Stolze Eltern des 900. Babys sind Benedikt und Loredana Lehmann. Ihre Tochter Stella Sophia kam am 8. Dezember in der Bruchsaler Geburtsabteilung auf die Welt. | Foto: Heintzen

Babyboom in Bruchsal

Profitiert Klinik vom Aus der Germersheimer Geburtsstation?

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Stella Sophia heißt das 900. Baby, das jetzt im neuen G-Bau der Fürst-Stirum-Klinik auf die Welt kam: „Bis Silvester rechnen wir mit 950 Geburten im Jahr 2018“, freut sich Professor Jürgen Wacker, ärztlicher Direktor der Frauenklinik, über den Baby-Boom am Bruchsaler Krankenhaus.

Wieder steigende Geburtszahlen nach Notbetrieb

Wegen Hebammenmangels hatte der Kreißsaal 2015 zeitweise nur im Notbetrieb von 7 bis 17 Uhr geöffnet – die Geburtenzahlen waren danach von über 800 auf 630 abgesackt. Seit 2016 steigen die Zahlen langsam wieder, sehr zur Freude der Klinikleitung: Derzeit arbeiten auf 10,5 Stellen 20 Hebammen überwiegend in Teilzeit, wie Pflegedirektorin Jutta Ritzmann-Geipel auf BNN-Anfrage erklärt. Damit sei die Geburtshilfe gut ausgestattet. Um auf elf Stellen zu kommen, müsste die Zahl der Geburten deutlich über 1 000 steigen.

900. Baby geboren

Auch die Eltern des 900. Babys, Loredana und Benedikt Lehmann aus Neuthard, fühlen sich nach der Geburt ihrer Tochter gut versorgt. Stella Sophia erblickte bereits am 8. Dezember um 6.46 Uhr mit 3 890 Gramm Gewicht und 54 Zentimetern Körperlänge das Licht der Welt. Unterstützt wurde die 28-jährige Einzelhandelskauffrau dabei vor allem von Hebamme Christiane Walter, die sie bei der Geburtsvorbereitung und auch im Kreißsaal betreute. Das Familienzimmer sei zwar gerade besetzt gewesen, aber dafür hatten die beiden begeisterten Fußballer ein Einzelzimmer ganz für sich allein mit Töchterchen Stella Sophia – bei der es nicht bleiben soll.

Immer mehr Kreißsäle schließen

Jürgen Wacker, der im Mai 2019 20 Jahre Chefarzt der Frauenklinik sein wird, erinnert sich noch an die geburtenstärkeren Jahrgänge in den 1980er und -90er Jahren: „Das waren die Mütter unserer jetzigen Mütter.“ Mittlerweile steigt zumindest am Krankenhaus in Bruchsal auch wieder die Zahl der Geburten. 2016 wurden 787 Neugeborene gezählt, 2017 waren es 811 Geburten, dieses Jahr sollen es gar 15 Prozent mehr werden. Dass Bruchsal von der Schließung der Geburtsabteilung in der Rechbergklinik Bretten profitiert hat, wollte Wacker nicht bestätigen – „ein Teil der Frauen ist traditionell schon immer nach Pforzheim gegangen“.

Alle Hebammen kündigen in Germersheim

Profitieren könnte die Bruchsaler Geburtshilfe aber von der drohenden Schließung der Abteilung in der Germersheimer Asklepios Südpfalzklinik zum 1. Januar 2019. Gleich elf Hebammen kündigten dort den Dienst. Sie eröffnen stattdessen zum 19. Januar in Germersheim ein Zentrum rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit, Frauen- und Familiengesundheit. Von Yoga über Hypnose, Shiatsu und Akupunktur bis hin zu psychologisch fundierter Beratung und Bindungsanalyse wollen sie ein ganzheitliches Behandlungsspektrum anbieten. Kooperieren will das Hebammenzentrum in Zukunft mit dem Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer.

Kurze Wege für Schwangere

Die Germersheimer Geburtsabteilung war in der Vergangenheit dank der kurzen Wege besonders für Schwangere in Philippsburg, Waghäusel oder Graben-Neudorf eine Alternative. Dank der anthroposophischen Ausrichtung genoss die Einrichtung auch darüber hinaus im ganzen Landkreis Karlsruhe einen guten Ruf. Jürgen Wacker bedauert die Entwicklung, sieht die Kollegen in Speyer aber nicht als Konkurrenz: „Wir profitieren davon, dass es bei uns keinen Massenbetrieb gibt“, verweist er auf das 900. Baby.