"Pokemon Go" verbindet und bringt in Bewegung: Stefan, Christine, Dario, Sandra und Dietmar (von links) trafen sich am Samstag im Schlosspark von Bruchsal mit vielen anderen Fans des virtuellen Spiels. | Foto: Thienes

Community-Day in Bruchsal

„Pokémon Go hat mir das Leben gerettet“

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In Bruchsal waren am Wochenende die Monster los: Im Schlossgarten haben sich die Spieler des Handygames Pokemon Go getroffen, um gemeinsam auf die Jagd nach dem virtuellen Monster Endivie zu gehen. Für viele Fans hat das Spiel positive Nebeneffekte.

„Community-Day“ am Samstag in Bruchsal: Nur Pokemon Go-Spieler fangen mit diesem Gemeinschaftstag etwas an. Monatlich finden sich weltweit Menschen an markanten Stellen ihrer Städte ein, an Brunnen, Türmen oder im Schlossgarten Bruchsal. Sie stehen plaudernd beieinander, tragen um eine Hand ein Band mit dem sogenannten Go Plus, einem tropfenförmigen Knopf in der Handfläche. Dieser zeigt mit Vibrieren die Anwesenheit eines Pokemon an. Per Knopfdruck kann man die Figur in dem virtuellen Spiel fangen, ohne aufs Handy zu sehen. Sie sehen trotzdem drauf – vielleicht nicht so häufig.

Pokémon-Go
Pokémon-Go kann auch in Gruppen gespielt werden. | Foto: jodo

Die Jagd nach „Endivie“

Am Samstag galt es, das Pokemon „Endivie“ zu fangen. Es sei selbst nicht außergewöhnlich, aber mit ihm konnte – nur an diesem Tag – ein Move erlernt werden, eine Bewegung oder Handlung, die später im Spiel nützlich werde. Pokemon Go biete jedem Typ etwas, erläutern Sandra, Christine, Dario und Stefan, ob Sammlern, Kämpfern oder anderen, die am liebsten viele Kilometer zurücklegen, im Rahmen der Aufgaben.
Dietmar sah laut Tochter Denise mit ihr in den 90ern die Fernsehserie Pokemon. Denise, inzwischen erwachsen, genießt heute die Pokemon-Jagd, mit Vater und Hund Sky im Schlossgarten. Monika Walter drückt die Bedeutung des Spiels für sie per Email nach dem Arktos-Tag im Juli so aus: „Nach dem Tod meines Mannes habe ich angefangen, Pokemon Go zu spielen. Das hat mir das Leben gerettet, mich aus der Einsamkeit geholt.“ Sie habe viele nette Menschen kennengelernt. Als sie am C-Day mit rund 30 anderen verabredet war und sich verspätete, warteten sie, „wirklich alle. Das war großartig.“
Das Pokémon-Go-Logo | Foto: Niantic/pr

Laufen statt sitzen, Sport statt Einsamkeit

Andere kamen über Spielekonsolen in den 1990er-Jahren dazu und viele wetteifern heute beispielsweise bei E-Sport-Events um Preisgelder von bis zu 250.000 Euro. Sandra, Christine, Dario und Stefan versichern, sie sind nie zuvor so viel herumgekommen wie jetzt durch Pokemon Go – es fallen Städtenamen wie Düsseldorf oder Paris, wo sie dank Pokemon-Stadtplänen Sehenswürdigkeiten „mitnehmen“. Dario wog bis 2016, als er zu spielen begann, 120 Kilo. „Ich saß täglich auf dem Stapler und abends am PC.“ Jetzt hat er 88 Kilo und freut sich aufs Kicken mit Pokemon-Freunden aus Forst. Sie treffen sich auch zum Lasertec oder Kino. Stefan Pupp ist Chemikant und zeigt seinen Bildschirm: 9.767 Kilometer. Die hat er nur durch Pokemon Go zurückgelegt seit 2016, als er auf dem Gipfel des Hypes dazu kam. Krankenschwester Sandra ist der „Frischling“ der Runde. Als sie als erste drei Fänge verkündet, necken die anderen sie: „Anfängerglück“. Echte Nerds investieren Hunderte Euro in Werkzeuge, um die bunten Tierchen täglich siegreich in Arenen zu schicken, Pokebälle nach ihnen zu werfen. „Völlig unnötig“, lautet die entspannte Meinung dieser Runde.

Spielen über Generationsgrenzen

„Kürzlich sah ich ein Mädchen mit seiner Oma“, so Sachbearbeiterin Christine Sonnleitner, „das sich aufgeregt über einen Pokemon-Fang freute. Da zog die Oma ihr Handy aus der Tasche und meinte, na, den krieg ich aber auch.“ Pokemon Go verbinde – generationsübergreifend.

Und wollte die Stadt beispielsweise den Viktoria-Park beleben, ergänzt Stefan, müsse sie nur ständige Lockmodule dort installieren an den Poke-Stopps. Das könne jeder Spieler. Man könne die Module kaufen oder gewinnen. Denn wo viele Leute seien, fänden keine Drogendeals statt – noch ein Grund für Pokemon Go.

Was ist Pokémon Go? (Video des Herstellers)