Nach der Spurensuche an der Unfallstelle gehen die Ermittlungen für die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig weiter.
Nach der Spurensuche an der Unfallstelle gehen die Ermittlungen für die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig weiter. | Foto: Heintzen

Flugunglück am Erlichsee

Suche nach Absturzursache dauert an

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Was ist nur geschehen über dem Erlichsee am 23. Januar? Warum sind Rettungshubschrauber und Sportflugzeug an diesem Tag bei Oberhausen-Rheinhausen in der Luft zusammengestoßen? Diese Fragen treiben über eine Woche nach dem Flugunglück viele Menschen – nicht nur in Oberhausen-Rheinhausen – immer noch um. Konkrete Antworten finden wollen die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, kurz BFU. Noch am Tag des Unglücks, am 23. Januar, waren drei Mitarbeiter aus Braunschweig zur Absturzstelle geeilt und hatten ihre Untersuchungen aufgenommen. Nun geht ihre Ermittlungsarbeit in der Bundesstelle weiter.

Linzenzen werden überprüft

Dort werden die gesammelten Informationen und Spuren zum Flugunglück ausgewertet. Wie berichtet wird ein erster Zwischenbericht in sechs bis acht Wochen veröffentlicht. „Darin wird jedoch noch nicht die Unfallursache stehen“, sagt Germout Freitag von der BFU. Nach Veröffentlichung des Zwischenberichts schreibe der zuständige BFU-Untersuchungsführer einen Abschlussbericht. Bis dieser vorliegt, könne bis zu einem Jahr vergehen, so Freitags Einschätzung. Neben Informationen zu den Piloten – Fluglizenzen und gesundheitliche Gutachten – werden auch Wartungsunterlagen der Maschinen ausgewertet. „Außerdem haben wir beim Deutschen Wetterdienst ein Wettergutachten angefordert.“

Spuren am Unfallort gesichert

Zunächst hatten drei Experten der BFU am Erlichsee die Absturzstelle inspiziert. „Die Lage von Wrackteilen und deren Vermessung lassen Rückschlüsse auf den Unfallhergang zu“, erläutert Freitag. Weitere wichtige Spuren: die Einstellung von Hebeln und Schaltern in den Maschinen. Auch die Lage der Toten am Unglücksort ist entscheidend für die BFU. So lasse sich rekonstruieren, wer geflogen ist, ob die Insassen auf den richtigen Plätzen saßen. Ein Umstand, der möglicherweise für den Flug des Schweizer Flugschülers eine Rolle spielen könnte.
Aufschlüsse über die Absturzursache geben den Ermittlern unter anderem die Lage der Wrackteile.
Aufschlüsse über die Absturzursache geben den Ermittlern unter anderem die Lage der Wrackteile. | Foto: Heintzen

Zeugenbefragungen laufen

Zeugenaussagen fließen in die Untersuchungen mit ein, ebenso wurden die Fluglotsen befragt. Gegenüber dem SWR hatte der Geschäftsführer des Speyerer Flugplatzes eine Mitschuld ausgeschlossen. Der zuständige Flug-leiter habe die Piloten ausreichend gewarnt. Das wollte Freitag so gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten nicht bestätigen: „Das werden die Auswertungen zeigen.“

Theorien zum Unfallhergang

250 bis 300 Flugunfälle untersuchen die 18 Flugunfalluntersucher der BFU im Jahr. Das Ziel der Bundesstelle ist es jedoch nicht die Schuldfrage zu klären, dafür sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig. „Unsere Ergebnisse sollen helfen, solche Unfälle künftig zu vermeiden“, erklärt Freitag. Die vorhandenen „Puzzleteile“ zum Flugunglück bei Oberhausen-Rheinhausen werden jetzt bei der BFU ausgewertet. „Wir entwickeln Theorien zum Unfallhergang und überprüfen, ob die sich mit den vorliegenden Beweisen decken.“
An der Unglücksstelle beim Erlichsee waren Dutzende Helfer im Einsatz, nachdem in der Luft ein Hubschrauber und ein Sportflugzeug kollidiert waren. | Foto: Heintzen

Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hält sich derweil bedeckt. Für die laufenden Ermittlungen seien die Ergebnisse der BFU natürlich von Belang, wie ein Sprecher sagt. Dennoch ermittle die Behörde selbst parallel weiter, dazu gehört beispielsweise die Befragung von Zeugen.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist eine Bundesoberbehörde und ist dem Bundesverkehrsministerium zugeordnet. 37 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, 18 von ihnen arbeiten als Flugunfalluntersucher. Die BFU hat auch den Germanwings-Absturz vom 24. März 2015 untersucht.