Gut gelaunt genießen: Ralf Kilgus, Georg Reiling und Holger Anselnent (von links) fuhren 50 Kilometer mit den Rädern von Kämpfelbach nach Sulzfeld und stießen dort mit neuem Wein an.
Gut gelaunt genießen: Ralf Kilgus, Georg Reiling und Holger Anselnent (von links) fuhren 50 Kilometer mit den Rädern von Kämpfelbach nach Sulzfeld und stießen dort mit neuem Wein an. | Foto: Pospieszczyk

Winzer mit Lese zufrieden

Neuer Wein und Zwiebelkuchen in Oberderdingen

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Neuer Wein und frischer Zwiebelkuchen gehören zusammen wie die Butter auf’s Brot. Bis der Rebensaft in die Gläser kommt, gibt es jedoch für zahlreiche badische Winzer und schwäbische Wengerter noch alle Hände voll zu tun. Mitten in der Weinlese steckt beispielsweise Michael Kern vom Weingut Kern in Oberderdingen.

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Pospieszczyk

Von 15 Hektar Rebfläche bewirtschaftet er derzeit 11,5 Hektar. Weinliebhaber bekommen bei Kerns neben Weißweinen wie Riesling, Grau- und Weißburgunder, Muskateller, Müller-Thurgau und Kerner natürlich auch Rotweine wie Lemberger, Trollinger, Spätburgunder, Schwarzriesling, Dornfelder, Portugieser, Helfensteiner und Merlot.

Vielversprechender Jahrgang: Spätestens Ende der Woche will Michael Kern (links) die Weinlese abgeschlossen haben.
Vielversprechender Jahrgang: Spätestens Ende der Woche will Michael Kern (links) die Weinlese abgeschlossen haben. | Foto: Pospieszczyk

Am 16. September haben Kerns mit der Weinlese begonnen, die spätestens Ende der Woche abgeschlossen sein soll. Sie setzen dabei auf die Unterstützung von 14 Lesehelfern aus Polen und Rumänien. „Die eine oder andere Sorte hätte durchaus noch hängen bleiben können, da die Trauben noch in einem sehr guten Zustand waren“, berichtet Michael Kern.

Zu viel Alkohol schlecht für Geschmack

Aufgrund des hohen Mostgewichts habe man die Trauben aber abgenommen, da der Alkoholgehalt der Weine sonst zu stark sei. Zwar sei Alkohol ein Geschmacksgeber, jedoch schmecke der Wein bei zu hohem Alkoholgehalt nicht mehr harmonisch.

Vielversprechender Jahrgang

Sonnenbrandschäden machten den Trauben im Wengert von Michael Kern zu schaffen. So hatte man Einbußen beim Riesling von bis zu 50 Prozent. Der Jahrgang selbst wird laut Kern vielversprechend. „Die Qualität der Trauben am Stock ist gut und ich habe schon im Keller gemerkt, dass es ein sehr fruchtintensiver Jahrgang wird. Nun gilt es, die Qualität im Keller zu erhalten und auf die Flasche zu bringen, damit sich die Allgemeinheit daran erfreuen kann“, so Kern, bei dem Busgruppen derzeit gerne einkehren und neuen Wein und Zwiebelkuchen bestellen. Einen veränderten Geschmack bei den Gästen haben dahingegen Ute und Armin Schäufele vom ökologischen Weingut und Restaurant „Kelterhof“ in Großvillars ausgemacht.

Neue Bio-Rotweine

Zwar bieten sie auch Zwiebelkuchen an, zum neuen Bio-Wein werden jedoch in diesem Jahr eher süße Kuchen wie Schwarzwälder und Rumbombe bestellt. Kam bisher nur neuer weißer Bio-Wein in die Gläser, so können die Besucher ab dieser Woche auch neuen roten Bio-Wein bestellen.

Mehr als Niederschläge als im Vorjahr

Auf den fünf Hektar Rebfläche bauen Schäufeles alle typisch württembergischen Rebsorten an, zudem aber auch Chardonnay und Weißburgunder. In dieser Woche werden sie noch eine kleine Fläche Trollinger und Lemberger von Hand lesen, da sich die Rebstöcke in einer Steillage befinden. Mit der Qualität der Trauben ist Armin Schäufele sehr zufrieden: „Während der Vegetation gab es mehr Niederschläge als im Vorjahr und wir hatten hinreichend Wasser. Dadurch hatten die Reben weniger Trockenstress. Das führt zu einer erhöhten Aromaauswirkung.“

Problemlose Ernte

Der Großvillarser hat ebenfalls geringfügige Ertragseinbußen festgestellt. Trotzdem lasse das Wetter die Einfuhr der Ernte nahezu problemlos zu. „Wir sind 2019 in unserer Region von Wetterereignissen verschont geblieben und konnten unsere Pflanzenschutzmaßnahmen termingerecht ausführen. Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Armin Schäufele. Er erwartet einen fruchtigen, wohlschmeckenden und gehaltvollen Weinjahrgang 2019.

Vielfalt an Weinsorten

„Neuer Wein und Zwiebelkuchen sind bei unseren Gästen immer gefragt. Sie werden oftmals als Einstieg in den Abend bestellt. Danach kommen beispielsweise andere Spezialitäten wie Schlachtplatte, Salzfleisch, Rinderzunge, Maultaschen oder diverse Salate auf die Teller“, erzählt Juniorchef Benjamin Pfefferle vom Sulzfelder Weingut Reiner Pfefferle, das neun Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Der Verbraucher hat beispielsweise die Wahl zwischen Weiß- und Grauburgunder, Riesling, Sauvignon blanc, Schwarzriesling, Spätburgunder, Lemberger oder Merlot.

Fruchtig und frisch

„Wir haben das ganze Jahr über viel Arbeit im Weinberg geleistet. Vor der Ernte haben wir nicht so gute Trauben herausgeschnitten. Alle diese Maßnahmen waren als Vorarbeiten erforderlich, um die sehr gute Qualität zu bekommen, die wir nun haben“, so Benjamin Pfefferle, der sich auf fruchtige und frische Weine des Jahrgangs 2019 freut.

Lese am 4. Oktober abgeschlossen

Die Lese ging in diesem Jahr vom 13. September bis zum 4. Oktober über die Bühne. Die etwas geringere Ertragsmenge ist in seinen Augen nicht dramatisch. Die Einbußen habe man gut durch das ertragsreiche Vorjahr verkraften können. Qualitativ hochwertige Speisen mit tollem Geschmack bescheinigen Holger Anselnent, Georg Reiling und Ralf Kilgus dem Weingut Pfefferle.

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Das sportliche Trio hat knapp 50 Kilometer per Rad aus seinem Heimatort Kämpfelbach-Ersingen zurückgelegt und ist über den Besenführer der Region Kraichgau in Sulzfeld gelandet. „Wir lassen uns mit dem Auto abholen. Viele Berge auf der Strecke, tolles Essen und neuer Wein haben den Tag für uns perfekt gemacht“, lautet das positive Fazit der drei Männer.