Vorbildlich: Gartenbesitzer aus Helmsheim und den umliegenden Orten kommen in die Kurpfalzstraße. An der Brunnenstube dürfen sie mit dem C-Rohr bis zu 1 000 Liter täglich für die Bewässerung ihres Gartens abpumpen. | Foto: Heintzen

Brunnenstube wieder offen

Tankbesitzer bringen Fass zum Überlaufen

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Die Zukunft der Helmsheimer Brunnenstube steht auf dem Spiel – jedenfalls dann, wenn sich Nutzer weiter nicht an die Spielregeln halten, die an der Wasserentnahmestelle am Ortsausgang Richtung Obergrombach gelten. „Die Probleme haben sich in den vergangenen drei bis vier Jahren hochgeschaukelt“, erzählt Ortsvorsteherin Tatjana Grath auf BNN-Anfrage. Vier Wochen lang war die Einrichtung deshalb geschlossen, seit Dienstag können Gartenbesitzer dort wieder Brauchwasser zapfen.

Maximal 1 000 Liter pro Person

Und zwar maximal 1 000 Liter täglich und pro Person. Dieses Regelung hat in der Vergangenheit zu massivem Ärger geführt, denn einige der Nutzer haben sich nicht an die Regelung gehalten und bis zu fünf Mal täglich und bis zu 5 000 Liter Wasser für die Zisterne, das Schwimmbad oder zu gewerblichen Zwecken abgepumpt, wie Edwin Bucher erzählt. Der Vorsitzende der Freien Wähler Helmsheim wohnt in der Nähe und beobachtet täglich die Zustände am Hochbehälter. „Auf Dauer kann ich nicht mehr die Verantwortung übernehmen, wenn sich die Nutzer nicht an die Regeln halten“, so der Ortschaftsrat gegenüber dieser Zeitung. Auch seitens der Stadtverwaltung sei ihm signalisiert worden, dass der Brunnen bis Ende des Jahres zugemacht werden müsste, wenn die Abnehmer nicht vernünftig werden.

Anlieger drohen mit Schadensersatzforderungen

Die Tankbesitzer kommen mittlerweile auch aus den umliegenden Ortschaften und Bruchsal. Teilweise bis zu fünf, sechs Traktoren mit Anhänger oder andere Fahrzeuge stauen sich dann in der Kurpfalzstraße. Sehr zum Ärger der Anwohner, denn die fürchten bei unerlaubten Wendemanövern der Traktoren mit schwer beladenen Hängern in den Hofeinfahrten um ihren Pflasterbelag und drohen mit Schadensersatzforderungen.

Zu wenig Wasser für Feuerwehr

Auch die Öffnungszeiten – Montag bis Samstag von 7 bis 20 Uhr – werden oftmals nicht eingehalten und noch um 10 Uhr abends das Brunnenwasser abgepumpt. Zwischenzeitlich stand das Wasser in den jeweils 150 Kubikmeter fassenden Becken, die ständig mit Quellwasser gefüllt werden, nur noch 40 Zentimeter hoch. Was nach Angaben von Edwin Bucher nicht geht, denn das Wasser wird auch von der Feuerwehr genutzt und eigentlich darf nur das Wasser des Überlaufs verwendet werden. Schon vor einiger Zeit war auch der fest installierte Schlauch samt Trommel abmontiert wurden, weil er ständig kaputt ging. Die Tankbesitzer müssen seitdem ihr eigenes C-Rohr mitbringen.

Ehrenamt mit Füßen getreten

Letztlich ausschlaggebend für die vierwöchige Schließung war, dass die ehrenamtlichen Betreuer der Brunnenstube wüst beschimpft wurden – was das Fass offensichtlich zum Überlaufen brachte. „Da wird das Ehrenamt mit Füßen getreten“, schüttelt Ortsvorsteherin Grath den Kopf.

Freie Wähler betreuen Brunnen

Bereits in früheren Zeiten nutzten die Helmsheimer die Quelle als Trinkwasserreservoir. 1952 wurde die Schlossbuckelquelle gefasst und der Hochbehälter zur Versorgung des Ortsteils mit Brauchwasser gebaut. Nach der Erneuerung der Trinkwasserversorgung war der Hochbehälter überflüssig geworden. 2004 richteten die Freien Wähler deshalb den Brunnen her und installierten einen offenen Brunnenablauf. Seither betreuen sie die Anlage und das umliegende Gelände.