Es geht weiter auf dem verlassen Goodyear-Gelände. Im Gemeinderat wurden jetzt die Pläne vorgestellt. | Foto: dpa

250 Arbeitsplätze möglich

Neues Leben auf altem Goodyear-Areal in Philippsburg

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Die dafür eigens gegründete Immobiliengesellschaft der Wirth-Gruppe aus Waghäusel mit Markus und Andreas Wirth an der Spitze wird rund 17 Hektar des Goodyear-Geländes in Philippsburg übernehmen. Von den ursprünglichen 38 Hektar Gesamtfläche behält die Reifenfirma elf Hektar für ihr Zentrallager. Bei den veräußerten 17 Hektar handelt es sich um den früheren Produktionsbereich entlang der L 602. Im Gemeinderat stellten beide Investoren ihr Konzept vor, das zum Ziel habe, vor allem junge Unternehmer anzusiedeln und energieeffiziente Gewerbeflächen zu schaffen.

Neue Perspektiven nach Goodyear-Aus

Nach der Schließung des Werks (bnn.de berichtete) hatte Goodyear Dunlop das nicht mehr benötigte Areal zum Verkauf angeboten und die Gewerbeimmobilienfirma CBRE exklusiv mit der Vermarktung des Objektes beauftragt, erläuterte Bürgermeister Stefan Martus. Schon früh bewarb sich die Wirth-Gruppe, kassierte zunächst eine Absage, doch im August des Jahres klappte das Vorhaben, hieß es. Für speziell dieses Projekt – plus Umsetzung – schuf die Wirth-Gruppe eine neue Immobiliengesellschaft.

Gemeinderat ist sich einig

So einig war der Gemeinderat schon lange nicht mehr: Die Konzeption stieß auf ein breites Wohlwollen: anders als beim gegenüberliegenden ehemaligen Kasernengelände. Von einem „schlüssigen Konzept“ mit „lobenswerten Kleinparzellierungen“ sprach der Hauptkritiker des geplanten benachbarten Logistikzentrums, Hans-Gerd Coenen (CDU).

Was aufhorchen ließ: Markus Wirth stellte kurzfristig 150 Arbeitsplätze, in einem zweiten Schritt gar 250 Arbeitsplätze in Aussicht. Für Existenzgründer und Jungunternehmer bestehe eine große Nachfrage, betonte Andreas Wirth. Ein Teil der Grundstücke soll in Erbpacht angeboten werden. Mit Hilfe von Existenzgründerprogrammen wie „Start up“ und Maßnahmen der Wirtschaftsförderung sollen die Neuen vor Ort weitere Unterstützung bekommen.

Nicht mehr Lkw-Verkehr aus zuvor

Die große Goodyear-Halle in der Mitte werde künftig für Produktion und Dienstleistung genutzt. In einem ersten Schritt sollen die Bestandsgebäude saniert werden. „Es ist nicht mit mehr Lkw-Verkehr zu rechnen als vorher bei Goodyear“, lautete eine mit höchster Aufmerksamkeit beachtete Zusicherung von Markus Wirth. Der gesamte Verkehr spiele sich durch eine neue optimale Straßenführung auf dem eigenen Firmengelände ab.

Wirth setzt auf modernes Energiekonzept

Zum zweiten Schritt gehören der Ausbau und die Erweiterung. Dazu werde ein Bebauungsplan für klein- und mittelgroße Gewerbeflächen auf dem Gelände um die Hallen herum und insbesondere im Zufahrtsbereich entwickelt. Auf den in der Sitzung vorgestellten Plänen sind 16 neue Einzelgebäude eingezeichnet. „Wir setzen voll auf Modernität und wollen ein Energiekonzept über ein Arealnetz umsetzen, so mit Hilfe von Fotovoltaikstrom, einem Blockheizkraftwerk, von Speichern und E-Tankstellen.“

Kein Logistikzentrum

Wie es hieß, sollen die dadurch reduzierten Energiekosten zu gut 30 Prozent Kosteneinsparungen für die Nutzer führen. Die Wirth-Gruppe als Käufer arbeitet die langfristigen Mietverträge aus. Nach den Schichtbetrieben erkundigte sich Jochen Pöschel (SPD). Momentan sei ein Ein-Schicht-Betrieb geplant, wenn alles gut läuft, gebe es zwei Schichten, war zu erfahren.

Ein Großlogistikzentrum, wie auf der anderen Straßenseite, schließen die Wirth-Brüder definitiv aus, wie sie Peter Steinel (Uli) versicherten. Ob, wie und wann die 2017 beschlossene Veränderungssperre für den Bereich des Reifenwerks greife, wollte Peter Kremer (FW) wissen. Da es sich zunächst um die Nutzung einer Bestandsimmobilie handele, spiele der damalige Beschluss noch keine Rolle. Angetan zeigte sich Coenen: Es entstehe – was sich die CDU schon immer gewünscht habe – ein gefragter Gewerbepark mit kleinen Einheiten für Handwerk, Gewerbe und Dienstleistung.

Werner Schmidhuber