Verschärfte Kontrollen entlang der Lkw-Parkplätze in der John-Deere-Straße und der angrenzenden Heinrich-Hertz-Straße gibt es seit Anfang November. Die Behörden haben damit auf Klagen von anliegenden Firmen reagiert. | Foto: Schaub

Großer Parkdruck

„Piratenparkerei“ im Industriegebiet Bruchsal ist im Visier

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Mit schärfen Kontrollen entlang der Lkw-Parkplätze im Industriegebiet West reagiert die Stadt Bruchsal auf Proteste von anliegenden Firmen, die über wilde „Piratenparkerei“ klagen. Zuletzt hatte am Mittwoch Morgen ein schwerer Unfall mit einen geparkten Lkw-Auflieger in der John-Deere-Straße den Fokus auf das Problem gelenkt.

Ungebremst war ein 22-Jähriger nach der Nachtschicht am Mittwochmorgen auf der Bruchsaler John-Deere-Straße in einen geparkten Hänger gerast und dabei schwer verletzt worden. Über die Gründe – übermüdet oder unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln – machte die Polizei am Donnerstag keine Angaben: Das Ergebnis der Blutentnahme liegt erst in einer Woche vor, und der Fahrer war noch nicht vernehmungsfähig.

In der Heinrich-Hertz-Straße blockieren Zugmaschinen und Auflieger teilweise Monate lang die Parkplätze an der Straße. | Foto: Schaub

In den Unternehmen der angrenzenden Heinrich-Hertz-Straße und in den sozialen Netzwerken hat die Park-Situation im Industriegebiet West nicht erst seit dem Unfall eine breite Diskussion ausgelöst. „Seit letztes Jahr hat sich die Situation zugespitzt“, klagt Schreiner Peter Fuchs im BNN-Gespräch über die „Piratenparkerei“ auf den Seitenstreifen entlang der John-Deere-Straße. Teilweise seit Monaten und entgegen der Fahrtrichtung stehen nach seinen Angaben außerdem über ein Dutzend Zugmaschinen und Auflieger auch mit ausländischen Kennzeichen am Straßenrand in der Heinrich-Hertz-Straße.

Ausweichquartier für Rastplätze

Fuchs vermutet, dass Mitarbeiter einer Spedition in der Nachbargemeinde dort ihre Fahrzeuge abstellen und Brummifahrer von überfüllten Autobahnraststätten auf das Bruchsaler Industriegebiet ausweichen – entsprechende Ratschläge soll nach seinen Informationen sogar die Autobahnpolizei geben. Auch die gelben Wagen des nahen Postfrachtzentrums würden immer wieder an der John-Deere-Straße geparkt und behindern die Sicht anderer Verkehrsteilnehmer. „Abends staut sich der Verkehr bis zum Kreisel“, klagt Peter Fuchs frustriert.

„Frage der Zeit bis dort etwas passiert“

„Ich hätte im Dunkeln und bei Regen auch schon mal fast einen Anhänger übersehen“, schreibt eine Frau als Reaktion auf den Unfall vom Mittwoch. Eine weitere beschreibt im Internet „abenteuerlich“ parkende Lkws, die beim Einbiegen auf die John-Deere-Straße die Sicht stark beeinträchtigen. Für einige Bruchsaler war es nur eine Frage der Zeit, dass dort etwas passieren würde.

Unterschriften gegen wilde Parkerei

Mit einer Unterschriftenliste, die zwölf Firmen aus dem Industriegebiet West unterzeichnet haben, ist Schreiner Fuchs bereits Ende Oktober beim städtischen Ordnungsamt vorstellig geworden. Er protestiert damit gegen die aus seiner Sicht wilde Parkerei und Missbrauch der John-Deere- und Heinrich-Hertz Straße als „Dauerabstellplätze“. Zum Vergleich führt er das Industriegebiet von Pforzheim an, wo er beruflich öfters unterwegs ist. Dort sei das Parken von Lkw eingeschränkt, und nur wenige Fahrzeuge würden dort abgestellt.

Stärkere Kontrollen angelaufen

Bei der Stadtverwaltung hat man unabhängig vom jüngsten Unfall bereits auf die Klagen der Firmen reagiert: „Das Ordnungsamt kontrolliert verstärkt das korrekte Parken in den gekennzeichneten Bereichen und die richtige Fahrtrichtung“, erklärt Pressesprecherin Ina Rau auf BNN-Anfrage. Auch das Polizeirevier wurde gebeten, dort öfter vorbei zu fahren und zu kontrollieren. Einmal monatlich gebe es bereits eine mobile Geschwindigkeitsmessung auf der Straße, auf der erfahrungsgemäß oft schneller gefahren werde, so Rau.
In nächster Zeit will Ordnungsamtsleiterin Jessica Deutsch mit dem zuständigen Sachbearbeiter einen Vor-Orttermin wahrnehmen, bei dem auch im Gespräch mit den ansässigen Firmen über Verbesserungsvorschläge nachgedacht wird.