Er hat das Faschings-Gen: Mario Decker trat 1974 in die Neudorfer Karnevalsgesellschaft (NeuKaGe) ein. Er ist Ehrensitzungs- und Ehrenpräsident sowie Ehrensenator. | Foto: Manzey

Fasching in der Hardt

NeuKaGe-Ehrenpräsident Mario Decker hat das „Faschings-Gen“

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Mario Decker hat das Faschings-Gen: Seit über vierzig Jahren ist er als Narr aktiv, ist Ehrensitzungs- und Ehrenpräsident sowie Ehrensenator der Neudorfer Karnevalsgesellschaft (NeuKaGe), Vorsitzender des Narrenkreises Bruchsal und unterhält mit politischen und witzigen Auftritten in der Bütt. Hier verrät er wie die Fastnacht sich im Laufe der Jahre verändert hat und was einen guten Narr ausmacht.

Man hat es oder man hat es nicht, das Faschings-Gen: Einer, der es in jedem Fall hat, ist Mario Decker. Der 62-Jährige ist Ehrensitzungs- und Ehrenpräsident sowie Ehrensenator der Neudorfer Karnevalsgesellschaft (NeuKaGe). 24 Jahre lang führte er die NeuKaGe als Präsident, war 27 Jahre lang Sitzungspräsident. Daneben ist er auch im dritten Jahr Vorsitzender des Narrenkreises Bruchsal.

Mit Humor und Ernsthaftigkeit

Eingetreten in die NeuKaGe ist Decker 1974 im zarten Alter von 17 Jahren. Bereits sein Vater war passionierter Fastnachter und Gründungsmitglied. „Ein Stück weit wird man als Fastnachter geboren“, sagt Decker. Anerziehen könne man die Begeisterung für das Brauchtum der Fastnacht niemanden.

Wir sehen unsere Aufgabe als Fastnachter darin, diese Tristesse zu durchbrechen.

Die Aufgabe des Narren sei es auch heute noch, Politik und Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten – mit ordentlich Humor, versteht sich. „Die Welt ist ernst genug“, sagt Decker mit Blick auf die Flut von Negativnachrichten aus aller Welt. „Wir sehen unsere Aufgabe als Fastnachter darin, diese Tristesse zu durchbrechen.“

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„Fastnacht bleibt sauber“: Witze immer oberhalb der Gürtellinie

Dabei wolle man jedoch niemanden bloß stellen, betont Decker. „Die Fastnacht bleibt sauber“, sagt er. „Man muss immer oberhalb der Gürtellinie bleiben.“ Auch wenn der ein oder andere in der Bütt mal einstecken muss, aus dem Saal schleichen müsse sich dennoch niemand.

Ein guter Narr kann auch über sich selber lachen.

Überhaupt ist es Deckers Einschätzung nach wichtig, in der Fastnacht nicht nur austeilen, sondern auch einstecken zu können. „Ein guter Narr kann auch über sich selber lachen.“

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Publikum hat hohe Ansprüche

Eine feste Figur verkörpert Mario Decker bei seinen Auftritten nicht. Er erfindet sich immer wieder neu, ist mal „dappicher Deifel“, parodiert Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann oder tritt als Grashüpfer mit Biene Maja und Willi gemeinsam auf die Bühne.

Der Orden des Narrenkreises Bruchsal wurde von Kurt Mach kreiert. | Foto: Manzey

Dafür sammelt er das ganze Jahr über Witze und Anregungen. Ein Aufwand, der sich lohnt, ist das Publikum doch über die Jahre immer anspruchsvoller geworden, findet Decker. Durch Internet und Fernsehen sei Comedy mehr oder weniger immer verfügbar, viele Witze sind schon vor den Prunksitzungen bekannt. „Die Kunst ist, das Programm so aufzubereiten, dass es noch aktuell ist. Wenn man auf die Bühne will, muss man immer up to date sein.“

Denn als Fastnachter habe man nur eine Gelegenheit, nur einen Abend, um sich selbst zu präsentieren. Ist das Publikum enttäuscht, kommt es zur nächsten Prunksitzung nicht wieder. „Fastnacht ist ein ernstes Geschäft“, ist Decker daher überzeugt.

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Identifikation mit dem Heimatort

Wichtig für die Auftritte und Reden in der Bütt sei auch der Dialekt. „Wir sprechen so, wie wir aufgewachsen sind“, erklärt Decker. Das trägt zum Lokalkolorit bei und zur Identifikation mit der eigenen Ortschaft.

Seine NeuKaGe stemmt bei ihrer Prunksitzung ein Fünf-Stunden-Programm allein mit eigenen Kräften. Darauf ist Decker stolz. Ebenso darauf, das Brauchtum Fasching erfolgreich an die nächste Generation weitergegeben zu haben.

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