale Probleme haben. Ein Ergebnis des Substitutionsgipfels ist, dass bei der zukünftigen Ausbildung der Mediziner die Versorgung solcher Patienten ein wichtiges Thema wird. Auch sollen finanzielle Anreize geschaffen werden.

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Die geplante Ambulanz unter dem Dach des ZFP soll dabei helfen, Kontakte zu knüpfen und schrittweise ein Netz von betreuenden Hausärzten im nördlichen Landkreis zu knüpfen. Sie werden speziell qualifiziert. Die Bruchsaler Ambulanz könnte dabei die Methadon-Abgabe am Wochenende sicherstellen.