Beim Flugplatzfest in Speyer werden seltene Maschinen präsentiert, so wie diese Passagiermaschine Super Constellation von Lockheed. | Foto: Schmidhuber

Streit um Flugplatzfest Speyer

Stimmungsmache oder echte Gefahr?

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Von Werner Schmidhuber

Zwischen Martin Büchner, Bürgermeister in Oberhausen-Rheinhausen, und Roland Kern, Geschäftsführer des Flugplatzes in Speyer, liegt nicht nur geografisch der Rhein. Zwischen den Positionen der beiden liegen Welten. Büchner hat versucht, den Flugtag am 2. und 3. September zu verhindern oder zumindest einzuschränken, führt Beschwerden seiner Einwohnerschaft ins Feld und argumentiert mit der Tragödie von Ramstein. „Alles böswillige Stimmungsmache“ findet der Speyerer Flugplatzchef Kern und wirft seinem Kontrahenten vor, willkürliche Behauptungen aufzustellen und einer „beliebten Veranstaltung einen Negativstempel aufdrücken zu wollen.“

Um Sicherheit Oberhausen-Rheinhausens besorgt

Ausgangspunkt der erneuten Auseinandersetzungen ist ein Beschwerdebrief Büchners, dass die festgelegte Speyerer Platzrunde zur Wahrung eines sicheren An- und Abflugs nicht eingehalten werde. Neben dem Sicherheitsrisiko entstehe dadurch eine erhebliche Lärmbelästigung, befürchtet der Bürgermeister. „Im Hinblick auf die erneute Durchführung der Airliner Classics fordern wir, dass keine Flüge, Starts oder Landungen über die Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen erfolgen.“ Bereits 2016 sei es zu „unerträglichen Lärmbelästigungen“ gekommen.

Erinnerung an Tragödie von Ramstein

Auch fühlten sich zahlreiche Menschen durch die tief und sehr langsam fliegenden Flugzeuge bedroht. „Gerade das Abhalten solcher Flugshows, die in Rheinland-Pfalz (Ramstein) bereits zu menschlichen Tragödien mit zahlreichen Toten geführt haben, zeigt wie unsensibel die derzeitige Geschäftsleitung mit der Sicherheit der Bevölkerung umgeht“, lässt Büchner wissen und fordert, die Veranstaltung abzusagen.

Der Bürgermeister von Oberhausen-Rheinhausen, Martin Büchner, fürchtet Lärm und Gefahren auch diesseits des Rheins | Foto: Schmidhuber

Das aber bringt Kern auf die Palme. „Stimmt hinten und vorn nicht, dass Platzrunde nicht im ausreichenden Maße eingehalten wird.“ Sein Gegenargument: „Nicht nur unsere Beauftragten für Luftaufsicht und unsere Flugleiter, sondern auch Mitarbeiter des Luftamtes Rheinland-Pfalz prüfen regelmäßig – und haben nichts festgestellt.“  Auf die Veranstaltung Airliner Classics 2017 würden sich Tausende von begeisterten Zuschauern, auch aus Baden, freuen.

Historische Luftfahrzeuge statt Flugshow

Der ehemalige Beigeordnete der Stadt Speyer verwahrt sich auch gegen den Büchner-Begriff „Flugshow“, womit die Veranstaltung bewusst diskreditiert werden solle. Für ihn ist der Vergleich mit Ramstein ungehörig. „Wir verzichten auf gefährliche Aktionen und präsentieren historische Luftfahrzeuge.“ Immerhin sei Speyer einer der ersten deutschen Flugplätze. Seinem rechtsrheinischen Widersacher empfiehlt er, zu kommen und sich ein objektives Bild zu machen.

Tante Ju als Hingucker

Viele Sehenswürdigkeiten dürfen die Besucher am Wochenende in der Domstadt erwarten. „Wir rechnen mit gut 8 000 Gästen, meint Roland Kern. Zu erleben seien „atemberaubende Klassiker der zivilen Luftfahrtgeschichte“, ab den 30er-Jahren aufwärts. Zu den vielen „Hinguckern“ gehören die bekannte Junkers Ju 52 („Tante Ju“), die Douglas DC 3, die Beech 18 und die Antonov als weltweit größter Doppeldecker. Airliner-Rundflüge sind möglich. Obwohl er sozusagen vor der Haustür liegt, wissen wohl die wenigsten badischen Nachbarn, dass Speyer bereits auf eine 105-jährige Fluggeschichte verweisen kann. Bereits 1912 landet eine „Rumpler-Taube“, die zu den erfolgreichsten Motorflugzeugtypen gehört, auf dem Platz. Ein Jahr später werden die Pfalz-Flugzeugwerke Speyer gegründet. In der eigenen Flughalle produzieren diese bis 1918 rund 2 500 Flugzeuge. In dieser Zeit wird das Flugzeugwerk, in dem 2.800 Frauen und Männer beschäftigt sind, zum größten Arbeitgeber der ganzen Region.

Längste Landestrecke der Region

Mit 1 677 Meter Landebahn verfügt Speyer über die längste Landestrecke zwischen Frankfurt und Baden-Baden sowie Stuttgart und Zweibrücken. Kerns Botschaft: „Wir setzen auf Transparenz. Jeder kann sich jederzeit vor Ort informieren. Besuchergruppen sind willkommen.“ Eine eigene Flugschule unterhält die Motorfluggesellschaft Speyer mit 75 Mitgliedern und drei Maschinen. „Wir bilden auch zu Privat- und Berufspiloten aus“, so Jürgen Schlindwein aus Waghäusel. Das ganze Jahr über bietet der Verein Schnupperflüge an.

Das Flugplatzfest  beginnt am Samstag, 2. September, um 9 Uhr und endet spätabends mit Livemusik der Rock- und Pop-Band „Trudy van Fredward“ und einem Ballonglühen mit sieben Heißluftballons. Am Sonntag geht’s von 10 bis 18 Uhr weiter. Ganztägig gibt es Vorführungen, Besichtigungsmöglichkeiten, Präsentationen von, wie es heißt, exklusiven und historischen Exponaten. Für die Kinder ist ein eigenes Rundum-Unterhaltungsprogramm vorgesehen.