Die Moritz-Roller sind bald in Bruchsal unterwegs. Stadtwerke-Chef Armin Baumgärtner und seine Frau Iwona sind Probe gefahren. | Foto: Stadtwerke Bruchsal

Stadtwerke Bruchsal

Teilen statt Besitzen: 20 E-Roller flitzen bald durch Bruchsal

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Ab April sollen 20 E-Roller durch Bruchsal flitzen. Die Stadtwerke setzen auf Teilen statt Besitzen. Der Energieversorger rechnet mit Kosten von rund 35.000 Euro im Jahr.

Für Bruchsals Stadtwerke-Chef Armin Baumgärtner sollen die 20 neuen Elektro-Roller zum Selbstläufer werden. Noch sind die flotten Flitzer in der Stadt nicht unterwegs, aber im April soll es losgehen. Dann stehen 20 Stromer mit je zwei Helmen zum Ausleihen an voraussichtlich acht Standorten zur Verfügung. Klappt alles reibungslos, meldet man sich binnen zehn Minuten per Smartphone-App erstmals an und kann dann nach kurzer Überprüfung des Führerscheins schon losdüsen.

Ergänzung zu Bus, Bahn und Auto

„Es geht uns um die Überbrückung der letzten Meile“, erklärt Baumgärtner das Konzept. Wie bereits bei den ebenfalls geplanten 25 Leihfahrrädern sollen diese fahrbaren Untersätze eine Ergänzung zu allen weiteren Beförderungsmitteln darstellen – zum eigenen Auto, zur Bahn, zum Bus.
Im schicken Retro-Design hofft man so auf einen Wiedererkennungseffekt und auch auf Signalwirkung. Moritz heißt das Projekt in Anlehnung an den Stadtbus namens Max. Der Name wurde sogar beim Bundesamt für Markenrechte eingetragen. Die 20 E-Flitzer der Marke Emco sehen aus wie alte Vespas, haben aber moderne Technik im Innern: Zwei Hochleistungsakkus lassen die Roller 80 bis 100 Kilometer weit fahren, bei maximaler Geschwindigkeit von Tempo 50.

Stadtwerke-Mitarbeiter kümmern sich ums Aufladen

„Der Kunde muss sich nicht ums Aufladen kümmern“, erklärt Baumgärtner das stationsungebundene Konzept. Mitarbeiter der Stadtwerke, die ohnehin tagsüber in der Stadt unterwegs seien, versorgen die Roller jeweils mit frischen Akkus. Über eine App lassen sich die Roller buchen: Der Tagessatz beträgt 34,90 Euro. Die Jahresgebühr für die Freischaltung zum System kostet 19,90 Euro, kurze Strecken werden minutengenau abgerechnet. In den Kosten ist nicht nur die Leihgebühr und der verbrauchte Strom enthalten sondern auch der Versicherungsschutz. Auch „Rollerhopping“ sei möglich, erklärt Baumgärtner, falls mal bei einem Fahrzeug der Akku schwach wird, kann man einfach zum nächsten Roller fahren – und weiter geht die Fahrt. Pro Jahr rechnen die Stadtwerke mit Kosten von 30 000 bis 35 000 Euro.

Drei Jahre Testzeitraum

Anders als die Leihfahrräder sei hier keine Entscheidung im Bruchsaler Gemeinderat notwendig gewesen, weil dies im Wirtschaftsplan der Stadtwerke und damit in deren Entscheidungsbereich liegt, erklärt Baumgärtner auf BNN-Anfrage. Erst vor Kurzem hatte sich der Gemeinderat für die Aufstellung von 25 Leihfahrrädern in der Stadt ausgesprochen. Baumgärtner sieht die neuen Roller auch als „Kunden-Bindungs-Programm.“ Drei Jahre lang wird das Projekt auf Herz und Nieren getestet. Werden die Roller gut angenommen, kann der Fuhrpark erweitert werden, stellt Baumgärtner in Aussicht. Fortschrittliche E-Mobilität, das Thema Teilen statt Besitzen und die Kombination mit anderen Verkehrsmitteln – all das sieht man bei den Stadtwerken als zeitgemäßes Angebot.

Viele potenzielle Nutzer

Vor der ersten Nutzung muss der Kunde seinen Führerschein und sein Gesicht filmen, dann wird das Fahrzeug freigegeben. Im Koffer finden sich zwei Helme. „Jugendliche, die kein eigenes Fahrzeug besitzen, oder Berufstätige, die am Bahnhof ankommen und noch ein Stück Weg vor sich haben“ – für Baumgärtner gibt es viele potenzielle Roller-Nutzer.
Eine Einweisung vor der ersten Fahrt sei nicht vorgesehen. Allerdings werden die Stadtwerke zum Start der E-Roller Testfahrten und Marketingmaßnahmen anbieten, um „Moritz“ in der Stadt bekannt zu machen.