In Heilbronn arbeiteten Beamte der Spurensicherung der Polizei auf der Theresienwiese an einem Tatort, an dem zuvor die Polizeibeamtin Michele Kiesewetter getötet und der Polizist Martin A. schwer verletzt wurde. | Foto: dpa

Drohungen gegen Kraichtalerin

Neues im Fall des mysteriösen NSU-Zeugensterbens

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Ja, Melisa M. aus dem kleinen Kraichtaler Stadtteil Landshausen wurde bedroht. Doch mit dem plötzlichen Tod der 20-jährigen Zeugin im NSU-Untersuchungsauschuss des baden-württembergischen Landtags habe diese Drohung nichts zu tun. Zu diesem Schluss ist jetzt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gelangt.

Mysteriöses Zeugensterben

Die Rede war vom mysteriösen Zeugensterben rund um die Aufklärung der NSU-Morde: Nun hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe zumindest im Fall der Kraichtalerin Melisa M. einen Schlussstrich unter die Ermittlungen gezogen. Melisa M. aus Landshausen, damals 20 Jahre  alt, war 2015 nach einem Motocross-Unfall gestorben. M, zuvor mit dem Eppinger Neonazi Florian H. befreundet, war Zeugin im NSU-Untersuchungsschuss des baden-württembergischen Landtags. Von ihrem Ex-Freund erhoffte man sich Aussagen zum Tod der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter. Doch der Zeuge, der behauptete, er kenne den Mörder, verbrannte in einem Auto. Suizid – wie die Ermittlungen ergaben.

Todesursache Lungenembolie

Daher warf auch Melisa M.s plötzlicher Tod Fragen auf. Die Untersuchungen ergaben allerdings auch bei ihr keine Fremdeinwirkung. Man ging von einer Lungenembolie in Folge des Sturzes aus. Doch war Melisa M. vor ihrem Tod bedroht worden? Zumindest ein Nachbar hatte Kenntnis von einer solchen Drohung.

Nachricht entdeckt

Und tatsächlich konnten die Ermittler eine Nachricht zuordnen. Es handelte sich um eine Botschaft, die bereits bei der Untersuchung ihres Todes bekannt und in die damaligen Ermittlungen einbezogen worden war. „Die Nachricht, die insbesondere Konsequenzen in Aussicht stellte, wenn sich die Zeugin nicht an die Wahrheit halte, hatte auf Melissa M. zwar einschüchternde Wirkung. Strafrechtlich relevante Äußerungen waren jedoch nicht enthalten, sodass das Verfahren jetzt eingestellt wurde“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Auch Melissa M.s späterer Freund aus Kraichtal lebt zwischenzeitlich nicht mehr. Auch bei ihm lautete das Obduktionsergebnis im Februar 2016: Suizid.