Am Bahnübergang bei der Holzindustrie sucht der Kampfmittelräumdienst nach Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg | Foto: Heintzen

Kampfmittelbergung in Bruchsal

Minensuche für den Hochwasserschutz

Mit seinem Detektor steht Felix Becker im Schlamm und sucht nach Bomben. Hinter ihm steht der sprenggeschützte Bagger, die Scheiben sind panzerverglast – ein riskanter Job. Plötzlich schlägt der Detektor an, der Bagger beginnt vorsichtig zu graben. Diesmal hat Becker Glück, es ist nur das Gestänge eines alten Klappstuhls. Es hätte aber auch Munition oder gar eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg sein können. Am Bahnübergang bei der Holzindustrie, wo die Firma für Kampfmittelbergung gerade gräbt, ist ein explosiver Fund durchaus möglich. „Beim Gebiet rund um den Bruchsaler Bahnhof handelt es sich immer um Verdachtsfläche“, klärt Oliver Krempel von der Stadt Bruchsal auf. „Während des Zweiten Weltkriegs gab es dort zahlreiche Bombenabwürfe“, sagt der Leiter des Tiefbauamtes. Die Untersuchungen seien daher bei allen geplanten Baumaßnahmen in diesem Bereich routinemäßig.

Schattengraben muss aufwendig ausgebaut werden

Und so muss der Kampfmittelräumdienst auch den Weg für dieses Großprojekt ebnen, das dem Hochwasserschutz dient und das voraussichtlich im November abgeschlossen sein wird: Der Schattengraben, der in der Nähe der Holzindustrie in den Hardtgraben mündet, muss aufwendig erweitert werden. Über 1,8 Millionen Euro hat die Stadt Bruchsal dafür veranschlagt, auch das Gleisbett der Zugstrecke zwischen Bruchsal und Karlsruhe ist betroffen.
„Bevor die Arbeiten am Schattengraben beginnen können, muss der Baugrund kampfmittelfrei sein“, macht Krempel deutlich. Der Kampfmittelräumdienst des Landes hat dafür Luftaufnahmen ausgewertet und verdächtige Stellen markiert. Dort sucht nun die Wormser Firma von Felix Becker nach explosiven Überresten. Bisher handelte es sich bei allen verdächtigen Teilen glücklicherweise nur um Schrott. „Nicht ungewöhnlich, da es nebenan die Schrebergärten gibt“, sagt Krempel.
Der Grund für den großen Aufwand ist der Hochwasserschutz. Als die Stadt Bruchsal bereits vor einigen Jahren den Entwässerungsplan neu berechnete, wurde deutlich, dass der Schattengraben zu klein ist. Um auch bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser die vorgeschriebene Entwässerung zu gewährleisten, ist eine großzügige Erweiterung notwendig. Der Gemeinderat beschloss diese Maßnahme im vergangenen Jahres und vergab im Dezember den Auftrag.

Schienenvollsperrung Ende Juli soll genutzt werden

Der frühe Baustart hängt auch damit zusammen, dass die viel befahrene Zugstrecke zwischen Bruchsal und Karlsruhe von den Arbeiten betroffen ist. Ein 30 Meter langer und zwei Meter hoher Rahmen aus Stahlbeton soll unter dem Damm der Bahnstrecke eingesetzt werden. An dieser Stelle quert der Schattengraben das Gleisbett.
Da die Bahnstrecke zwischen dem 27. und 30. Juli wegen Sanierungsarbeiten an den Gleisen ohnehin voll gesperrt ist , soll dieser Zeitraum genutzt werden. (Die Rundschau berichtete.) „Der gesamte Bauablauf wird daher zwingend auf diesen Termin ausgerichtet“, heißt es in der Beschlussvorlage des Gemeinderats. Bis dahin muss die Baufirma also alle vorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen haben. Um so schnell wie möglich beginnen zu können, hofft das Unternehmen nun auf die Freigabe durch den Kampfmittelräumdienst.

Suche nach Munition geht nächste Woche weiter

Felix Becker hat aber erstmal Feierabend. Heute musste der „Feuerwerker“, wie Munitionsfachkundige auch genannt werden, keine gefährlichen Materialien unschädlich machen. Kommende Woche geht die Suche aber weiter – dann ist der Bereich zwischen den Gleisen und der Holzindustrie dran. Dort verläuft der Radweg Richtung Untergrombach. Sollten Becker und sein Team auch dort nichts findet, kann die eigentliche Arbeit am Schattengraben planmäßig beginnen.

 

Über die Großbaustellen an der Bahnstrecke hatten die BNN bereits berichtet: