Den „Sprengabbruch" sieht der Betreiber des Atomkraftwerks Philippsburg als bevorzugtes Verfahren für den Rückbau der beiden Kühltürme. | Foto: Sandbiller

Doppelt spektakulär

„Sprengabbruch“ für Kühltürme beim Atomkraftwerk Philippsburg

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Der Einsturz des verbliebenen Kühlturms beim Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich vergangenen Freitag war eine minutiös geplante, spektakuläre Angelegenheit. Doppelt spektakulär könnte es im kommenden Jahr beim Atomkraftwerk Philippsburg zugehen: Möglicherweise sollen 2020 die beiden dort stehenden jeweils gut 150 Meter hohen Kühltürme gesprengt werden. Was in der Sache identisch wirkt, wird gleichwohl unterschiedlich sein. Die Fragen, die sich bezüglich der Vorgehensweise an den beiden Standorten von Atomkraftwerken stellen, sind folgende:

Warum hat man in beim Kühlturm in Mülheim-Kärlich erst etwa 80 Meter abgetragen und den Rest des Bauwerks dann gezielt zum Einsturz gebracht? Warum macht man das in Philippsburg nicht auch so?

Seitens der Energie Baden-Württemberg (EnBW) gab es dazu folgende Antwort: „Für den Abbruch der Kühltürme in Philippsburg berücksichtigen wir die spezifischen Gegebenheiten am Standort und bewerten sie für die zur Verfügung stehenden Abbruchverfahren. Die Bewertung ist also stets standortspezifisch und nicht universell übertragbar auf andere Standorte.“

Standortspezifische Gegebenheiten

Die von der EnBW erwähnten „standortspezifischen Gegebenheiten“ spielten auch beim Verfahren des Kühlturm-Rückbaus des von der RWE betriebenen, schon lange still gelegten Reaktors in Rheinland-Pfalz eine entscheidende Rolle. Zunächst hatte ein eigens konstruierter Abrissbagger die obere Turmhälfte „abgeknabbert“. Im unteren Teil des Turmes konnte die Maschine wegen dessen zu groß werdender Neigung nicht weiterarbeiten. Eine Sprengung des Rests war laut RWE nicht machbar – unter anderem wegen der Nähe zum noch stehenden Reaktorgebäude. Deshalb wurde der Turmrest gezielt geschwächt, indem Schlitze in den Beton gesägt wurden. Unmittelbar vor dem gezielten Einsturz hatten zwei ferngesteuerte Bagger mehrere der insgesamt 72 Turmstützen weggerissen. Schließlich war die Last zu groß und das Bauwerk stürzte ein.

Der kontrollierte Einsturz des Kühlturms beim Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich verlief spektakulär – aber plangemäß. | Foto: Frei/dpa

Bevorzugtes Verfahren: „Sprengabbruch“

Mit Blick auf Philippsburg schreibt die EnBW weiter: „Wir haben stets darauf hingewiesen, dass für den Abbruch der Kühltürme in Philippsburg zwei Verfahren zur Verfügung stehen: der maschinelle Abbruch und der Sprengabbruch. Beide Verfahren sind in Philippsburg grundsätzlich technisch machbar. Die Variante Sprengabbruch ist das von der EnBW bevorzugte Verfahren, weil hierbei der Abbruch in einem kurzen Zeitraum vollzogen wird und hierdurch in Summe noch geringere Lärm- und Staubemissionen zu erwarten sind als bei dem anderen Verfahren – dem maschinellen Abbruch.“

Genauer Termin noch offen

Der tatsächliche Zeitpunkt für den angedachten Sprengabbruch ist noch offen. 2020 wurde in der Vergangenheit als Zieldatum genannt. Indes ist das Ganze noch nicht in trockenen Tüchern. Die Genehmigung steht noch aus. Das bestätigt die EnBW: „Für den Abbruch muss der Nachweis erbracht werden, dass der Abbruch keine unzulässigen Auswirkungen auf die übrigen Einrichtungen und Anlagen am Standort hat. Bei dieser Nachweisführung kommen wir voran und haben der Aufsichtsbehörde umfangreiche Informationen zur Machbarkeit des Kühlturm-Abbruchs zur Verfügung gestellt. Durch die Aufsichtsbehörde und ihre hinzugezogenen Gutachter erfolgt nun eine unabhängige Prüfung, deren Ergebnis wir abwarten müssen.“ Voraussetzung für den Abbruch ist eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Der Abbruch der Kühltürme ist frühestens 2020 möglich – nach Abschaltung von Block II zum Jahresende.

Folgeprojekt Konverter

Das Kühltürme-Areal wird benötigt. Dort soll ein Konverter der Transnet BW entstehen. Die Gesellschaft will in Philippsburg aus dem Norden herangeführte regenerative Energie von Gleich- in Wechselstrom wandeln. Das Projekt soll bis 2023 gebaut sein. „Wir wollen die Voraussetzungen für eine verzögerungsfreie Realisierung des Konverter-Projekts schaffen. Gleichwohl hat dabei die Sicherheit beim Abbruch der Kühltürme stets Vorrang“, schreibt die EnBW.