Waghäusel
Waghäusels Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD, 65) ist mit einer engagierten Rede in der Waghäuseler Wagbachhalle ins kommunalpolitische Jahr gestartet. | Foto: Streib

Tritt 65-Jähriger nochmal an?

Neujahrsempfang in Waghäusel: OB Heiler kein bisschen amtsmüde

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Beim Neujahrsempfang der Stadt Waghäusel ist Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD) mit einer leidenschaftlichen Rede ins kommunalpolitische Jahr 2020 gestartet. Heiler, seit 1999 Stadtoberhaupt von Waghäusel, machte klar, dass die Stadt bemerkenswerte Erfolge bei Infrastruktur und Lebensqualität vorweisen könne. Der 65-jährige OB zeigte sich kein bisschen amtsmüde: Am Rande des Empfang machte Heiler deutlich, dass er eine erneute Kandidatur in zwei Jahren nicht ausschließe.

Bevor OB Walter Heiler die Entwicklung der Stadt Waghäusel im vergangenen Jahr und den Ausblick für 2020 fast schon detailverliebt darstellte, holte er ganz weit aus. Das Weltall hatte Heiler zunächst im Blick, wo doch seit vergangenem Herbst die Sternweite in der Waghäusler Eremitage in Betrieb ist. Er hofft nun darauf, dass in nicht allzu ferner Zukunft von dort ein neuer Himmelskörper entdeckt werde – und möglichst den Namen „Waghäusel II“ bekomme.

Heiler beklagt das viele Klagen

Heiler nahm nach der Unendlichkeit des Weltraums und der Tatsache, dass in Deutschland seit 75 Jahren kein Krieg mehr herrsche, die hiesigen Verhältnisse in den Blick. „Uns Deutschen geht es im weltweiten Vergleich doch gut“, mahnte Heiler und beklagte, paradoxerweise, dass hierzulande „unser Klagen und Nörgeln“ auf einem außerordentlich hohen Niveau angesiedelt sei.

Das gelte auch für Waghäusel. Eine kritische Auseinandersetzung gehöre in der Demokratie selbstverständlich dazu und sei erwünscht. Aber, so fragte Heiler: „Wer von vornherein nichts Gutes erwartet, hat der noch Zutrauen, dass sich Probleme lösen lassen?“

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Wer andere schlecht mache, Wut und Empörung entfache und Ängste schüre, bekomme vielleicht erst einmal schnelle Zustimmung. Aber ob sich darauf eine funktionierende Gemeinschaft aufbauen lasse, sei zu bezweifeln. „Wo soll da die Solidarität herkommen?“, wetterte der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete.

Für den kommunalpolitischen Teil seiner Rede hatte Heiler einmal mehr tief in die Statistik geblickt. Unter anderem zitierte er eine neue Studie der Fachzeitschrift „Kommunal“, die Waghäusel in der Infrastrukturentwicklung auf Platz 33 von 581 mittelgroßen Städten in Deutschland sehe.

Heiler zählte eine Reihe laufender und geplanter Maßnahmen in der Stadt auf. Insbesondere die umfangreichen Baumaßnahmen „trotz angespannter Finanzlage“ stelle er heraus. Etwa im Straßenbau und für Plätze wurden 1,5 Millionen Euro ausgegeben, für das Kinderplanschbecken im Rheintalbad eine Million. Auch die laufenden Kosten für die Schwimmbäder (rund 1,5 Millionen) und die drei städtischen Mehrzweckhallen (rund 800.000  Euro) lasse man sich einiges kosten.

Waghäusel hat 2020 viel vor

Und wie geht es weiter? Anspruchsvoll: Heiler zufolge sind 2020 laut Haushaltsentwurf die meisten Investitionen in einem Jahr in der Geschichte von Waghäusel geplant. So der Haushalt vom Gemeinderat beschlossen werde, würden 18 Millionen im laufenden Jahr investiert und 40 Millionen Euro in der mittelfristigen Finanzplanung. Darunter seien neue Einrichtungen für die Kinderbetreuung und Umbau- sowie Sanierungsarbeiten bei den Schulen. Ebenfalls ist ein moderner Zentraler Omnibus-Bahnhof am Waghäusler Bahnhof geplant.

Neben wichtigen Investitionsvorhaben informierte Heiler auch über die statistische Entwicklung der Stadt, die heuer mit 21.649 gemeldeten Personen 49 Einwohner mehr als vor einem Jahr aufweise. Auch die Zahl der Gewerbebetriebe habe sich gesteigert. 209 Betriebe wurden binnen Jahresfrist angemeldet, nunmehr seien es 1.955 Betriebe.

OB will

Heiler dankte vor Hunderten Gästen, darunter Ehrenbürger Robert Straub, vor allem den vielen Ehrenamtlichen in Verbänden und Vereinen sowie den Rathausmitarbeitern und den Gemeinderatsmitgliedern. Wie lange diesen der 65-jährige Rathauschef noch erhalten bleibt, ist derzeit nicht ganz klar.

Am Rande der Veranstaltung sagte Heiler dieser Redaktion, dass er sich noch nicht entschieden habe, ob er bei der nächsten Oberbürgermeisterwahl wieder antreten wird. Mit 67-Jahren hätte Heiler die Wählbarkeit für das Bürgermeisteramt noch eingehalten. „Ob ich es noch einmal mache, werde ich mir wirklich gut überlegen und vor einer Entscheidung mit meiner Familie besprechen“, beschied Heiler auf Nachfrage mit Blick auf das Jahr 2022. Allerdings steht nach aktuellem Stand die nächste OB-Wahl in Waghäusel turnusgemäß erst im Jahr 2023 an. Da Heiler aber bereits im Mai 2022 68 Jahre alt wird, müsste er gemäß einer Übergangsregelung im Zuge einer entsprechenden Gesetzesänderung danach als Oberbürgermeister ausscheiden. Die neue Altersgrenze von 73 Jahren gölte demnach für Heiler nicht. Andererseits war der mit allen politischen Wassern gewaschene Heiler schon für manche Überraschung gut. So beschloss der Gemeinderat bereits 2015 gegen seinen Willen den Abriss der  historischen Südzucker-Silos in Waghäusel – und bislang sind die beiden Türme immer noch da. Insider munkeln gar, dass der OB die Suche nach Investoren bis heute nicht aufgegeben habe.

Ende einer Ära in den Sternen

Wann die Ära Walter Heiler also wirklich enden wird, steht demnach noch in den Sternen, die Waghäusel immerhin mit der neuen Sternwarte besonders gut im Blick hat. Mit seiner engagierten Rede zum Jahresauftakt hat der OB jedenfalls klar gemacht, dass er mit seinem Gestaltungswillen noch lange nicht fertig ist.

(Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde im zweitletzten Absatz um die geltende Rechtslage hinsichtlich der geänderten Rechtslage zur Altersgrenze von Bürgermeistern ergänzt.)