Kameramann: Vertraut seien die Beamten mit der neuen Technik, berichtet Bruchsals Polizeichef Wolfgang Ams über den Umgang mit den Bodycams. Polizeihauptmeister Jonathan Müller vom Streifendienst des Polizeireviers demonstriert die Handhabe.
Kameramann: Vertraut seien die Beamten mit der neuen Technik, berichtet Bruchsals Polizeichef Wolfgang Ams über den Umgang mit den Bodycams. Polizeihauptmeister Jonathan Müller vom Streifendienst des Polizeireviers demonstriert die Handhabe. | Foto: Heintzen

Kamera wirkt deeskalierend

Revierleiter der Polizei lobt Vorteile von Bodycams bei Einsätzen rund um Bruchsal

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Als gute Hilfsmittel bezeichnet Polizist Wolfgang Ams, Revierleiter in Bruchsal, die Bodycams. Die Geräte stehen den Beamten seit rund zwei Monaten zur Verfügung.

Als die Beamten des Polizeireviers Bruchsal in Forst eintrafen, bestätigten sich die Angaben eines aufgeregten Bürgers. Er hatte die Ordnungshüter gerufen, weil ein Teenager in der Lußhardtgemeinde Personen anpöbelte, randalierte und zornerfüllt gegen Haustüren schlug.

Da der junge Mann auch durch gutes Zureden nicht zu beschwichtigen war, nahmen ihn die Polizisten in Gewahrsam. Es war ein Routineeinsatz. Vergleichsweise neu war aber das technische Hilfsmittel, das die Beamten am Tatort einsetzten: eine sogenannte Bodycam, eine kleine Kamera, die an der Uniform befestigt ist.

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Bodycams seit zwei Monaten im Einsatz

Seit gut zwei Monaten sind auch die Bruchsaler mit diesen Geräten für Ton- und Bildaufnahmen ausgestattet. Insgesamt zehn Cams stehen ihnen zur Verfügung, kein Streifenwagen ist mehr ohne „Kameramann“ unterwegs. „Wir sind gut ausgestattet, und die Kollegen sind damit sehr zufrieden“, berichtet Revierleiter Wolfgang Ams. „Die neue Technik ist mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen.“

Mitte Juni hatte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) Vollzug gemeldet; alle Polizeireviere im Bundesland verfügen seitdem über die neue Technik. Damit, so der Minister weiter, sei Baden-Württemberg deutschlandweit führend.

Zwischen Tauberbischofsheim und Lörrach sind insgesamt 1.350 Körperkameras, 156 davon im Polizeipräsidium Karlsruhe, aufnahmebereit. Die Investitionen werden mit rund 1,8 Millionen Euro veranschlagt.

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Modellversuch im Jahr 2017

Nach einem Modellversuch im Frühjahr 2017 und der ersten Ausgabe der Cams an die Kollegen von Wolfgang Ams in Stuttgart hatte Strobl erklärt: „Die Bodycam wird zukünftig zur Standardausstattung der Polizeistreifen im Land gehören; das hilft gegen Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber den Polizistinnen und Polizisten.“

Der Bruchsaler Polizeichef bestätigt die Aussage des Innenministers: „Beim Einsatz der Bodycams stellt sich ein präventiver, deeskalierender Charakter ein – insbesondere bei den Rädelsführern.“ Doch die aufgenommenen Bilder und Worte können für die Polizisten auch in einem weiteren Punkt von Vorteil sein; sie dokumentieren, ob sich der Beamte im Einsatz korrekt verhalten hat.

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Bodycams werden vor allem an den Wochenenden eingesetzt

Bei einem Gerichtsverfahren werde der Vorgang dank Filmsequenz und Ton für Vorsitzende und Anwälte „viel deutlicher“, als das früher beim Aktenstudium gewesen sei, sagt Ams. Sowohl Juristen als auch Übeltäter sind demnach nun besser im Bilde.

In Betrieb sind die Miniaturkameras auch im Bruchsaler Revier vor allem an den Wochenenden, wenn „die Zahl der Einsätze hochgeht“ und ständig vier Streifenwagen unterwegs sind, berichtet der Polizeichef. Allerdings dürfen die Bodycams nur an öffentlichen Plätzen und bei drohender körperlicher Gefahr eingeschaltet werden.

Diese Voraussetzungen waren bei dem Wüterich in Forst übrigens gegeben, versichert Ams. Abgeschreckt hat ihn die laufende Kamera jedoch nicht. Der Teenager muss mit einer Strafe rechnen.