Die technischen Einrichtungen für die Flutung des Polders Rheinschanzinsel bei Philippsburg haben beträchtliche Dimensionen. | Foto: Archiv Alabiso

Polder bei Philippsburg

Probelauf knapp verpasst

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Der Ernstfall ist noch nicht eingetreten. Aber auch die „Generalprobe“ fand noch nicht statt. Nur beinahe nämlich wäre in den ersten Tagen des neuen Jahres zu einem „Probeeinstau“ im Polder (Überlauf-, Retentionsgebiet) Rheinschanzinsel bei Philippsburg gekommen. Beinahe, weil entgegen den ersten Prognosen das Rheinhochwasser nicht jenen Wert erreichte, der für das probeweise Öffnen der Einlassbauwerke die Richtschnur bei dieser Einrichtung des Hochwasserschutzes ist.

Hochwasser zu niedrig

„Die Einsatzkriterien für unsere Rückhalteräume wurden bei dem Hochwasser von einigen Tagen nicht erreicht“, sagt Elke Rosport. „Das ist zwar schade, macht aber nichts. Beim Polder Söllingen/Greffern haben wir fünf Jahre warten müssen, bis wir den Probeeinstau durchführen konnten.“ Der Polder Rheinschanzinsel wurde Ende 2015 fertiggestellt, informiert die Expertin vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP).

Probeeinstau nötig

Elke Rosport erklärt, wie so ein Überflutungsraum wie der Polder Rheinschanzinsel – zumindest theoretisch – in Betrieb geht. Vor dem Ernstfall gibt es einen Probeeinstau. Auf den hatte das RP kürzlich gesetzt, als der Rheinpegel Maxau immer höher kletterte. Bei einem Abfluss von 4 100 Kubikmetern pro Sekunde, der einem Pegel von 8,61 Meter in Maxau entsprochen hätte, wäre der Probeeinstau gestartet worden. „Wir waren auch schon entsprechend vorbereitet“, sagt Rosport. Es gehe beim Probelauf darum, den Raum mit mindestens 75 Prozent der Volleinstauhöhe zu füllen. Dazu kam es dann aber eben doch nicht.

Voraussetzung für Regelbetrieb

Und was wäre, wenn der Abfluss des Rheins einen kompletten Einsatz des Polders fordert – ohne dass zuvor bei einem Probebetrieb die Ein- und Auslassbauwerke getestet worden wären? „Eigentlich ist die Probe Voraussetzung für den Regelbetrieb.“ Andernfalls müsse man klären, wie man dem Ernstfall mit einer Ausnahmeregelung begegnet.

Erster Betrieb beim Polder Neupotz

Anders verlief dagegen die Situation auf der westlichen Rheinseite. Der Polder Neupotz – 2013 fertiggestellt – kam jetzt zu seinem ersten Einsatz. Und zwar in seinem ungesteuerten Teil. Der Polder nördlich von Wörth besteht aus einem gesteuerten und einem ungesteuerten Teil, wie die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt/Weinstraße erklärt.

Ungesteuert und gesteuert

Ungesteuerte Polder werden vom Rhein schlicht und einfach dann geflutet, wenn der Pegel höher steht als der Deich. Der wurde dort nach entsprechenden Berechnungen sogar tiefer gelegt, um die Flutung dann zu ermöglichen, wenn das Rheinvorland stromabwärts bereits überflutet ist. Das sei jetzt aber nicht der Fall gewesen, berichtet der südpfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart. Ihm zufolge gab es bei der ersten Inanspruchnahme des Polder Neupotz jetzt Probleme.

Viel Druckwasser

Bei dieser Flutung sollen die Flächen jenseits des Deiches im sogenannten gesteuerten Polder dabei eigentlich trocken bleiben. Doch auch dort wurden mehrere Hektar landwirtschaftliche Flächen überschwemmt, weil das Grundwasser nach oben drückte.

Nachprüfungen angekündigt

Die SGD hat inzwischen angekündigt, den Sachverhalt zu untersuchen. Dabei geht es vor allem darum zu klären, wie es zu den ungeplanten Überschwemmungen kommen konnte und wie hoch der eingetretene Schaden für die Landwirte ist.

Nationale und internationale Regelungen

Was unterschiedlich aussieht – hier Poldereinsatz, dort nicht – ist dennoch klar geregelt. Elke Rosport sagt, dass zwischen den Bundesländern und mit der Republik Frankreich Vereinbarungen und Regeln bestehen, wann welche Polder wie in Betrieb genommen werden. „Das muss vorab geklärt sein. Wenn es ernst wird, haben wir keine Zeit, das zu regeln“, so die Expertin.

Wann kommt der Probeeinstau?

Wann nun die nächste Hochwasserwelle den „Probeeinstau“ erlauben wird, wird sich zeigen.
Der Pegel Maxau des Rheins wurde am Sonntagmittag mit etwas über sieben Meter gemessen. Die Prognosen der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg sehen nach den den ergiebigen Niederschlägen und dem Tauwetter bis zum Dienstag einen kräftigen Anstieg über acht Meter beim Pegel Maxau vor.