BÖLLER-SPUREN: Im Eingangsbereich dieses Asyl-Containers ist in der Neujahrsnacht ein Böller mit großer Sprengkraft explodiert. Die Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung. | Foto: art

Polizei ermittelt in Kraichtal

„Polen-Böller“ explodiert an Asyl-Container

Das Thema birgt Sprengkraft: In Münzesheim ist in der Neujahrsnacht ein Asyl-Container durch einen Böller beschädigt worden. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen und sucht nach Zeugen. Die Hintergründe sind noch völlig unklar.

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe am Sonntagnachmittag mitteilte, explodierte der Feuerwerkskörper vor den Eingangsbereich eines Wohncontainers im Bereich des Horst-Kochendörfer-Platzes im Kraichtaler Stadtteil Münzesheim. Die insgesamt drei Container dort  dienen dem Landkreis Karlsruhe als Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 90 Flüchtlinge und Asylbewerber. Allerdings wohnen dort derzeit deutlich weniger Personen. Die Einrichtung soll im Frühjahr aufgelöst werden.

Nur wenige Asyl-Bewerber in der Unterkunft

Als der Feuerwerkskörper gezündet wurde, hielten sich wohl knapp zehn Asylsuchende in der Unterkunft auf. Darunter ein Syrer, der dem Eingang am nächsten lag, wie es bei der Polizei hieß. Zwar waren Spuren der Explosion auch im Inneren des Containers zu sehen, der Mann und andere Personen kamen aber nicht zu Schaden.

Asyl Böller
SCHEIBE KAPUTT: Im Eingangsbereich des Asyl-Containers in Münzesheim ist bei einer Böller-Explosion eine Glasscheibe zerborsten. | Foto: art

„Wir haben geschlafen“

Der Böller wurde offensichtlich in den Eingangsbereich geworfen oder dort gezündet. Daneben lagen auch am Sonntagmittag noch Scherben. Die äußere von zwei Scheiben in der Tür ist geborsten und wurde notdürftig mit Pappe abgedeckt. Die Leuchtröhre über der Tür ist aus der Verankerung gerissen. Innen ist ebenfalls eine Leuchtröhre aus der Befestigung gerissen. Die Bewohner des Containers reagierten am Tag danach gelassen. „Wir haben geschlafen, da hat uns dieser Schlag und das zerbrechende Glas aufgeweckt“, erzählt ein Afrikaner.

„Polen-Böller“ mit hoher Sprengkraft

Im Polizeibericht der Pressestelle des Präsidiums heißt es: „Der Böller, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Deutschland erworben worden war, beschädigte unter anderem die Verglasung der Eingangstür sowie mehrere Beleuchtungseinrichtungen.“ Ein Beamter sagten im Gespräch mit den BNN: „Ein normaler in Deutschland zugelassener Böller hätte wohl nicht diesen Schaden angerichtet. Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich um einen umgangssprachlich so genannten Polen-Böller oder auch Tschechen-Böller.“ Die Begriffe bezeichnen Feuerwerk-Produkte aus Osteuropa, die teilweise eine deutlich höhere Sprengkraft als in Deutschland erlaubte Böller aufweisen. Die Ermittlungen hierzu laufen weiter.

Polizei: Es handelt sich um eine Straftat

Die Hintergründe sind noch völlig unklar. Im Moment wird wegen Sachbeschädigung ermittelt. Die Schadenssumme wird mit 3.000 Euro angegeben. Ein Polizeisprecher: „Soviel ist klar, es handelt sich um eine Straftat und wir wollen den Verantwortlichen finden.“

Zeugen gesucht:
Die Polizei, die Reste des Feuerwerkskörpers sichern konnte, bittet nun mögliche Zeugen, sich telefonisch unter Telefon (0721) 9395555 zu melden.

 

So berichtete BNN.de zuletzt über die Asylsituation im Landkreis Karlsruhe: