Der erste Spargel ist da: Steffen und Anja Großhans haben ihn am Dienstag bei Oberhausen-Rheinhausen geerntet | Foto: Heintzen

Es ist angestochen!

Der erste Spargel kommt aus Oberhausen-Rheinhausen

Von Werner Schmidhuber

Das „weiße Gold“ guckt bereits aus dem Boden. So etwa fünf Spargelköpfe pro Quadratmeter kommen zum Vorschein, wenn Steffen und Anja Großhans die drei schützenden Folien auf den Spargelfeldern auf der Fläche des Bauernhofs Meerwarth zwischen Kirrlach und Oberhausen etwas aufdecken und den ersehnten schnellen Wuchs des kostbaren Gemüses überprüfen. Die frühe Ernte könnte selbst Experten überraschen: „Bei Anlagen mit beheizten Bodenflächen rechnen wir ab Mitte März mit dem ersten deutschen Spargel“, teilte die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse in Berlin mit.

Weiter heißt es dort: Die Wurzeln hätten in den vergangenen Wochen den notwendigen Kältereiz bekommen, durch den die Pflanzen schneller austreiben, wenn es wärmer wird. Abhängig ist der Beginn der Spargelsaison vor allem vom Wetter. In der Regel gibt es den folienlosen ersten weißen Spargel erst zwischen Ende März und Mitte April.

So früh wie nirgends

Nicht so im Raum Oberhausen-Rheinhausen und Waghäusel. Denn dort sind ab Donnerstag die leckeren Stangen auch käuflich zu haben: so früh wie nirgendwo sonst, doch dank einer „Fußbodenheizung“ ist dieser Frühstart möglich. Der erste Spargel ist bereits gestochen, erste Kostproben haben im internen Kreis schon stattgefunden, und siehe da: Das „weiße Gold“ des Jahres 2018 schmeckt angeblich köstlicher denn je, sagen die Genießer.

Fußbodenheizung funktioniert mit Warmwasser

Direkt vor dem „Forlenhof“ haben ein strahlender Steffen Großhans und seine Frau das essbare „Elfenbein“, wie es mitunter genannt wird, in einem ersten Durchgang geerntet. Deutschlandweit gehörten die in Hockenheim wohnhaften Spargelbauern – zusammen mit einem norddeutschen und einem bayerischen Spargelheizungsbauer – wohl zu den ersten Spargelbesitzern weit und breit. Für den superfrühen Spargelbeginn – trotz der vorangegangenen enormen Minustemperaturen – sorgt ein beheizter Acker zwischen Oberhausen und Kirrlach. Auf dem Gelände der dortigen Bauersfamilie Carola und Dieter Meerwarth hat der Agrarbetriebswirt Großhans direkt neben der dort vorhandenen Biogasanlage eine Anlage installiert, die genau wie eine Fußbodenheizung, nämlich mit Warmwasser, funktioniert: im Vergleich zu früheren Arbeitsmethoden eine geradezu fürstliche Fußbodenheizung speziell für Spargel. Auf einer Fläche von 1,2 Hektar sprießt derzeit das „weiße Gold“.

Gülle wird zu Energie

Welchen Vorteil für den Spargelanbau bietet gerade dieser Forlenhof? Dort gibt es nicht nur 250 Milchkühe, sondern seit langem auch eine große Biogasanlage: Jede Kuh produziert pro Tag etwa 65 Liter Gülle. 2015 kam erstmals die Idee auf, die bislang ungenutzte Wärme auch für den Spargelanbau einzusetzen.

Unter den Riefen sind zwei Mal 36 lange Plastikrohre als Heizrohre unter den 18 Spargeldämmen verlegt. Insgesamt handelt es sich um eine Leitungsstrecke von elf Kilometern. Die gesamte Technik ist in einem ausrangierten Trafohäuschen, das neben dem Spargelfeld steht, untergebracht. Mit etwa 40 Grad läuft das heiße Wasser durch die Schläuche. Die Bodentemperatur an der Wurzel des Spargelstocks beträgt durchgehend etwa 20 Grad.

Kilo kostet mindestens 20 Euro

So Anfang Februar wird die „Fußbodenheizung“ angeworfen. Zur Wärmeabsicherung nach oben sind die Dämme mit zwei Folien – erst eine schwarze, darauf eine weiße – bedeckt, eine weitere Folie liegt auf einem Drahtbogen, so dass ein wärmespeicherndes Luftpolster entsteht. Derzeit kostet das Kilo bester Qualität – dem großen Aufwand entsprechend – mindestens 20 Euro. Abnehmer sind in erster Linie die gehobene Gastronomie und betuchte Privatpersonen.

Großteil geht an die OGA

Den Großteil der jetzt gestochenen Spargeln geht an die OGA, die Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft in Bruchsal. Ein kleinerer Teil, so 20 Prozent, gibt es auf Bestellung im Spargelhof oder wird ab der Karwoche im Hofladen direkt verkauft. Etwa 100 bis 120 Kilogramm täglich dürften in den nächsten zwei Wochen zusammenkommen, später dürfen es 200 Kilo werden. Die Großhansfamilie teilt ihre Errungenschaften in zwei Gruppen ein: die „erste Sorte“ für Liebhaber und eine „gemischte Sorte“, die für 15 bis 18 Euro zu haben ist.

 

In Baden-Württemberg wird Spargel hauptsächlich in der südlichen Rheinebene rund um Freiburg und in Nordbaden zwischen Baden-Baden und Mannheim auf einer Fläche von gut 2100 Hektar angebaut, so heißt es bei der OGA. Die Ernte betrug 2017 rund 11 000 Tonnen, fast genau ein Kilogramm pro Einwohner Baden-Württembergs. Bundesweit sei die Anbaufläche rund 23 000 Hektar groß.