Massive Kritik: Roland Lay, Uwe Hormuth, Stefan Martus, Ute Göbelbecker, Olav Gutting, Karl-Heinz Schmidt und Ulli Hockenberger (von links) beim Vor-Ort-Termin auf Elisabethenwörth.
Massive Kritik: Roland Lay, Uwe Hormuth, Stefan Martus, Ute Göbelbecker, Olav Gutting, Karl-Heinz Schmidt und Ulli Hockenberger (von links) beim Vor-Ort-Termin auf Elisabethenwörth. | Foto: Werner Schmidhuber

Protest auf Elisabethenwört

„Ökoträumereien und grüne Experimente“

Verärgerung wegen der „undemokratischen Vorgehensweise“, Unzufriedenheit mit der ministeriellen Entscheidung, Besorgnis wegen der problemreichen Zukunft des umstrittenen Rückhalteraums: Viel Verstimmung und Verdruss zeigten sich beim Vor-Ort-Termin auf der Insel Elisabethenwört. Dort informierten Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus, seine Dettenheimer Kollegin Ute Göbelbecker, die Philippsburger Umweltamtsleiterin Helga Steinel-Hoffmann und Revierförster Christian Hautz über die aus ihrer Sicht schwerwiegenden und folgenreichen Auswirkungen der vom Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Umweltministerium favorisierten „kleinen Dammrückverlegung“ (wir berichteten mehrfach).
Ihre Solidarität mit den betroffenen Gemeinden und Anwohnern bekundeten die Bundestagsabgeordneten Olav Gutting (CDU) und Christian Jung (FDP), Landtagsmitglied Ulli Hockenberger (CDU) und Rheinsheims Ortsvorsteherin Jasmine Kirschner.

Erboste Bürger auf Elisabethenwört

„Die Entscheidungsfindung war skandalös, wir als Bürger zählen nichts“, erboste sich ein Teilnehmer über die „abgehobenen Behördenvertreter“, die mit der Rückhaltevariante „kleine Dammrückverlegung und ungebremste ökologische Flutung“ ins Planfeststellungsverfahren gehen wollen.
Immerhin handele es sich um 410 Hektar, nicht um einen Teich. Die von der Stadt Philippsburg geforderte „Nullvariante“, also den jetzigen Zustand der Insel zu belassen und nur im Katastrophenfall mittels einer Dammbresche zu fluten sowie – als Alternative dazu – die „kleine gesteuerte Poldervariante“, hat sich das Regierungspräsidium als planende Behörde nicht zu eigen gemacht, was bei allen 100 Teilnehmern der Veranstaltung auf massive Kritik und unüberhörbaren Protest stieß. Bei Hochwasser würden jetzt große Müllmengen und auch Schadstoffe wie Pestizide angeschwemmt, hieß es.

Martus kündigt gerichtliche Schritte an

Zu erwarten sei ein „wahnsinniger Eingriff“, meinte Martus, der erneut ankündigte, gerichtlich gegen das „unsinnige Vorhaben“ vorgehen zu wollen. Bund und Land finanzierten eine „rein ökologische Maßnahme, aber keinen Hochwasserschutz“, so sein Hinweis an die Politiker. Für einen „engen Schulterschluss in der Vorgehensweise“ sprach sich Ute Göbelbecker aus, die eine Bürgerinformationsveranstaltung am 7. Mai in Dettenheim ankündigte.
Laut Martus komme es in beiden Gemeinden jetzt zu Enteignungen und Existenzvernichtungen, so von vier Vollerwerbslandwirten. „Leisten Sie Widerstand. Widerstand gegen Ökoträumereien und grüne Experimente“, rief Gutting auf. Auf fünf großen Tafeln stellte Helga Steinel-Hoffmann die vier Jahre lang diskutierten Planvarianten vor, beim Rundgang erläuterte Förster Hautz die „verheerenden Auswirkungen“ der Behördenplanung.
Ihren Unmut bekundeten auch Karl-Heinz Schmidt von der Bürgerinitiative (BI) „Rußheimer Altrhein“ und Uwe Hormuth von der BI „Wir sind Heimat“, der das Argument der Planer als Witz bezeichnete, eines der schönsten Naturschutzgebiete im Land „renaturieren“ zu wollen. Auf Elisabethenwört solle wissentlich die Natur zerstört werden.

Kritiker sehen großes Gefahrenpotenzial

Mit der Dammrückverlegung haderte Schmidt. Hier eröffne sich weiteres großes Gefahrenpotenzial. Hält der Damm, gerade 60 Meter hinter der Wohnbebauung, der schon jetzt durch Nutrias geschwächt ist? So lautete die bange Frage.
„Nun holt man die Wasserbrutstätten für Schnaken wieder zurück“ echauffierte sich Bürgermeister Martus. „Obwohl die Variante mit Polder einen weitaus besseren Hochwasserschutz bieten würde, hat sich die Behörde für eine Dammrückverlegung ausgesprochen und sich über alle Vorbehalte hinweggesetzt. Sämtliche Argumente wurden einfach ignoriert“, hieß es immer wieder. „So ist halt grüne Demokratie“, regte sich ein Rheinsheimer auf. „Aus der hoch und heilig versprochenen Bürgerbeteiligung ist eine sündige Farce geworden.“

 

Von Werner Schmidhuber