20 Monate hinter Gittern erwarten einen 41-Jährigen. Das Schöffengericht Bruchsal verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls in ein Optiker-Geschäft in Bad Schönborn.
20 Monate hinter Gittern erwarten einen 41-Jährigen. Das Schöffengericht Bruchsal verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls in ein Optiker-Geschäft in Bad Schönborn. | Foto: Thienes

20 Monate Haft für Einbrecher

Mit fetter Beute im Optiker erwischt

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„Wie im Kino war das“, sagte eine Zeugin. Sie hatte am 25. Mai einen maskierten Einbrecher im benachbarten Optiker-Geschäft in Bad Schönborn dabei beobachtet, wie er nachts hunderte von Brillengestellen abräumte. Sie rief sofort die Polizei. Das Schöffengericht Bruchsal verurteilte den 41-Jährigen nun wegen gewerbsmäßigen Einbruchdiebstahls und Sachbeschädigung zu einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung. Er bleibt in Haft, wo er seit dem Tattag wegen Fluchtgefahr sitzt.

Die Verhandlung geriet zum Paradebeispiel für den „Unterschied von ermittlerischer Sicherheit und justizieller Überzeugung“, sagte am Ende der Strafverteidiger. Angeklagt war die Tat als Bandendiebstahl und hätte als solche höher bestraft werden können. Allerdings war die Beteiligung weiterer Täter nicht zu beweisen. Eine Bande liegt ab drei gemeinsam tätigen Personen vor. „Trotz starker Indizien“ für weitere Beteiligte erachtete das Schöffengericht diese für nicht beweisbar, so der Vorsitzende Richter Matthias Zinsius.

Maskierter füllte große Tasche

„Ich ging rein und rief: Polizei, Hände hoch“, schilderte ein Beamter vor Gericht. Als er ins Optiker-Geschäft eintrat, habe sich der Maskierte anstandslos festnehmen lassen, neben sich am Boden eine prall gefüllte, große Tasche. Erst auf der Wache wurde ein digitales Gerät am Körper des Einbrechers entdeckt samt Knopf im Ohr – „ein Sprechfunkgerät“, bewertete ein Kriminalkommissar, der aufgrund der Ermittlungen „tausendprozentig sicher“ sei, dass ein Bandendiebstahl vorlag.

Starke Indizien reichen nicht

Auf das Funkgerät  hatte die Anklage den Bandenvorwurf unter anderem gestützt: Die Polizei fand aber auch weder 860 Euro Bares aus der Kasse vor Ort noch das Einbruch-Werkzeug oder den Schlüssel zum Tatfahrzeug. All dies musste, schloss die Polizei, also von einem anderen entfernt worden sein.

Auch berichtete der Sohn des Optikers, dass ihm wenige Tage vor dem Einbruch eine Frau wegen merkwürdigen Verhaltens aufgefallen sei. „Sie sah sich keine Brillen, sondern das Geschäft an“ und habe sich abweisend verhalten – typisch für eine Auspäh-Situation, urteilte der Kommissar vor Gericht. Des Weiteren habe es im Frühsommer eine Einbruch-Serie in Optiker-Geschäfte in der Region gegeben, was laut Polizei auch hier einen Auftrags-Diebstahl nahelege. Zudem ergaben DNA-Abgleiche und Europol-Anfragen drei Alias-Personalien des Angeklagten.

Über 100 000 Euro Beutewert

Die Beute des Täters hatte – auch wegen eines teuren Optiker-Fachgeräts von über 20 000 Euro, das er einpackte – einen Wert von über 100 000 Euro. Der Schaden blieb dagegen niedrig, da der 41-jährige auf frischer Tat ertappt wurde und der Optiker fast alle 355 Brillen unbeschädigt zurückbekam.

Drei Jahre Haft forderte der Staatsanwalt, vor allem wegen einschlägiger Vorstrafen, darunter ein Urteil wegen 17 Wohnungseinbrüchen. Und wie der Staatsanwalt zuvor schon, verwies auch der Verteidiger auf die mangelnde Beweisbarkeit einer Bandentat sowie auf Geständnis und Reue seines Mandanten. Der Angeklagte hatte sich drei Mal entschuldigt: beim Optiker, bei dessen Sohn und am Ende des Prozesses erneut.

Keine gute Sozialprognose

An eine finanzielle Notlage glaube das Gericht nicht, sagte dessen Vorsitzender in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte hatte vorgetragen, Geld zur Unterstützung seiner kranken Eltern zu benötigen. Das Gericht aber ging davon aus – auch wegen der drei einschlägigen Vorstrafen – dass die Taten eine Einnahmequelle schaffen sollten und sah die erschwerenden Tatbestände des Einbruchdiebstahls wie des gewerbsmäßigen Diebstahls  für verwirklicht an.

Die Strafhöhe kam auch zustande, weil der Angeklagte in Bad Schönborn noch während seiner letzten Bewährungszeit eingebrochen war. Richter Zinsius: „Eine gute soziale Prognose sehen wir darum nicht.“