Kleine Ursache, große Wirkung: Die Folgen eines an sich überschaubaren Unfalls auf der Autobahn können erheblich sein und einen ganztägigen Stau produzieren. | Foto: APR KA

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Wenns auf der Autobahn kracht

Ein absolut überschaubarer Unfall – keine Verletzten, keine Toten –, aber dennoch ein Stau, der zwölf Stunden lang den Verkehr im Autobahndreieck von A 5 und A 8 sowie auf der Südtangente beeinträchtigt und teilweise lahmlegt – das kommt nicht oft vor. Doch die Bergungs- und vor allem die Sanierungsarbeiten waren einerseits unaufschiebbar und andererseits aufwendig, als am Montag, 16. Januar, vom Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs bis zu den Stunden des Feierabends die A 5 nach Süden und die Tangente nach Osten schlicht und einfach dicht waren.

Extrem ungeschickte Stelle

Was führt zu einem solchen Megastau, wenn es nicht der Unfall an sich ist? Erster Polizeihauptkommissar Lothar Batschauer, Chef des Autobahnpolizeireviers Karlsruhe, sagt: „Die Stelle des Unfalls war extrem ungeschickt. Der Lkw-Fahrer geriet auf der Überleitung von der A 5 zur A 8 in die Leitplanken. Und zwar genau dort, wo die neben den zwei Fahrspuren mitlaufende Standspur endet. Das ist unmittelbar vor der Brücke über die nach Basel führende A 5. Dort hat sich der Lkw verkeilt, wobei der Tank beschädigt wurde. 1 000 Liter Diesel liefen aus.“

Begutachtung durch die Behörden

Jetzt greifen mehrere Aktionen. Der Verkehr muss sicher an der Unfallstelle vorbeigeführt, der Fahrer mit dem Unfallfahrzeug geborgen werden. Hinzu kommt – und jetzt wird es komplex – die Begutachtung durch das Umweltamt und die Straßenverkehrsbehörde.

Erde austauschen, Leitplanken reparieren

Das Umweltamt ordnet das Ausbaggern der verunreinigten Erde an. Das wird nicht einfacher dadurch, dass die Unfallstelle abschüssig ist. Rechts neben der Fahrbahn geht es etwa fünf, sechs Meter hinunter. Und die Autobahnmeisterei sagt aus genau diesem Grund, die Situation ist gefährlich, die Leitplanken, die auch den schweren Lkw gehalten haben, müssen an dieser Stelle sofort repariert werden. Das wiederum führt dazu, dass von den zwei zur Verfügung stehenden Fahrbahnspuren eine für die Sicherung der Mitarbeiter der Fachfirmen benötigt wird.

Nur eine Spur im Berufsverkehr

„Und was das heißt, nur eine Spur im Berufsverkehr, das kann man sich leicht vorstellen“, sagt Lothar Batschauer. Die Folgen des Unfalls von 4.40 Uhr sorgen dafür, dass sich ein Megastau aufbaut, der den Tag über bestehen bleibt – die Reparatur ist zeitaufwendig. Der Polizeibeamte sagt auch noch, dass wegen der Lage der Unfallstelle in einer Kurve relativ weit zurück gesperrt werden musste – damit es nicht zu Unfällen wegen der schlecht einsehbaren Stelle kommt.

Umleitung macht keinen Sinn

Gab es keine Alternativen? „Die Umleitung über die Bergdörfer zur Ausfahrt Karlsbad funktioniert nicht bei dem Aufkommen, zumal bei dem hohen Lkw-Anteil“, macht Batschauer klar. Verschieben der Sanierung der Leitplanken? „Keine Chance, wenn die Behörde das anordnet.“ Das gleiche gilt für das Ausbaggern. Zu alledem kommt, dass die für diese Arbeiten benötigten Spezialfirmen nicht um die Ecke herum auf einen Auftrag warten. Die müssen nach der Alarmierung auch erst ihr Personal sammeln – „und sie müssen je nachdem auch selbst durch den Stau“, sagt Hauptkommissar Lothar Batschauer.

Bis zu 100 Kräften bei einem Einsatz

Wie ist das Verfahren bei Unfällen auf der Autobahn? Zumeist kommen Unfallmeldungen per Handy durch Autofahrer herein, die das Geschehen beobachtet haben. Für die Polizei sind präzise Meldungen wichtig – etwa die Frage, ob ein Auto quer steht oder Menschen über die Fahrbahn laufen. Je nach Situation fahren ein oder auch mehrere Streifenwagen raus.

Lagebild

Als erstes gilt es, sich ein Lagebild vor Ort zu verschaffen. Wenn Sanitätsdienste und die Feuerwehr hinzugezogen sind, „können schon einmal 100 Mann im Einsatz sein“, berichtet der erfahrene Polizeibeamte, der mit 75 Mann den Abschnitt der A 5 zwischen Kronau und Rastatt-Nord sowie auf der A 8 bis Karlsbad betreut. Als besondere Probleme dieses Abschnitts nennt er zum einen die hohe Verkehrsdichte – „150 000 Fahrzeuge pro Tag“ –, zum anderen die gefährlichen Verdichtungen an den vielen Anschlussstellen.

Das Stauende ist gefährlich

Als besonders kritisch beschreibt Batschauer die Situation am Ende eines Staus. Dort komme es immer wieder zu höchst gefährlichen Auffahrunfällen. Vorne, also dort, wo der eigentliche Unfall geschah, habe man die Sache meist im Griff – nicht aber am Ende eines Staus. Entsprechend üppig sind auch die Bemühungen – etwa durch mobile Anlagen – die Autofahrer frühzeitig auf kommende Staus vorzubereiten. Denn die lassen sich nach einem Vorkommnis kaum vermeiden – auch wenn sie selten solche Auswirkungen haben wie der überschaubare Unfall vom 16. Januar.