Vom Bahnhof Wiesloch ist es nicht weit ins große Walldorfer Gewerbegebiet. | Foto: Klumpp

Verkehrschaos bei Walldorf

Per Seilbahn ins Büro?

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Vorbild La Paz? Oder Koblenz? Wuppertal? Künzelsau? Seilbahn? Schwebebahn? Standseilbahn? Immer mehr Verkehr auf den Straßen, der zudem individualisierter wird, verlangt nach neuen Lösungen. Eine, die in jüngerer Zeit immer stärker diskutiert wird, ist die Seilbahn. Beispiel: Europapark Rust. Die Pläne liegen aktuell allerdings auf Eis. Jetzt hat der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung (Wahlkreis Bruchsal/Schwetzingen) eine Seilbahn für die Verbindung vom Bahnhof Walldorf/Wiesloch in Richtung des Walldorfer Gewerbegebietes mit der SAP-Zentrale ins Gespräch gebracht. Aus seiner Sicht müsse eine solche, bislang eher unkonventionelle Lösung zumindest einmal durchgedacht werden. Jung: „Das Chaos im Berufsverkehr morgens und abends rund um Walldorf, das Walldorfer Kreuz mit A5 und A6 sowie auf den Zufahrtsstraßen verlangt nach einer Entzerrung.“

Straßen sind überlastet

Dieser Ansicht ist auch Christiane Staab. Die frühere Karlsruher CDU-Stadträtin ist seit einem Monat in ihrer zweiten achtjährigen Amtszeit als Bürgermeisterin der Stadt Walldorf. Sie macht deutlich, dass die Straßen in der Region Walldorf sämtlich überlastet sind. Sie nennt auch den Grund: „Wir haben 15 000 Einwohner, aber 22 000 Arbeitsplätze.“ Die Einpendler kommen aus dem Rhein-Neckar-Raum und aus dem Kraichgau sowie dem Raum Karlsruhe. Die Fahrt zur Arbeit ist oft gleichbedeutend mit Stau, wobei der größte Flaschenhals die Landesstraße 723 ist. Nach der Abfahrt von der A6 bei Wiesloch-Rauenberg in Richtung Walldorf ist sie kurz noch vierspurig, wird dann aber zweispurig.

Mobilitätspakt mit dem Land

Angesichts der Belastung wurde für die Region Walldorf/Wiesloch im vergangenen Jahr ein Mobilitätspakt geschlossen, dem neben anderen das Land, die beiden Städte Walldorf und Wiesloch, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar und drei große Unternehmen beteiligt sind. Der Pakt hat die Verbesserung der Gesamtsituation zum Ziel, wobei die L723 als Problem erkannt ist.

Alles wird geprüft

Allerdings sollen auch alle anderen Möglichkeiten zur Entlastung gecheckt werden. Das, so sagt Christiane Staab, beginnt beim Untersuchen alter Bahnstrecken für den Ausbau des schienengebundenen ÖPNV, umfasst weiter Carsharing, autonom fahrende Shuttle-Busse – oder eben eine Seilbahn.

Mobilitätsmanager

Auch der Rhein-Neckar-Kreis ist an dem Pakt beteiligt. Wie sehr die Lösung der Verkehrsprobleme rund um die beiden Städte drängt, zeigt, dass Walldorf und Wiesloch gemeinsam einen Mobilitätsmanager eingestellt haben.

Ergebnisse in drei Jahren

Christiane Staab will nun sehen, zu welchen Ergebnissen die Überlegungen in der Folge des Mobilitätspaktes vom Oktober 2018 kommen. Das Verkehrsministerium will nach drei Jahren erste Ergebnisse vorliegen haben. Ob dann schon eine Seilbahn ins Visier genommen wird?

Auch der Bus steht im Stau

Für den FDP-Politiker Jung lohnt das Nachdenken in dieser Richtung allemal, „weil eine solche Bahn deutlich billiger als jedwede größere Straßenbaumaßnahme käme“. Die Seilbahn vom Bahnhof Walldorf Richtung SAP müsse nur eine relativ kurze Strecke überwinden, könne aber viele Kunden des Bahnverkehrs befördern, sagt Jung. Dessen Angebot sei, so der Verkehrsexperte seiner Fraktion, zwar relativ ordentlich, bringe dem Bahnfahrer aber nichts, wenn er danach mit dem Bus im Stau auf der Straße stehe.

Sanierung Walldorfer Kreuz

Der Liberale verweist auf eine drohende Verschärfung der Verkehrslage in Richtung Walldorf. Schon für 2022 hat das Regierungspräsidium Karlsruhe die Sanierung des Walldorfer Kreuzes im Schnittpunkt von A5 und A6 angekündigt. Dauer: drei Jahre.