Sie hat gut lachen: Nicole Silvery beherrscht Poledance.
Sie hat gut lachen: Nicole Silvery beherrscht Poledance.

Selbstversuch der Redaktion

Poledance – der Tanz an der Stange

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Poledance hat in den großen Städten schon so ein bisschen lifestyle-mäßiges. Immer mehr Leute trimmen ihren Körper an den Metallstangen. Ganz einfach ist die Sache nicht, aber mit solider Anleitung gibt es erste Erfolge nach kurzer Zeit.

Poledance? Das ist doch das, wenn halbnackte Frauen sich lasziv um eine Metallstange räkeln … Ja, aber! Poledance, das ist auch eine mittlerweile ernsthaft betriebene Form der körperlichen Ertüchtigung, die ich einmal selbst testen wollte. Nicole Silvery ist meine Trainerin in der Bruchsaler Tanzschule Wipper. „Erst einmal warm machen“, erklärt sie mir zum Einstieg und legt rhythmische Musik auf. Dehnübungen für sämtliche Muskelpartien stehen auf dem Programm – die Muskeln werden im weiteren Verlauf meines Poledance-Kurses noch gebraucht.

Aufwärmübungen

„Wir bieten das schon einige Zeit an“, sagt Lillia Wipper, „die Nachfrage hat deutlich zugenommen, obwohl das Image von Poledance immer noch einen Hauch von ,verrucht‘ hat.“ Im Alltag sieht das freilich ganz anders aus. In dem Raum, in dem die Poles, die Stangen, montiert sind, sieht es aus wie beim Ballett – wer an der Stange übt, kann sich an der Spiegelwand gut selbst beobachten. Das gilt auch schon für meine Aufwärmübungen. Und ich sehe vor allem, dass es mit der Gelenkigkeit bei mir nicht so weit her ist.

„spinning poles“

Lillia Wipper erklärt mir das System der Stangen. Wir werden an „spinning poles“ arbeiten – die Poles sind an Boden und in der Decke fest montiert und liegen in einem Gelenk, drehen sich also.

Mit Schwung

Das hat Vorteile, wie ich gleich sehe. „Wir machen erst mal einen „plie spin“, sagt die 27-jährige Nicole. Stange mit beiden Händen festhalten und auf den Zehenspitzen drumherum laufen. Da kann ich schon einmal üben, wie das mit dem Schwung holen ist. „Das klappt ja schon ganz gut“, meint die Trainerin, obwohl der Blick in den Spiegel deutlich macht, dass da noch Luft nach oben ist.

Jetzt kommt die Choreo

Das wird sich im weiteren nicht ändern. Aber immerhin: Es klappt. „Klettern“, „chair“ und noch zwei Übungen studiere ich einzeln ein. „Am Schluss soll es dann eine Choreo geben,“ sagt Nicole. Eine Choreo? Alle Übungen zu Musik am Stück.

Körperspannung

Das also ist der Plan, vom dem ich höre, während ich mein rechtes Bein hüfthoch von vorne nach hinten um die Stange wickle. „Jetzt das andere hochheben und nach hinten führen, damit sich die Zehen berühren“, ruft Nicole mir zu, und ich brauche meine ganze Kraft, damit ich nicht von der Stange rutsche. „Krönender“ Abschluss wird das „sit in“ – eine Übung, bei der man sich aus einer Halteposition an der Stange auf den Boden gleiten lässt und mit Schwung wieder aufsteht. Alles ist ein wenig ungelenk und mit hohem Kraftaufwand verbunden. „Mehr Körperspannung“ rät mir Nicole – und in der Tat: Wenn man sich diesbezüglich etwas konzentriert, gelingt einem manches besser.

Fünf Figuren am Stück

Schritt für Schritt kommen wir voran. „Jetzt alles am Stück,“ lautet das Kommando von Nicole, die „tainted love“ auflegt. Um die Stange herum, klettern, den „chair“, also den „Stuhl“ machen, „sit in“, „kick“ und zurück in die Vertikale. Mir tun die Oberarme weh und nach jedem Versuch heißt es erst einmal Luft holen. Aber dann sitzt unsere „Choreo“. Nicole ist zufrieden. Eine knappe Minute am Stück habe ich an der Pole gearbeitet und bin heilfroh, dass ich das unfallfrei geschafft habe.

Kraft und Technik

„Das kann man schon gut lernen, wenn man regelmäßig übt.“ Nicole übt sehr regelmäßig, denn nach unserem Training zeigt sie, was sehr fortgeschrittenes Poledance bietet. Kopfüber hängt sie an der Stange und man muss genau hinschauen, um zu erkennen, wie das mit dem Festhalten funktioniert. Kraft braucht man, aber keine Muskelberge. Die zierliche Nicole bestätigt das. „Viel geht auch über die richtige Technik“, erklärt sie mir noch einmal. Da geht es etwa um die Griffhöhe oder das Anpressen an die Stange – was wiederum Muskeln in Bauch und Rücken voraussetzt.

Lifestyle in der Stadt

Diese Partien werden beim Poledance besonders trainiert, macht die Trainerin deutlich.
Es sind überwiegend junge Frauen in den Zwanzigern, die Poledance machen, berichtet Lillia Wipper. Seltener kommen etwas ältere Damen zum Training. Immer mehr setze sich die Erkenntnis durch, dass Poledance wenig mit schummrigen Bars, sondern viel mit Gymnastik und Sport zu tun hat. Das registriert die Bruchsaler Tanzschule an der wachsenden Nachfrage für die Poledance-Kurse. Für Lillia Wipper hat Poledance mittlerweile etwas von Lifestyle. In Großstädten sei das Poledance schon sehr populär.