Musikalisch weiterentwickelt hat sich die Wahlbruchsalerin Natia Todua. Sie pflegt weiterhin den Kontakt in die Region.
Musikalisch weiterentwickelt hat sich die Wahlbruchsalerin Natia Todua. Sie pflegt weiterhin den Kontakt in die Region. | Foto: Herberger

Arbeit am eigenen Album

Natia Todua: „Kein Leben ohne Musik“

Anzeige

Keine leichte Entscheidung für die Musiker beim „Chicken-Battle“ im Hause Schmitt in Bruchsal: Topf 1 mit Merlot-Chilli-Quittengelee-Soße oder Topf 2 mit Zitronengras-Kokos-Ingwer-Soße? Vor einem Jahr sahen die Entscheidungen noch ganz anders aus, als Natia Todua an der Fernsehshow „The Voice of Germany“ teilgenommen hatte.

Von den Blind-Auditions über die Battles bis hin zu den Finalshows hat die Wahl-Bruchsalerin letztlich den Titel geholt, mit überragendem Vorsprung bei der finalen Abstimmung. Jetzt läuft die Sendung wieder und die Erinnerungen an den Sieg sind wieder lebendig. Nicht nur im Hause Schmitt in Bruchsal, bei Natias Gasteltern, sondern auch bei vielen Fans in der Region. Nicht so gut lief für sie kurz darauf der deutsche Vorentscheid zum European Song Contest: „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei ,Voice‘ gewinnen würde – und ich hätte nie gedacht, dass ich beim ESC-Vorentscheid letzter würde“, sagte sie im Frühjahr.

Motto: „No music, no life“

Auch wenn sie nun nicht mehr wöchentlich im Fernsehen auftaucht, ist sie ihrem Motto treu geblieben: No music, no life – Kein Leben ohne Musik. Ausruhen kommt für die 22-Jährige nicht infrage. Nicht mal Zeit für den Führerschein bleibt, das Auto als Voice-Siegprämie hat sie ungefahren verkauft. Stattdessen nahm sie ein Stipendium von der Stiftung Starke in Berlin an. In einer Villa in Grunewald voller Künstler konnte sie dadurch günstig ein Zimmer beziehen, ein Netzwerk aufbauen und sich musikalisch inspirieren und weiterentwickeln.

Bejubelt wurden auch ihre Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse, wo sie das Gastland Georgien vertrat, oder auch bei der Kommission der Europäischen Union in Georgien, wo sich vor Begeisterung plötzlich der EU-Botschafter selbst ans Schlagzeug setzte. Der Auftritt sowie ein Versöhnungslied mit Video über Georgien und Abchasien brachte das Gerücht auf, dass sie wieder in ihre Heimat gezogen ist. Keine Panik: „Ich bleibe in Deutschland“, lacht Natia.

Das war für mich eine Riesenchance und hat mir alles ermöglicht!

Das Stipendium in Berlin dauert noch bis zum Sommer an, dazwischen stehen Konzert-Projekte mit Sponsoren an. Inzwischen hat sie auch das Management gewechselt, um dem großen Ziel näher zu kommen: ein Album mit eigenen Stücken. Bis dahin müssen allerdings noch die bestehenden Verträge von Fachleuten durchsortiert werden, um die Rechte an künftigen Songs zu sichern.

Abgesehen von dem paragrafengefüllten Papierstapel bereut sie es nicht, bei der Castingshow mitgemacht zu haben: „Das war für mich eine Riesenchance und hat mir alles ermöglicht!“ Noch immer steht sie in Kontakt mit den anderen Finalisten, mit denen sie anschließend gemeinsam auf Tour war. Von der aktuellen Voice-Staffel hat sie nur ein paar verfolgt, fand aber die Kandidaten nicht sonderlich spannend.

Arbeit im Karlsdorfer Kangaroo-Studio

Im nächsten Jahr wird sie vor allem in Süddeutschland unterwegs sein. Gerade hat sie im Karlsdorfer Kangaroo-Studio für ein Wohnzimmer-Konzert in Minden geprobt und sich eine erfahrene Band zusammengestellt. Mit Gitarrist Joerg Dudys (Edo Zanki, Jule Neigel, Nena), Keyboarder Zlatko „Jimmy“ Kresic (Midge Ure, Alice Cooper, Ian Gillan), Bassist Jekko Stjepanovic (Relax, Bobby Kimball) und Schlagzeugerin Steffi Sachsenmeier (Joja Wendt, Superstrings) will sie weitere Projekte verwirklichen – und solange Natias Gastfamilie Schmitt wieder die komplette Band mit Maishühnchen bekocht wie vergangene Woche nach der Probe, könnte Bruchsal durchaus zum Musikstandort avancieren.

von unserem Mitarbeiter Armin Herberger