Eine Mutter musste sich nun vor dem Amtsgericht Bruchsal verantworten. Sie hatte ihre kleine Tochter im Sommer 2015 im verschlossenen Auto zurück gelassen. Die Polizei befreite das Kind.
Eine Mutter musste sich nun vor dem Amtsgericht Bruchsal verantworten. Sie hatte ihre kleine Tochter im Sommer 2015 im verschlossenen Auto zurück gelassen. Die Polizei befreite das Kind. | Foto: dpa

Kind weinend im Auto gelassen

Mutter freigesprochen

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Ein sonniger, laut Zeugen wolkenloser Tag herrscht am 5. August 2015: Die nächste Wetterstation in Waghäusel-Kirrlach meldet 22,4 Grad um 11 Uhr, 24,5 Grad um 12 Uhr. In Bruchsal lässt eine Mutter ihre dreijährige Tochter nach 11 Uhr im verschlossenen Auto zurück auf dem Parkplatz am Schloss. Hat sie das Leben ihres Mädchens gefährdet? Konnte sie wissen, dass es leiden könnte? Am Freitag sprach das Amtsgericht Bruchsal unter Vorsitz von Richter Thomas Köpfler die Mutter vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei.

Die Polizei, damals von empörten Passanten gerufen, hatte um 11.45 Uhr eine Scheibe eingeschlagen und das weinende Kind befreit. „Meine Tochter wollte nicht mit einkaufen gehen“, sagte die 29-Jährige bei der Hauptverhandlung und ließ ihr bereits weinendes Kind zurück. Ihr damaliges Aupair ging, wie die Mutter, allein zu Besorgungen. Keine der Frauen blieb beim Kind.

„Schwall Hitze“ aus dem Auto

Acht Zeugen kamen, acht Zeitangaben gab es dazu, wie lang das Kind allein im Auto zubrachte: Zehn, 15 Minuten, so das Aupair. Von gut 30 Minuten sprach der Bruchsaler Polizist, der den Nothammer nutzte. Er sagte, ihm sei, bevor er das „heiße Körperchen in den Armen“ hielt, ein „Schwall Hitze aus dem Auto entgegengekommen“.
Ein anderer Zeuge öffnete während eines Telefonats alle Autotüren zum Lüften, als er im nebenstehenden Wagen das Kind sah. Bis dahin hatte er mindestens 20 Minuten telefoniert und es habe noch gedauert, bis die Polizei kam – so gab eine Kriminalbeamtin seine damaligen Angaben wieder. Er selbst fehlte entschuldigt. Der technische Sachverständige konnte nichts Verlässliches beitragen. Vergleichsmessungen mit dem beschlagnahmten Wagen anderntags ergaben nichts Aussagekräftiges, da der Himmel – nun gänzlich anders – bewölkt war und der Wind die Karosserie kühlte.

„Patschnass geschwitzt“

Staatsanwältin Janina Metz folgte in weiten Teilen der medizinischen Sachverständigen. Diese stellte differenziert dar, warum sich aufgrund der Aussagen – objektve Fakten habe auch sie nicht – durchaus eine Hitzeerschöpfung unterhalb eines Hitzeschocks annehmen lasse. Alle Zeugen hätten das Kind als stark verschwitzt bis patschnass bezeichnet. Kinder in körperlicher Ruhe schwitzten aber erst ab einer Hauttemperatur von 32 oder bei Erhöhung der Kerntemperatur von über 37 Grad.

Im Inneren des Wagens habe die Luft nicht zirkulieren können und ein Körper könne an eine heiße Umgebung keine Wärme abgeben. Die große Auflagefläche im Schalensitz fördere die Kreislaufbelastung und Schreien steigere diese. Schwitzen könne zu Flüssigkeitsverlust, Schwindel und Schwäche führen und zu sinkendem Blutdruck oder gar bis zum Hitzetod. Eine solche, nicht unerhebliche Belastung habe die Mutter laut Staatsanwältin mindestens voraussehen können.

„Es war eine schlechte Idee“

Richter Köpfler aber folgte dem Grundsatz in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten – und so den Zweifeln, die auch Verteidiger Robert Venzke hatte: wegen fehlender Messdaten zu Temperaturen oder mangels konkreter Zeitangaben. Schwitzen allein spreche nicht für eine Körperverletzung, sagte Richter Köpfler in seiner Urteilsbegründung und da sie schnell habe zurückkehren wollen, habe die Mutter auch keine Verletzung ihres Kindes in Kauf genommen.

Sie selbst sagte: „Es war eine schlechte Idee, wegzugehen und kein Fenster zu öffnen.“