Immer diese Radfahrer: In Zeiten, in denen klassischer Mannschaftssport stillsteht, steigen viele auf sportliche Betätigungen wie Fahrradfahren um – hier entlang der Straußenfarm Gottesau beim Bahnhof Helmsheim am Sonntag. | Foto: Heintzen

Was ist wieder möglich?

Sport in Corona-Zeiten: In Bruchsal verdrängt das Fahrrad König Fußball

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Der Lockdown hat auch das Sportleben im Raum Bruchsal durcheinandergewirbelt. Viele Anlagen sind geschlossen, viele Sportler müssen daheim bleiben. Auf der Suche nach Alternativen werden sie kreativ – das reicht vom Radfahren bis zu E-Sports.

Mit ein wenig Neid schaut Roland Schmidt derzeit auf die andere Rheinseite. Dort, in Rheinland-Pfalz, durfte am Wochenende bei strahlend blauem Himmel und milden Temperaturen Tennis gespielt werden. In Baden-Württemberg allerdings ist das Sporteln auch denen untersagt, die mit einem Schläger über den roten Sandplatz jagen.

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„Wenn man den Sport nicht ausüben kann, fehlt einem schon was“, klagt Schmidt, Tennis-Abteilungsleiter der TSG Bruchsal, den vor allem die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer stören. In Baden-Württemberg ist jedenfalls vor dem 4. Mai nicht mit einer Lockerung zu rechnen – wenn sie überhaupt kommt.

Individualsport erlebt einen Boom

Was also tun in der sportlosen Zeit? Da haben in und um Bruchsal die Menschen ihre ganz eigenen Strategien. Während man an den Baggerseen nur vereinzelt ein paar Kinder mal Federball spielen sieht, sind die Wälder und Radwege voll.

Natur- und Individualsport boomt in Zeiten von Corona. Das hat auch Michael Dietrich beobachtet, Inhaber des Intersport Schlenker in Bruchsal. „Laufschuhe, Inliner, Walkingstöcke und Hanteln werden schon gekauft“, berichtet er. Im Prinzip gehe es um alles, was „in der Natur oder zu Hause gemacht werden kann“.

Intersport zieht gute Bilanz

Er selbst etwa sei in den vergangenen Tagen und Wochen „unheimlich viel Rad gefahren“. „Da konnte man mal ein wenig frische Luft schnappen“, berichtet er. So gehe es derzeit vielen. „Die Menschen kamen zu uns und haben gesagt: Gott sei Dank habt ihr wieder auf. Wir haben ein gutes Geschäft gehabt.“

Es gibt aber auch einen großen Verlierer im Sportgeschäft: den einstigen König Fußball. „Ohne Corona würde dort jetzt deutlich mehr gekauft“, sagt Dietrich.

Fußballvereine nehmen an „Klopapier-Challenge“ teil

Während die Tennisspieler um Roland Schmidt immerhin auf baldige Lockerungen hoffen, gibt man sich in Deutschlands Mannschaftssport Nummer eins da wenig Illusionen hin. Dabei wird auch im Fußballkreis Bruchsal derzeit gekickt – nur nicht mit dem Ball, sondern mit Toilettenpapier.

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Die „Klopapier-Challenge“ grassiert derzeit wie ein Lauffeuer im Amateurfußball. Das Prinzip ist simpel: Ein Club schneidet ein Video zusammen, in dem Spieler die ungewohnt wertvollen Rollen wie einen Ball hochhalten oder als Torhüter sogar mit Glanzparaden abfangen. Daraufhin nominiert der Verein weitere Clubs, die dann entsprechend dran sind, und so weiter. Fast jeder macht mit.

TSV Stettfeld sucht den Fifa-20-Kreismeister

Eine große Ausnahme davon bildet derzeit der TSV Stettfeld. Der Amateurverein hat allerdings eine gute Ausrede: man ist beschäftigt mit dem ersten Fifa-20-Kreisturnier, das der Club veranstaltet. 25 Vereine aus dem Fußballkreis haben Spieler gemeldet, die per Konsole gegeneinander in der Fußballsimulation „Fifa 20“ zocken und so den Kreismeister ermitteln.

Ab K.o.-Runde sollen Fifa-Spiele übertragen werden

47 Spieler, so bestätigt TSV-Trainer Elvis Karam, hätten sich demnach beteiligt, seit dem Wochenende ist die Gruppenphase abgeschlossen. „Das ist eine klasse Sache, die da entstanden ist“, lobt Karam. Organisiert wird alles von Daniel Dammert vom TSV.

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„Mein Handy hört gar nicht mehr auf zu vibrieren“, berichtet er. Die Spieler chatten demnach wie die Weltmeister. Und ab der K.o.-Runde sollen die Spiele sogar live im Internet übertragen werden. Nur über die Plattform ist man sich noch nicht sicher. Die Resonanz jedenfalls sei enorm, die Wiederholungsgefahr hoch, so Dammert.

Man kann die sportfreie Zeit aber auch so nutzen wie Tennisspieler Schmidt: „Bei mir musste im Garten Kirschlorbeer über das ganze Gelände gesetzt werden, der Rasen musste gemäht werden – was halt so anfällt.“