Im Wandel: Die Tage der Atomstromproduktion in Philippsburg sind gezählt. Im Vordergrund entsteht bereits der neue Konverter, die Türme sollen nächstes Jahr gesprengt werden.
Spätestens zu Silvester wird die Anlage keinen Atomstrom mehr produzieren. | Foto: Sandbiller

Wenige Wochen bis Abschaltung

Run auf letzte Führungen im Kernkraftwerk Philippsburg

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Wenige Wochen bevor Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg (KKP2) endgültig abgeschaltet wird, kamen besonders viele Besucher zum Infotag. Spätestens zu Silvester wird die Anlage keinen Atomstrom mehr produzieren. Letzte Möglichkeit also, zumindest den Maschinenraum noch einmal im Betrieb zu besichtigen.

Von unserer Mitarbeiterin Monika Eisele

Vier Führungen hatten die Mitarbeiter der Energie Baden-Württemberg (EnBW) organisiert und die waren innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. „Wir hatten zehnmal so viele Anmeldungen. So vielen Interessenten mussten wir noch nie absagen“, bedauert ein Sprecher der EnBW. Erläuterungen gab es zum Stand der Stilllegungs- und Abbaugenehmigungen für Block 2 und der Rückbauinfrastruktur. So wird das Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) demnächst in Betrieb gehen.

Blick ins Herz von Block 1

In einer Live-Übertragung konnten die Besucher direkt ins Herz von Block 1 zu Projektleiter Frank Bolles blicken, der den Rückbau der Betonhülle um den ehemaligen Reaktordruckbehälter erklärte. Die Hülle wird in einzelne Blöcke zerlegt und Block für Block entfernt. Gut 2 000 Blöcke werden es am Ende sein, bislang wurden 500 Blöcke abgetragen. Wie mit den Rückbaumaterialien weiter verfahren wird, erklärte Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft (EnKK). Ein Großteil, nämlich etwa 92 Prozent, der 398 000 Tonnen Abfall allein aus KKP 1 können demnach direkt dem konventionellen Stoffkreislauf zugeführt werden. (Die Abbaumasse von KKP 2 ist in etwa doppelt so groß.) Die restlichen acht Prozent kommen ins RBZ und werden dort soweit als möglich von radioaktiven Anhaftungen befreit, sagt Michels.

Die so gereinigten Reststoffe gelangen dann ebenfalls zurück in den Stoffkreislauf oder werden auf einer, noch zu findenden, Deponie gelagert. Lediglich ein Prozent der gesamten Abfallmenge müssen als schwach- oder mittelradioaktiver Müll ins Standortabfalllager (SAL). Laut Michels bleiben sie dort so lange, bis Schacht Konrad, voraussichtlich 2022, als Endlager frei gegeben wird. Im Standortzwischenlager (SZL) stehen die Castoren mit den abgebrannten Brennelementen. Dorthin sollen auch, nach dem sogenannten Atom-Konsens von 2015, fünf Castoren aus der Wie-deraufbereitungsanlage La Hague.

Anhaltende Diskussionen um Endlagersuche

Deutschland ist vertraglich verpflichtet, die Abfälle zurück zu nehmen. Das hätte schon längst geschehen müssen. Wegen der anhaltenden Diskussionen um die Endlagersuche, konnte ein Aufschub erwirkt werden. Der wiederum endet eigentlich Ende des Jahres. Im September 2017 teilte die EnBW mit, die Einlagerung der Castoren beim neu eingerichteten Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) beantragt. Im April folgte der Antrag auf Transportgenehmigung, ebenfalls beim BfE.

Bislang lägen seines Wissens aber weder die Transport- noch die Einlagerungsgenehmigung vor, sagt ein EnBW-Unternehmenssprecher und rechnet nicht damit, dass der Transport noch dieses Jahr kommt. Die Aufsicht, Verwaltung und Verteilung radioaktiver Abfälle in die Verantwortung des Bundes über. Anfang des Jahres übernahm die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) die Verantwortung für das Zwischenlager.