Zu wenig oder ausreichend? Über die Fördermengen bei Sand und Kies gibt es Diskussionen, weil sich die Preise deutlich erhöht haben. | Foto: Stieb

Industrie vs. Regionalplanung

Sand wird teurer

Reichlich vorhanden und trotzdem knapp. Das sieht nach Widerspruch aus. Obwohl es in Deutschland eine fast unendlich große Menge Sand gibt, drohen in verschiedenen Regionen Versorgungsengpässe mit Sand, Kies und Schotter. Das Bauen könnte sich dadurch verteuern. Eine Studie der in Hannover ansässigen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe lässt aufhorchen.

Preise regional verschieden

Die Preise für Bausand variieren demnach je nach Region stark. In München zahle man für die Tonne 15, in Stuttgart 13 Euro, in Leipzig oder Braunschweig hingegen nur drei Euro. Zur Preisentwicklung kommen Lieferengpässe – sie könnten den Raum Mannheim/Karlsruhe betreffen.

Weniger Kiesgruben

Beim Industrieverband Steine und Erden (ISTE) ind Stuttgart bestätigt man das Problem und nennt eine erste Ursache. „Die Zahl der Kies- und Sandwerke ist deutlich zurückgegangen, der Bedarf hingegen gestiegen“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Beißwenger. Dazu nennt er Zahlen. 1992 gab es im Gebiet des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein 62 Werke, 2014 waren es noch 36. Nehme man die aktuell vorliegenden Genehmigungen, werde deutlich, dass es 2045 in der Region nur noch 21 Werke geben werde.

Erweiterung vor Neuaufschluss

Die Konzentration auf wenige Kiesgruben macht für Beißwenger keinen Sinn. Die Produkte Sand und Kies sollten dezentral gefördert und verwendet werden. Wenn jetzt in einer andauernden Phase guter Konjunktur Engpässe und höhere Preise zu verzeichnen seien, ist dies das Ergebnis einer aus seiner Sicht falschen Regionalplanung. Die Politik des Regionalverbandes „Erweiterung vor Neuaufschluss“ ist für Beißwenger nicht schlüssig.

300 Millionen Tonnen genehmigt

Beim Regionalverband wiederum sieht Direktor Gerd Hager sein Haus zu unrecht angegangen. Für die kommenden 30 Jahre sei am Mittleren Oberrhein ein Abbau von insgesamt 300 Millionen Tonnen genehmigt. Hager räumt ein, dass der Industrieverband einen längeren Zeitraum als Planungshorizont im Visier hatte. Er ist allerdings der Auffassung, „dass wir viel genehmigt haben“.
Das sieht der Industrieverband nicht so recht. Laut ISTE nützten andere Regionen die Möglichkeit des verlängerten Planungszeitraums von 40 Jahren aus.

Widerstände aus Gemeinden

Die Industrie, so der Regionalverband, habe zwar ein sehr viel größeres Abbauvolumen gewünscht, doch das sei auch mit Blick auf den Grundwasserschutz nicht mehr machbar gewesen. Hager verteidigte auch die Vorgehensweise des Erweiterns vor einem Neuaufschluss. Derlei habe man überlegt, sei aber an Widerständen etwa des Forsts oder einer Gemeinde gescheitert.

Preise steigen weiter

Mit dieser Argumentation kommt Hager bei Kieswerksbetreibern nicht weit. Steffen Ritter ist Prokurist bei der Krieger Firmengruppe, die unter anderem in Eggenstein-Leopoldshafen, Oberhausen-Rheinhausen und Rheinmünster Kieswerke betreibt. Er spricht von einer „restriktiven Regionalplanung“ mit den Ergebnissen Verknappung und Verteuerung. Im Markt seien 2018 Preissteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent feststellbar – und das dürfte sich fortsetzen, meint Ritter. Für die Regionalpolitik hat er daher wenig Verständnis, weil die Sand- und Kiesförderung um umweltfreundliche Transporte bemüht sei. Das gelte beispielsweise für das Werk in Rheinmünster-Stollhofen im Landkreis Rastatt. In diesem „wasserverladenden Werk“ gehen die Produkte aufs Schiff in Richtung Mannheim und Frankfurt. „Da passen 500 Tonnen drauf“, sagt Ritter, „auf einen Lkw vielleicht 20.“ Aber der Abbau in Stollhofen sei limitiert.

Industrie will mehr Abbauflächen

Für den Industrieverband Steine und Erden ist die Sachlage eindeutig: „Es müssen mehr Flächen für die Rohstoffe Sand und Kies zur Verfügung gestellt werden“, sagt Beißwenger, das verlange die demografische Entwicklung gerade am Mittleren Oberrhein. Wohnraum müsse errichtet, Infrastruktur neu geschaffen oder zumindest saniert werden. Und dafür braucht man Beton, dessen Grundzutaten Sand und Kies seien.
Zum Sachverhalt schreibt die Bundesanstalt, dass in Baden-Württemberg etwa 85 Prozent der Landesfläche durch „vorrangige Nutzungen wie Wasser-, Natur- und Landschaftsschutz sowie überbaute Fläche verplant sind und für eine potenzielle Rohstoffgewinnung nicht mehr zur Verfügung stehen.