Am liebsten vor Publikum präsentieren Raser und Poser ihre Schlitten. So wie hier am Europaplatz Bruchsal. Bürger sollen ihre Beschwerden jetzt gezielt an Polizei und Ordnungsamt melden. | Foto: Heintzen

Poser und Raser im Visier

Polizei Bruchsal kennt kein Erbarmen mit Verkehrsrowdys

Das Bruchsaler Polizeirevier nimmt ab sofort Raser und sogenannte Poser in den Fokus. Laut röhrende Motoren, Kavaliersstart, illegale Beleuchtung und vor allem gefährliche Manöver im Straßenverkehr – all das soll künftig nicht mehr geduldet werden. Den Verkehrssündern droht die „gelbe Karte“, eine Verwarnung und weitere Maßnahmen. Das kann bis zur Beschlagnahmung ihres aufgemotzten Autos gehen.

Der Szene geht es an den Kragen

Im Gespräch mit der Rundschau erklärt der stellvertretende Revierleiter Uwe Mangang: „Wir haben hier eine latente Poserszene.“ Der geht es jetzt an den Kragen. In den vergangenen Monaten hätten sich immer wieder Bürger auch beim städtischen Ordnungsamt beschwert. Gemeinsam wollen Ordnungsamt und Polizei ab sofort die Poserszene zunächst erfassen, sprich Kennzeichen aufnehmen und sich einen Überblick verschaffen. „Dabei sind wir auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, erklärt Mangang. Denn das Phänomen scheint nicht nur in Städten wie Mannheim um sich zu greifen. Auch in Bruchsal wird gepost, wie etwa eine Anwohnerin berichtet, die in der Nähe des Bahnhofs wohnt. Sie beobachtet regelmäßig, wie aufgemotzte Autos sehr laut und – wenn es der Verkehrsfluss zulässt – auch sehr schnell die Prinz-Wilhelm-Straße entlang fahren.

Breit und laut: Autoposer können Anwohnern das Leben zur Hölle machen. Die Polizei will das nicht länger dulden. | Foto: Anspach

Motoren heulen im Tunnel laut auf

Extrem beschleunigen und schnell abbremsen, laute Motoren, laute Musik, offene Fenster, kein seltenes Phänomen rund um den Bahnhof. Mangang und seine Kollegen haben auch die Kammerforststraße als Raserstrecke ausgemacht. Doch dank einer Baustelle dort habe sich das Problem derzeit verlagert. Auch im Tunnel am Bürgerzentrum lassen die Angeber gerne ihre Motoren aufheulen.

Fast wäre ein Unglück passiert

Mangang berichtet von einem Fall, bei dem ein Fahrer seine Reifen durchdrehen ließ und er sein Auto daraufhin nicht mehr unter Kontrolle gebracht hat. Das Heck büxste aus. Ein Vater mit Sohn, der das Manöver vom Straßenrand aus betrachtete, konnte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Zuletzt sorgte ein Fall in Berlin für mediales Aufsehen, dort wurden zwei Raser wegen Mordes verurteilt. Sie gelten nun als Präzedenzfall und signalisieren eine neue Strenge gegenüber dieser Gruppe.

Bruchsal ist das falsche Pflaster

Auch Mangang und seine Kollegen haben solche Kandidaten schon aus dem Verkehr gezogen, ihr Auto beschlagnahmt und die Zulassung eingezogen. Nun gilt es zunächst, die Bruchsaler Polizisten zu schulen und potenzielle Tuningautos zu registrieren. Mangang rechnet mit einigen Dutzend Autobesitzern. „Bruchsal ist schon eine Drehscheibe und ein Treffpunkt für diese Klientel, auch aus dem Rhein-Neckar-Kreis.
Bürger sollen offensiv Störer melden, die dann mit einer gelben Karte verwarnt werden.

Sie erwartet bei Wiederholung mindestens ein Bußgeld oder eine Anzeige. In einer konzertierten Aktion werden die Polizisten sehr offensiv, wie Mangang sagt, Störer auch aus dem Verkehr ziehen. Mangangs Ansage an die Poser ist klar: „Wir wollen das im Keim ersticken. Unsere Botschaft lautet: „Bruchsal ist das falsche Pflaster für euch.“

So berichtete der SWR über die Mannheimer Poserszene. Nach diesem Vorbild wird die Polizei auch in Bruchsal vorgehen.