Flugtaxis wie die von Volocopter aus Bruchsal sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Laut einer Studie stehen ihnen die Menschen aufgeschlossen gegenüber.

Bei Volocopter-Flugschau

Studie zeigt: Menschen wollen Flugtaxis – aber keine Drohnen

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Die Hochschule für Technik in Stuttgart hat 1.203 Personen gefragt, ob sie selbst Flugtaxis nutzen würden. Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Zwei Drittel der Befragten waren dafür – zumindest solange ein Mensch am Steuer sitzt. Etwas anders sieht es allerdings im Falle von unbemannten aus.

Als vor drei Monaten nahe dem Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion der erste öffentliche Flug eines elektrisch betriebenen, unbemannten Flugtaxis in Europa über die Bühne ging, zeigte sich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann angetan. Selbstverständlich würde er auch persönlich Platz nehmen in dem neuartigen Fluggerät des Bruchsaler Unternehmens Volocopter, ließ der Premier vor laufenden Fernsehkameras wissen. Und pries die verlockende Aussicht, damit in Zukunft den kilometerlangen Staus am Boden entgehen zu können.

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Dass sich nicht nur die kraft Amtes auf Innovationen abonnierten Politiker für Flugtaxis erwärmen können, zeigt eine Studie der Hochschule für Technik in Stuttgart (HFT). Deren Wissenschaftler nahmen die Flugschau vom September zum Anlass, um die gesellschaftliche Akzeptanz von Flugtaxen zu untersuchen. Zwei Fragen waren dabei zentral: Würden die Befragten selber Flugtaxis nutzen? Und fänden sie es gut, wenn es in ihrer Stadt welche gäbe?

Flugtaxi
Das „Lufttaxi“ Volocopter 2x ist eine Passagier-Drohne und bietet Platz für zwei Personen. Es wird elektrisch über 18 Rotoren betrieben. | Foto:  Julian Stratenschulte

Flugtaxis ja – aber bitte mit Pilot

Seit Auswertung der Ergebnisse ist klar: Die Menschen stehen der modernen Fortbewegung in der dritten Dimension aufgeschlossen gegenüber. Rund zwei Drittel der exakt 1.203 Teilnehmer an der Studie könnten sich vorstellen, kommerziell betriebene Flugtaxis zu nutzen. Für Patrick Planing, Professor für Wirtschaftspsychologie und Autor der Erhebung, ist das ein bemerkenswert hohes Ergebnis.

Hingegen sind nur 45 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Luft-Taxis Teil ihres täglichen Lebens werden. Nicht sehr euphorisch ist die Bevölkerung, wenn das drohnenähnliche Gefährt autonom fliegt, also ohne Pilot an Bord. Eine solche Praxis befürworten laut der Stuttgarter Studie lediglich 30 Prozent.

Studienteilnehmer: Preis zwischen 60 und 100 Euro wäre realistisch

Geht es nach den Ergebnissen der Akzeptanz-Studie, dann sollten Startplätze für Flugtaxis in Zukunft in der Nachbarschaft von Bahnhöfen und Flughäfen entstehen. Für eine Anbindung ans jeweilige S-Bahnnetz votierten 85 Prozent der Befragten.

Nach dem Preis für ein Ticket befragt – beispielsweise für die Strecke zwischen dem Stuttgarter Flughafen auf den Fildern und dem urbanen Zentrum der Landeshauptstadt im Talkessel – hielten die Studienteilnehmer 60 bis 100 Euro für realistisch.

Vorteile: Zeitersparnis und Spaß

Überrascht waren im Übrigen viele der Erstflug-Augenzeugen vom unerwartet geringen Betriebsgeräusch des elektrisch betriebenen Luftfahrzeugs. Die größten Vorteile des möglichen künftigen Verkehrsträgers sehen die Befragten in der Zeitersparnis aber auch im Spaß bei der Nutzung des Fluggeräts. Dass Flugtaxis irgendwann ein alltägliches Transportmittel werden, glaubt aktuell knapp die Hälfte der Befragten.

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Obwohl an der Befragung ausschließlich Besucher der Veranstaltung „Vision Smart City“ und damit Augenzeugen der Flugvorführung teilnahmen, ist Studienautor Planing von der Aussagekraft der Erhebung überzeugt. Man habe ein breites gesellschaftliches Spektrum mit allen Einkommensklassen, Altersschichten und Geschlechtern erfasst.

Das Bruchsaler Unternehmen Volocopter ist international erfolgreich mit der Entwicklung elektrischer, senkrecht startender und landender Luftfahrzeuge. In drei bis vier Jahren will das Unternehmen mit einem autonomen Flugtaxi an den Markt gehen. Volocopter hat neben Bruchsal auch Büros in München und Singapur.