Justitia hat abgewogen: Vorm Amtsgericht Bruchsal hatte sich ein 55-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs zu verantworten.
Justitia hat abgewogen: Vorm Amtsgericht Bruchsal hatte sich ein 55-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs zu verantworten. | Foto: dpa

Stiefvater vor Bruchsaler Kadi

Nach Missbrauchsvorwurf Tränen der Erleichterung

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Ein 55-Jähriger schickt seiner frühreifen Stieftochter per Handy Bilder mit sexuellem bis pornografischem Inhalt – die Anklage lautet auf sexuellen Missbrauch von Kindern in 16 Einzelfällen. Das Mädchen ist zum Tatzeitpunkt 2016 zwölf Jahre alt.

Unter Sexting – gebildet aus Texting und Sex für entsprechende Handy-Nachrichten – liefe solches, wäre Text dabei gewesen. Dieser war aber nicht gegeben oder nicht zu finden: Auf beiden Handys war alles gelöscht, als die Polizei die Mobiltelefone beschlagnahmte. Dies wirkte sich vor Gericht auch auf die Beweisbarkeit der Inhalte aus: Das Verfahren wurde vom Amtsgericht Bruchsal eingestellt.

Bissl arg für eine Zwölfjährige

Ins Rollen kam die Gesichte, als die Schwester des Teenagers – vier Jahre älter und bereits ausgezogen – zu Besuch bei der Kleinen, ihrer Mutter und dem Stiefvater war. Sie entdeckte auf dem Handy der jüngeren „Bilder von sexueller Natur“.  Sie sagte weiter: „Die waren mir ein bissl arg für eine Zwölfjährige“, so die 20-Jährige vor dem Amtsgericht Bruchsal.

Sie hatte damals die Polizei gerufen und den Stiefvater angezeigt. Ja, sie hatte Geschlechtsteile gesehen, konnte aber keine Details nennen. Sie könne sich lediglich erinnern, dass es „ja nur Comics“ waren, Zeichnungen, keine sexuellen Akte. Wie diese Aussage, deckten sich auch weitere mit denjenigen der kleinen Schwester und Aussagen des Angeklagten: Das Ganze sei „doch nur Spaß“ gewesen.

Nur herumgealbert

„Sie hätten rumgealbert, erzählte mir meine Schwester“, so die Ältere, und die Zwölfjährige sei wohl „in einer sexuellen Findungsphase gewesen.“ Der Angeklagte gab zu, Pornos auf dem Handy gehabt zu haben. „Ich bin ja erwachsen“ und er gab zu, schon mal einen Porno im Beisein der Zwölfjährigen angeklickt zu haben, er lief „aber nur für Sekunden“.

Nie in sexueller Absicht

Sie hat öfter mein Handy geklaut und gesagt, ich weiß sowieso, was du da drauf hast.“ Auch lebten seine Lebensgefährtin und er insgesamt eher freizügig. Die Mutter der Zwölfjährigen laufe schon mal oben ohne herum. Und die lockere Familien-Atmosphäre habe wohl mit zu seiner „Dummheit“ geführt.

„Ich hätte das nicht tun sollen, das weiß ich jetzt. Aber ich dachte überhaupt nicht drüber nach“, so der 55-Jährige. „Ich habe das nie in irgendeiner sexuellen Absicht getan“, so der Angeklagte und weiter: „Sie war sehr neugierig, fragte mich oft nach der Größe von Brüsten oder anderem und ich habe halt geantwortet.“

Wir haben ein gutes Verhältnis

Das Mädchen wurde nach dem Geschehen dem Kindsvater zugewiesen, blieb dort für etwa eineinhalb Jahre, bevor sie zur Mutter zurückkehrte. Diese lebt seit dem Geschehen zwar getrennt vom Angeklagten, war aber auch als Zeugin geladen gewesen. Alle hätten weiterhin ein gutes Verhältnis, schilderten sie übereinstimmend. Niemand habe Schaden genommen.

Keine sexuelle Motivation festzustellen

Das Amtsgericht Bruchsal stellte das Verfahren in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft ein. Weder die Inhalte, noch die Fallzahlen seien nachweisbar, noch spreche etwas Eindeutiges für eine sexuelle Motivation des Angeklagten. Dieser weinte am Ende, sei es vor Scham oder auch vor Erleichterung, und fiel seiner Familie in die Arme.