Natur in Stadtnähe: Die Landschaft im Landkreis Karlsruhe zieht Touristen etwa zum Radfahren heran. Um diese auch länger dort zu halten, will die Initiative „Baukultur Kraichgau“ zu Bauprojekten motivieren.
Over-Tourism ist out, sagt die Chefin von Kraichgau-Stromberg-Tourismus. Der Kraichgau will jetzt als Urlaubsland punkten. | Foto: Fabry (Archiv)

Christina Lennhof im Interview

Tourismus am Boden – darum könnte der Kraichgau jetzt von der Corona-Krise profitieren

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Christina Lennhof ist Chefin des Vereins Kraichgau-Stromberg-Tourismus. Mit den ersten Lockerungen im Land Baden-Württemberg in der Corona-Krise ist sie nicht zufrieden. Sie sieht aber auch große Chancen für den regionalen Tourismus.

Am Mittwoch hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann zaghafte Lockerungen für Hotellerie und Gastronomie ab Pfingsten in Aussicht gestellt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Christina Lennhof: Ich bin damit nicht glücklich. Das ist noch keine wirkliche Perspektive für die Branche. 98 Prozent der Arbeitnehmer im Gastgewerbe sind in Kurzarbeit. Einem Drittel droht das Aus. Das wäre ein Drama. Diese Gastronomen sind doch Teil unserer Kultur, gerade hier im Kraichgau. Auch an den Kontaktbeschränkungen hat sich nicht viel geändert.

Christina Lennhof spricht für 36 Kommunen im Gebiet Kraichgau-Stromberg und für die dortigen Gastgeber. | Foto: pr

Trotzdem können die Hotels und Gaststätten jetzt anfangen, ihren Betrieb wieder langsam hochzufahren. Wie wird das ablaufen?

Das Land Baden-Württemberg wird eine große Kampagne starten, an der sich auch der Kraichgau-Stromberg-Tourismus beteiligt. Wir wollen Lust auf den Urlaub in Baden-Württemberg machen, darstellen, wie toll unser Bundesland ist.

Am 25. Mai planen wir einen digitalen Tourismusgipfel für alle unsere Leistungsträger. Wir informieren darüber, was Stand der Dinge ist, vernetzen uns und zeigen auf, wie die Branche wieder hochgefahren werden kann.

Der „Over-Tourism“ ist out.

Christina Lennhof, Chefin des Vereins Kraichgau-Stromberg-Tourismus

International gilt nach wie vor eine Reisewarnung. Man kann annehmen, dass die Deutschen hauptsächlich im eigenen Land Urlaub machen werden. Das ist doch eine riesen Chance für Sie, oder?

Absolut. Außerdem wollen die Leute diese großen Hotspots nicht mehr, so ist meine Wahrnehmung. Der regionale Tourismus wird erstarken. Man wird vielleicht in noch unentdeckte Regionen fahren. Wir haben Platz, hier im Kraichgau. Der „Over-Tourism“ ist out.

Die Leute wollen raus in die Natur, Wandern, Radfahren, Aktiv-Tourismus, das alles können wir bieten. Diese Karte können wir besser spielen als jedes andere Bundesland. Und wir haben die Bettenkapazität dazu. Bisher war bei uns der Tagestourismus sehr stark, umso wichtiger ist es daher, dass die vielen kleinen Besenwirtschaften und Gastronomien jetzt eine echte Perspektive bekommen.