Die Innenstadt Bruchsals wird in Zukunft wieder stärker in den Fokus rücken, kündigt Cornelia Petzold-Schick an. Sie will ein Plätze-Konzept etablieren.
Die Innenstadt Bruchsals wird in Zukunft wieder stärker in den Fokus rücken, kündigt Cornelia Petzold-Schick an. Sie will ein Plätze-Konzept etablieren. | Foto: Heintzen

OB im Interview

Petzold-Schick: Neue Akzente für Bruchsaler Innenstadt

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2019 – das ist für Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick ein Jahr der Weichenstellungen. Sie spielt damit zum Beispiel auf den Baubeginn für die Unterführung vom Bahnhof zur Bahnstadt an. Aber 2019 bringt mit der Kommunalwahl auch politische Weichenstellungen. Und die Bruchsaler Innenstadt wird wieder stärker in den Fokus rücken, sagt die OB im BNN-Interview.

Nach Ihrem Skiunfall und einer OP sind Sie schnell zurück in den Dienst gekehrt. Wie geht es Ihnen, und ist die OB so unentbehrlich im Rathaus?

Petzold-Schick: Es geht mir den Umständen entsprechend. Es ist ein sehr komplizierter Bruch, der Zeit braucht für den Heilungsprozess. Ich muss lernen, mit dieser Einschränkung über längere Zeit umzugehen. Dennoch müssen die wesentlichen Arbeiten weitergehen. Einige externe Termine werde ich aber streichen müssen. Das Misstrauen gegenüber den etablierten Parteien wächst. Dazu kommen Gefühle von Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung.

Wie stark beeinflusst das Ihre Arbeit?

Petzold-Schick: In einer aktuellen Studie des Regionalverbandes äußern sich die Befragten sehr zufrieden über Wohnumfeld, Infrastruktur und Nahversorgung. Wenn man dann aber sieht, dass diejenigen, die Ängste schüren, immer wieder durchdringen, dann bleibt für mich als einzige Lösung Begegnung und Kommunikation. Wir leben in einer prosperierenden Stadt, die eine unglaubliche hohe Lebensqualität hat.

Haben Sie die Befürchtung, dass sich bei den Kommunalwahlen die Unzufriedenheit einiger Bürger im Ergebnis niederschlagen wird?

Petzold-Schick: Ich kann nur hoffen, dass sich die Menschen informieren, wie sich Bruchsal in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Aber ich erwarte auch von den etablierten Parteien, dass sie darstellen, für was sie stehen und was sie in den vergangenen Jahren geleistet haben. Wenn einem Gemeinderat Einheitsbrei vorgeworfen wird, ist das zu vereinfacht, weil die Bürger Lösungen wollen.

Der Eindruck eines Einheitsbreis könnte dadurch entstehen, dass häufig die Diskussionen im Gemeinderat nichtöffentlich stattfinden. Bis es zur öffentlichen Sitzung kommt, ist bereits ein Konsens gefunden …

Petzold-Schick: Das ist für mich ein anderer Aspekt. Da geht es um Transparenz. Aber diejenigen, die uns Einheitsbrei vorwerfen, gehen davon aus, dass abgestimmte Kompromisse im Ergebnis schlecht sind. Das ist für mich Populismus: Eine Entscheidung deshalb anzuzweifeln, weil Parteien von links nach rechts dafür sind. Es wäre fatal zu glauben, unseren Gemeinde- und Ortschaftsräten werde etwas von der Verwaltung untergeschoben. Aber vielleicht haben Sie Recht und man müsste den Menschen, das Ringen um Lösungen deutlicher aufzeigen. Nur: Wer kommt denn zu den Sitzungen?

Und wie bewerten Sie dieses Fernbleiben der Bürger?

Petzold-Schick: Auch wenn über den Gemeinderat „gebruddelt“ wird, so hat man dennoch das Vertrauen und hat die Verantwortung an die Räte abgegeben. Und das ist auch in Ordnung. Aber natürlich rufe ich die Bürger auf, noch vor der Wahl zu einer Sitzung zu kommen.

Die sozialen Medien bieten andere Möglichkeiten, sich mit Politik und deren Vertretern auseinanderzusetzen. Wie erleben Sie das?

Petzold-Schick: Im persönlichen Umgang merkt man, dass seit einigen Jahren der Ton in der Bürgerschaft rauer geworden ist, aber damit kann ich gut umgehen. Das wird durch die digitalen Medien jedoch schwieriger. Es gibt in der Auseinandersetzung kein richtiges Gegenüber mehr. Diese Veränderung könnte auf Dauer zermürbend sein.

Wie steht es um die Innenstadt-Entwicklung? Aktuell profitiert Bruchsal von den Karlsruher Baustellen. Die sind aber bald Geschichte.

Petzold-Schick: Die Innenstadt-Entwicklung war in den vergangenen zwei, drei Jahren nicht unser Topthema. Jetzt müssen wir wieder neue Akzente setzen. In seiner Klausurtagung im März wird sich der Gemeinderat damit beschäftigen, was als nächstes Priorität hat. In der nächsten Gemeinderatssitzung wird ein Einzelhandelsgutachten vorgestellt. Das zeigt, dass Bruchsal als Mittelzentrum in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht hat, zum Beispiel bei der Auswahl von Innenstadt relevanten Sortimenten. Insgesamt ist die Kundenzufriedenheit hoch, auch wenn unterschiedliche Öffnungszeiten und die Parksituation bemängelt werden.

Wann geht es am Kübelmarkt endlich voran?

Petzold-Schick: Dort gibt es aktuell ein technisches Problem mit den Pollern, das hoffentlich im Frühjahr gelöst sein wird. Wir wollen mehr Gastronomie am Kübelmarkt und die Autos rausbringen. Für mich ist es wichtig, dass wir das Plätzekonzept strategisch verankern. Alle Plätze in der Innenstadt sollen bespielt werden. Dafür wollen wir uns, ähnlich wie am Europaplatz, Paten suchen, die verantwortlich für den Platz sind.

Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes wurde verschoben. Hoffentlich nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag?

Petzold-Schick: Wenn der Durchstich der Unterführung am Platz geschafft ist, soll es dort weitergehen.

Gibt es dafür schon Investoren?

Petzold-Schick: Ja, die gibt es. Diese Umgestaltung ist ein klassisches Investorenprojekt. Die Bahn selbst hat noch nicht entschieden, wie sie sich einbringen wird.

Die Konjunktur boomt. Warum gelingt es Bruchsal dennoch nicht, zumindest nicht neue Schulden zu machen?

Petzold-Schick: Die Schulden, die wir aufgebaut haben, sind für investive Projekte. Es sind sozusagen rentierliche Schulden. Für dieses Haushaltsjahr haben wir unsere Prioritäten sehr strategisch gewählt. Dort, wo es Förderungen gab, haben wir sie mitgenommen.

Werden die Förderungen nicht von höheren Baukosten aufgefressen?

Petzold-Schick: Bei der Bahnunterführung ist das für mich besonders bitter. Deren Zuschüsse kann ich als Erfolg für mich verbuchen, weil es gar kein klassisches Programm gab, sondern ich diese ausgehandelt habe. Und jetzt ist das vermutlich genau der Betrag, den es wohl mehr kosten wird. Aber für die Schulden gibt es noch weitere Gründe.

Welche?

Petzold-Schick: Gestiegene Umlagen im Sozialbereich, etwa für die Eingliederungshilfe des Landkreises. Und dann wollen wir unsere Standards in der Kinderbetreuung halten und so einen weiterhin höheren Betreuungsschlüssel gewährleisten.

Nun will die Landes-SPD die Betreuungskosten abschaffen. Wie bewerten Sie diesen Vorstoß?

Petzold-Schick: Bei dieser Diskussion darf nicht nur die Gebührenfreiheit gefordert werden, sondern es muss auch um Qualität gehen. Wenn das funktionieren soll, muss es eine komplette Systemumstellung geben. Dann wären Bund und Land für die Kitas mitverantwortlich, und es bräuchte einheitliche Standards. Kurzfristig halte ich das nicht für möglich. Aber ich kann mir zum ersten Mal vorstellen, dass der Vorstoß der SPD nicht nur als Gedöns abgetan wird, sondern über den Wahlkampf hinaus besteht.

Die Landesfeuerwehrschule wird am neuen Standort erweitert. Am alten tut sich dagegen nichts. Wie soll es da aus städtischer Sicht weitergehen?

Petzold-Schick: Die alte Landesfeuerwehrschule ist aus städteplanerischer Sicht natürlich eine Fläche, die wir im Blick haben. Vergangenes Jahr war ich im Finanzministerium und habe dort über Verfahrensmöglichkeiten gesprochen.