Für die echten Notfälle ist in der Zentralen Notaufnahme immer weniger Platz, da zunehmend auch hausärztliche Notfallpatienten die Einrichtung nutzen. Der Umzug des Ärztlichen Notfalldienstes in die Fürst-Stirum-Klinik hat für etwas Entlastung gesorgt. | Foto: dpa

Nach Umzug in Stirum-Klinik

Platz für die echten Notfälle

„Mehr als die Hälfte der Patienten fällt nicht unter die Definition eines medizinischen Notfalls.“ Dieses Ergebnis einer Studie zur bundesweiten Situation in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser, das jüngst das Ärzteblatt veröffentlichte, findet seinen Widerhall auch in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal. „Heutzutage wird schneller der Rettungsdienst gerufen und die Patienten begeben sich eher direkt in die Notaufnahme“, beobachtet die Leiterin der ZNA, Martina Grzenkowski.

Kein Vertrauen in eigene Einschätzung

Insgesamt stellt die leitende Oberärztin bei den Patienten außerhalb der regulären Öffnungszeiten der niedergelassenen Arztpraxen ein steigendes Unwissen darüber fest, mit welchem Krankheitsbild man wo hin geht – „aber jeder kennt das Krankenhaus“. Am Wochenende werden so täglich 80 bis 100 Patienten von zwei Internisten und zwei Chirurgen versorgt. Ein Urologe und ein Gynäkologe stehen auf Abruf bereit. In den vergangenen Jahren hat aber laut Grzenkowski die Tendenz zugenommen, Krankheitssymptome umgehend abklären und nicht erst bis zur Sprechstunde am Montag warten zu wollen. „Während des Notfalldienstes sehen wir zunehmend auch Hausarztpatienten“, stellt die leitende Oberärztin fest. Viele Patienten hätten kein Vertrauen mehr in ihre eigene Einschätzung.

Ärztlicher Notdienst entlastet

Zu einer spürbaren Entlastung hat da immerhin der Umzug des Ärztlichen Notfalldienstes in das Erdgeschoss der Fürst-Stirum-Klinik geführt. Er war bis dato nicht barrierefrei zugänglich in der Zollhallenstraße untergebracht. Seit dem 1. Juli praktiziert Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 19 bis 24 Uhr, mittwochs von 13 bis 24 Uhr und an den Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 24 Uhr jeweils ein niedergelassener Arzt Tür an Tür mit den Kollegen von der ZNA und macht – falls nötig – auch Hausbesuche. Typische hausärztliche Probleme wie Erkältungskrankheiten können nach dem Umzug des Notfalldienstes in der Klinik eine Tür weiter untersucht werden.

Doppeluntersuchung vermieden

So bleibt mehr Zeit für echte Notfälle wie ein drohender Herzinfarkt oder chirurgische Eingriffe bei akut einsetzenden, heftigen Bauchschmerzen. Umgekehrt haben Besucher des Ärztlichen Notfalldienstes bei unklaren Herzbeschwerden kurze Wege, um etwa an den Herzkathetermessplatz angeschlossen und in der Klinik behandelt zu werden. Infos können ausgetauscht und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

KV will Patienten zentral steuern

Eine weitere Entlastung erhofft sich die Leiterin der ZNA von der geplanten zentralen Patientensteuerung der Kassenärztlichen Vereinigung. Wie die genau aussehen soll, ist laut Grzenkowski noch unklar und soll 2018 geklärt werden. Was für die Patienten in der abgestuften Notfallversorgung weitere Wege bedeuten könnte, würde nach ihrer Einschätzung aber mit einer besseren medizinischen Versorgung kompensiert. Und die Zentrale Notaufnahme hätte wieder mehr Kapazitäten für die wirklichen Notfälle.