Die Schwellen liegen schon bereit: Im Karlsruher Stadtteil Durlach hat die Bahn für die Baustelle ein riesiges Materallager angelegt. | Foto: Heintzen

Geteilte Dörfer und Rabatte

Sanierung der Schnellfahrs­trecke zwischen Mannheim und Stuttgart: Was Reisende jetzt wissen müssen

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Ab Mitte April wird die Schnellfahrstrecke der Deutschen Bahn von Mannheim nach Stuttgart saniert. Reisende müssen sich daher auf längere Reisezeiten einstellen. Die Bauarbeiten werden in den kommenden Monaten ganze Dörfer teilen – und sollen trotz Coronavirus pünktlich beendet sein. Abo-Kunden stellt die Deutsche Bahn finanzielle Vergünstigungen in Aussicht.

Die schieren Zahlen sind beeindruckend: 183 Millionen Euro werden verbaut, knapp 200 Kilometer Gleise erneuert: Die Schnellfahrstrecke der Bahn von Mannheim nach Stuttgart wird 205 Tage lang mit schwerem Gerät generalsaniert.

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Das trifft 60.000 Pendler und Reisende täglich – normalerweise. In Corona-Zeiten sind es allerdings merklich weniger, die auf der Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart unterwegs sind. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zur Großbaustelle zusammengestellt.

Findet die jahrelang geplante und minutengenau im Fahrplan eingetaktete Baustelle und die damit einhergehende Sperrung trotz Coronavirus planmäßig statt?

Die Bahn sagte noch diese Woche: Definitiv, ja!

Warum muss die Strecke überhaupt so aufwendig saniert werden?

Die Strecke ist in die Jahre gekommen. Vor 28 Jahren wurde das Großprojekt fertigstellt. Schienen, Gleise und Technik seien zwar nicht marode, so betont man. 68.000 Fernzüge pro Jahr und viele Güterzüge hätten die Infrastruktur nun aber an ihr Lebensende gebracht.

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Wie sieht der Zeitplan aus:

Die Bahn beginnt ihre Arbeiten vor Ort am Abend des 10. April. Für Bahnreisende ist die Strecke ab 11. April voll gesperrt. Die Arbeiten sollen am 31. Oktober beendet sein. Ab 1. November gilt wieder der reguläre Fahrplan.

Warum überhaupt eine Vollsperrung?

Dies sei „alternativlos“, sagt ein Bahnsprecher. Es gab im Vorfeld die Forderungen, die Baustelle lieber länger laufen zu lassen und dafür eines der beiden Gleise befahrbar zu lassen. Dies sei aber für den Bauablauf schwierig, heißt es von dem Konzern.

Licht am Ende des Tunnels: Trotz Coronavirus will die Bahn mit den Arbeiten im Herbst fertig sein. Bis dahin ist der Rollenbergtunnel bei Bruchsal allerdings für den Regelbetrieb gesperrt. | Foto: Zäpfel

Das zweite Gleis würde etwa zum Transport von Material benötigt. Mit einer einseitigen Sanierung hätte die Baustelle drei bis vier Jahre gedauert, so ein Bahnsprecher.

Welche Auswirkungen hat das auf Reisende und Pendler?

Viele Züge werden über die Strecke Graben-Neudorf-Bruchsal-Mühlacker umgeleitet. Dies sorgt für Fahrzeitverlängerungen von 35 bis 60 Minuten. Einige Züge, auch zwischen Karlsruhe und Stuttgart, fallen ganz aus. Zudem müssen Reisende im Fernverkehr mit Umleitungen und Fahrzeitverlängerungen rechnen. Einige Anschlüsse etwa in Mannheim entfallen.

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Auf der Oberrhein-Strecke Mannheim-Basel werden die Auswirkungen ebenfalls, allerdings nicht so drastisch, zu spüren sein. Baden-Baden etwa wird weiterhin mindestens alle zwei Stunden angefahren. Auch im Nahverkehr wird es Fahrzeitverlängerungen geben. Zwischen Bietigheim-Bissingen und Pforzheim wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Welche weiteren Auswirkungen hat die Baustelle?

Auch Nicht-Bahnfahrer sind betroffen. An der Ausweichstrecke zwischen Bruchsal und Bretten erhöht sich der Schienenverkehr so stark, dass einzelne Bahnübergänge nur noch fünf Minuten pro Stunde offen gewesen wären. Daher wurde im Spätjahr entschieden, diese Bahnübergänge über ein halbes Jahr lang komplett zu schließen.

Für die Dauer der Bauarbeiten bleibt der Bahnübergang in Gondelsheim dicht. | Foto: Archiv

Am härtesten trifft das Gondelsheim. Der Ort im Kraichgau ist nun quasi geteilt. Autofahrer müssen teils lange Umleitungen fahren. Das sorgt für Stau auf den Straßen, etwa in Bruchsal-Heidelsheim.

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Gibt es Entschädigungen für bereits verkaufte Tickets?

Abo-Kunden des DB-Fernverkehrs sollen für die Zeit zehn Prozent ihres monatlichen Abopreises zurückerhalten. Wer die tägliche Fahrt vermeiden will, kann alternativ für einen bestimmten Zeitraum sein Abo-Ticket quasi ruhenlassen – und bekommt den Betrag erstattet. Die Bahn gibt die streckengebundenen Dauerkarten zudem für bestimmte Alternativrouten frei.

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Wo finde ich weitere Informationen?

Vor Reisenantritt empfiehlt sich generell ein Blick auf www.bahn.de. Viele Informationen zur Sanierung der Strecke gibt es auch hier unter dem folgenden Link: deutschebahn.com/pr-stuttgart-de/aktuell/