Bienwald in Kandel Foto: Croissant
Friedlich im Wald zu ruhen ist eine gefragte Bestattungsform. Im hier abgebildeten Bienwald bei Kandel führte das wegen starker Nachfrage dazu, dass die Gemeinde Nutzerkreis und Belegungsdauer einschränken musste. Foto: Croissant | Foto: Janina Croissant

Kandel wird der Nachfrage nicht mehr Herr

Ruhestätte unter Bäumen

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Bestattungen im Wald haben etwas Tröstliches, sagt das Gefühl. Das kann ein Grund für die zunehmende Nachfrage nach Naturbestattungen sein. Wahrscheinlicher ist, dass Menschen sich ungern eingestehen, dass sie die Grabpflege, selbst der Liebsten, kaum mehr zu leisten vermögen. Heute ziehen Viele ihrem Beruf hinterher, leben mehrere Auto- oder Flugstunden entfernt vom Elternhaus. Zahlen bestätigen diesen Wandel im Bestattungswesen, Zahlen für weniger pflegeintensive Varianten wie Urnengräber in Kolumbarien oder in sogenannten gärtnergepflegten Wiesengräbern und solche unter Bäumen. Das pfälzische Kandel etwa kann im Bienwald wegen Überfüllung letztere nur noch den eigenen Einwohnern bieten und auch für nur 30 statt wie zuvor für 99 Jahre je Platz.

Dezenter Hinweis, dass im Bienwald bei Kandel Verstorbene ihre letzte Ruhestätte in Urnengräbern finden, ist diese Stele. | Foto: Janina Croissant

Kleine Schilder verweisen auf die Ruhestätte

In Bruchsal werden Wiesenbestattungen auf einer ursprünglichen Erweiterungsfläche des städtischen Hauptfriedhofes stärker angenommen als erwartet. Das gelte auch für Flächen auf Stutenseer Friedhöfen, bestätigt der zuständige Standesbeamte Thomas Rapp für Baum- und Wiesenbestattungen.
Bei Baumbestattungen wird die Asche des Verstorbenen in einer Urne im Wurzelbereich beigesetzt. Erstmals 1993 in der Schweiz geschehen, hat dies seit dem Jahrtausendwechsel in Deutschland Anklang gefunden. Der Wald soll seinen Charakter behalten und so gibt es weder Grabsteine, noch Blumen oder Kerzen. Gemeinden handhaben das mitunter toleranter, wie Bruchsal auf seinem Baum- und Wiesenfeld, einem Teil des städtischen Friedhofs. „Dort mähen wir schon mal um kleine Gaben herum aus Rücksicht auf das Bedürfnis der Hinterbliebenen“, sagt Gerhard Hoffmann für die Friedhofsverwaltung.

Im Wandel der Jahreszeiten 

Meist aber weisen, wie im ebenfalls städtischen Bienwald in Kandel, nur kleine Schilder auf die Ruhestätten hin. In Stutensee entstanden 2014 im Ortsteil Spöck erste Urnengräber unter Bäumen und weitere in allen Ortsteilen, nur mit großen Kieselsteinen versehen, die den Namen ebenso tragen dürfen wie die runden Platten auf Höhe der Grasnarbe über den Wiesengräbern. Baumgräber werden häufig ganz den Jahreszeiten überlassen, Wiesengräber werden von der Stadt gepflegt, zumindest gemäht.

Der Weg zur Bienwaldruhe führt durch lichten Forst. | Foto: Janina Croissant

Viele Erfahrungen hat man im Bienwald seit 2007 gesammelt, wo seither 985 Baumbestattungen stattfanden, davon im letzten Jahr allein 100. Aus Baden-Württemberg wurden mehr als 250 Verstorbene nach Kandel überführt, so Christian Hengen für die Kandeler Verwaltung. Es gibt Freundschafts- oder Familienbäume mit bis zu zehn Plätzen, Partnerbäume für zwei oder Gemeinschaftsbäume für die Asche mehrerer, einander fremder Verstorbener. Im Kreis Karlsruhe gebe es laut Landratsamt keine Fläche nur für Naturbestattungen. Das Landes-Bestattungsgesetz verpflichtet Gemeinden zwar zur Bereitstellung von Friedhöfen. Eine Parallele sei aber, so Landratsamts-Sprecher Martin Zawichowski, für Naturbestattungs-Flächen nicht zu ziehen.

Kommunen bieten gute Alternativen zu gewerblichen Anbietern

Dass es nicht nötig scheint, mag am Angebot der Gemeinden auf ihren kommunalen Friedhöfen liegen. Ganz bewusst habe man in Bruchsal auf die Zusammenarbeit mit gewerblichen Anbietern für Naturbestattungen verzichtet, so Pressesprecher Bernd Killinger. Tatsächlich teilen sich im Wesentlichen zwei den deutschsprachigen Raum – die Firmen Friedwald und Ruheforst, neben kleinen Anbietern. In Bruchsal wie in Stutensee gibt es ausreichend Fläche für naturnahe Beisetzungen, nötigenfalls werde erweitert. Die Kosten liegen zwischen 440 Euro für eine Urnenbestattung unter einem Baum in Stutensee bis hin zu 2 500 Euro für einen Familienbaum im Bienwald, für meist 20 bis 30 Jahre.