Kräftig anpacken müssen die Helfer im Heidelsheimer Freibad, damit am Montag die Saison losgehen kann. | Foto: Heintzen

Senioren fühlen sich abgehängt

Nur Online-Tickets: Die Heidelsheimer starten mit gemischten Gefühlen in die Freibadsaison

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Sie sind bewaffnet mit Rechen und Eimern: Nach und nach trudeln an diesem Samstagmorgen die Helfer am Heidelsheimer Freibad ein. Die spiegelglatte Wasseroberfläche, die einladend in der warmen Vormittagssonne liegt, lassen sie einfach links linken. Schließlich muss noch ein ganzer Anhänger Rindenmulch verteilt werden, damit die Rosen am Beckenrand auch weiterhin so schön blühen.

„Wir sind hier für Grünpflege zuständig, für das Volleyballfeld aber auch für die Reinigung der Toiletten“, erklärt Oliver Scheid. An diesem Montag will man schließlich in Heidelsheim in die verspätete Freibadsaison starten. „Olli, sollen wir das Volleyballfeld aufdecken?“, ruft ein Helfer quer über den Rasen.

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Gute Frage. Achselzucken: „Darf man denn Volleyball spielen?“, fragt der Vorsitzende des Fördervereins Freibad Heidelsheim, Oliver Scheid, etwas ratlos in die Runde. „Sehen Sie, das meine ich. Wir werden nicht wirklich informiert“, macht er seinem Frust Luft.

Keine Infos zum Hygienekonzept

Es sind gemischte Gefühle, mit denen er und seine Mitstreiter in Heidelsheim in diese Freibad-Saison starten. „Wir sind für die Reinigung der Sanitäranlagen zuständig. Die 450-Euro-Kraft muss sicher ein Hygienekonzept einhalten, aber wir haben keine Infos bekommen.“

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Das Heidelsheimer Bad wird von den Bruchsaler Stadtwerken betrieben. Aber der Förderverein – „Ohne uns kein Bad“ – hat das beliebte Außenbecken samt Liegewiese vor Jahren nicht nur gerettet, sondern hält es auch heute noch mit viel Eigenleistung am Laufen.

Unkraut jähten, mähen, saubermachen: Nur weil ehrenamtliche Helfer anpacken, konnte das Stadtteilbad überhaupt erhalten werden. | Foto: Heintzen

Seniorin kann keine Online-Tickets lösen

Renate Veith ist 74 Jahre alt und kommt im Sommer jeden Tag ins Bad. Sie ist nicht allein. Mit sechs bis sieben weiteren älteren Frauen sitzt sie oft im Schatten unter der riesigen Linde oder zieht ihre Bahnen in praller Sonne.

So sollte das auch 2020 werden. Doch obwohl das Heidelsheimer Bad offiziell am Montag öffnet, denkt Veith darüber nach, dieses Jahr eher an den Baggersee zu fahren. „Ich habe kein Internet zuhause. Das mit den Online-Tickets ist unmöglich“, ärgert sie sich. Um lange Schlangen an der Kasse insbesondere am Sasch in Bruchsal zu vermeiden, müssen die Schwimmer vorher im Internet Tickets ziehen – bis zu drei Tagen im Voraus.

Im Heidelsheimer Freibadverein ist man skeptisch: „Viele der Gäste sind Senioren“, erklärt Scheid. „Wie stellt man sich das vor?“

Das Bad gehört einfach zu Heidelsheim

Oliver Scheid, Vorsitzender des Fördervereins

Oliver Scheid kommt ursprünglich aus Obergrombach, wo es ein vergleichbares Bad gibt. Seine Familie und er haben über die Jahre die Einrichtung auch in Heidelsheim schätzen gelernt. „Hier lernen die Kinder schwimmen. Das Bad gehört einfach zu Heidelsheim.“

Das können Susanne und Lea Rebentisch nur unterschreiben. Für Mutter und Tochter ist das familiäre Bad der Treffpunkt im Sommer. „Das Bad ist unheimlich wichtig. Wir sind damit aufgewachsen“, erklärt Mutter Susanne Rebentisch (52), während sie im Sandkasten Unkraut jätet. Die 24-jährige Tochter stürzt sich regelmäßig nach Feierabend in die „Fluten“. Die ganze Familie packt mit an, wenn es was zu schaffen gibt, oder das Freibadfest ruft.

Infos zu den Bruchsaler Bädern: Hygienekonzept für Freibäder 

2020 wird eine besondere Freibad-Saison

„Mal eben schnell“ – das geht im Corona-Jahr nicht mehr so leicht, bedauern viele Mitglieder des Fördervereins. 450 Unterstützer hat die traditionsreiche Heidelsheimer Einrichtungen. Es gab immer mal wieder Probleme, Kämpfe und Herausforderungen. Aber die Freibad-Saison 2020 wird wohl allen noch lange in Erinnerung bleiben.

Tickets für die alle drei Bruchsaler Bäder, Heidelsheim, Obergrombach und das Sasch in Bruchsal gibt es nur online bei den Stadtwerken.