Nicht immer sind Rettungsschwimmer in der Nähe. Deswegen gilt vor allem für Eltern kleiner Kinder: Am See ist höchste Vorsicht geboten. | Foto: dpa

Vorsicht an Baggerseen!

Rettungsschwimmer warnt: „Kinder ertrinken leise“

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Wenn Kinder ertrinken, geschieht das oft leise. Zur Badesaison erinnert Timo Imhof,  Leiter Einsatz beim Karlsruher DLRG-Bezirk, im BNN-Interview an Gefahren am und im Wasser. Seine Truppe hatte in dieser Saison schon einige Einsätze zu absolvieren. Insbesondere wenn Kinder involviert sind, wird es gefährlich.

Kinder ertrinken leise, ergab eine aktuelle Untersuchung. Wie ist das zu verstehen?

Imhof: Ja, leider können sich Kinder oft nicht ausreichend bemerkbar machen. Sie haben nicht die körperliche Kraft, sich strampelnd aus dem Wasser zu heben, zu rufen oder zu winken. So kommt es vor, dass die Eltern in der Nähe sind und nichts mitbekommen. Auch kann die Stimmritze durch eine Schockreaktion verkrampfen und sich so verschließen, wenn der Kopf unter Wasser gerät. Die Atmung wird unmöglich, es kommt zum sogenannten trockenen Ertrinken. Wird der Mensch nicht augenblicklich aus dem Wasser gezogen, kann es zu spät sein. Bei Eintritt der Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln, die Atmung setzt ein, unter Wasser.

Timo Imhof warnt vor der Gefahren für Kinder. | Foto: pr

Wie häufig kommen Kinder durch Ertrinken zu Tode?

Imhof: Das ist bei Kindern tatsächlich eine der häufigsten Todesursachen durch Unfall. Auch gibt es ein sogenanntes zweites Ertrinken. Das meint, dass Kinder Wasser geschluckt haben und erst später, eventuell schon zu Hause, daran sterben. Ganz wichtig ist es also, Kinder auch nach dem Baden zu beobachten, um bei Husten, Unwohlsein oder eventuellem Rasseln in der Lunge unverzüglich ins Krankenhaus zu fahren.

Welche Verhaltens-Regeln sind also zur Badesaison wichtig?

Imhof: Kinder immer im Blick behalten, sich nicht ablenken lassen. Schon wenige Minuten ohne Sauerstoff sind fürs Gehirn schädlich. Es muss nicht zum Schlimmsten kommen. Eltern sollten sich zwingend absprechen, wer wann zuständig ist, damit nicht beide denken, der andere schaut. Fürs Baden im Rhein gilt wie am Meer: Ungeübte gehen nicht ins Wasser. Kinder sind dem Wellenschlag oder dem Brandungssog ausgesetzt. Das zieht auch Erwachsenen die Beine weg. Und es kann nie schaden, Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen.