Auf ihrem Weg nach Karlsruhe wurden die Kurden von unzähligen Polizisten begleitet. Nach Ausschreitungen in der Nacht zum Dienstag blieb es wie hier in Bruchsal-Untergrombach vorerst friedlich. | Foto: Heintzen

In Bruchsal eskaliert Gewalt

Trotz Messerstichen: Kurdenmarsch wird fortgesetzt

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Begleitet von über hundert Polizisten zieht derzeit ein Kurdenmarsch durchs Land.  Mittlerweile sind die Demonstranten in Karlsruhe angekommen. Bis zum frühen Dienstagabend blieb es laut Aussage der Polizei friedlich. In der Nacht zum Dienstag allerdings gab es schon einen ersten gewalttätigen Zwischenfall in Bruchsal.

Lasst euch auf keinen Fall provozieren

„Lasst euch auf keinen Fall provozieren. Zeigt keine verbotenen Fahnen.“ Zig Mal wiederholt der kurdische Sprecher diese Worte, erst auf kurdisch, dann auf türkisch, schließlich auf deutsch. Noch bis Samstag zieht ein Kurdenmarsch durchs Land, begleitet von einem Großaufgebot an Polizeikräften.  Am Mittwochabend sollen die Demonstranten in Rastatt eintreffen. Dort ist die Lage bereits im vergangenen Jahr eskaliert.

Messerstiche auf 45-jährigen Türken

Beim Start auf der Dienstags-Etappe von Bruchsal nach Karlsruhe kamen geschätzt auf jeden Demonstranten zwei Polizisten. Die Einsatzkräfte waren alarmiert, gab es doch in der Nacht zuvor bereits massive Ausschreitungen vor einem Dönerladen in Bruchsal. Ein 45-jähriger Türke wurde mit einem Messer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Nach dem Ende der Veranstaltung standen sich rund 70 Kurden und Türken in der Bruchsaler Innenstadt aggressiv gegenüber.

Am Bruchsaler Bahnhof ist die Lage am späten Montagabend eskaliert. Ein 45-jähriger Türke wurde niedergestochen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.
Am Bruchsaler Bahnhof ist die Lage am späten Montagabend eskaliert. Ein 45-jähriger Türke wurde niedergestochen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. | Foto: 7aktuell

Polizeibekannter Rocker wurde verletzt

Nach BNN-Informationen erlitt einer der Bruchsaler Türken, ein 45-jähriges polizeibekanntes Mitglied einer Rockergruppe bei den Auseinandersetzungen eine Stichverletzung. Der Mann wurde im Bruchsaler Krankenhaus operiert. Er hat einen Bauchstich und Prellungen am Kopf, schwebt aber nicht in Lebensgefahr, so informierte die Polizei auf BNN-Anfrage. Angeblich war just dieser Mann bereits 2012 in Auseinandersetzungen rund um den Kurdenmarsch verwickelt.

Wer hat zugestochen?

Auf seinem Facebook-Profil forderte er in einem Video seine Kontrahenten auf, sich mit ihm auf dem SEW-Parkplatz zu treffen. Er verweist seinerseits darauf, dass er von kurdischer Seite aufgefordert worden sei, sich dort zu treffen.  Kurze Zeit später kam es zur Konfrontation beim Bahnhof. Wer das Messer geführt hat, ist nicht bekannt. Es konnte noch kein Tatverdächtiger ermittelt werden, hieß es am Dienstagmittag.

Die Polizei zog noch am Abend mehr als 150 Kräfte in Bruchsal zusammen, um die Gruppen zu trennen und die Lage beim Bahnhof und in der Innenstadt zu befrieden. Schon am Nachmittag war es in Ubstadt-Weiher zu kleineren Provokationen und einem Scharmützel zwischen Türken und Kurden gekommen.

Versammlungsfreiheit als hohes Gut

Trotz der Ereignisse konnte der Marsch am Dienstagmorgen  fortgesetzt werden. „Die Versammlungsfreiheit ist ein sehr hohes Grundrecht“, erklärte der Einsatzleiter der Polizei auf BNN-Anfrage. Eine generelle „Unfriedlichkeit der Versammlung“ konnte nicht festgestellt werden, erklärte Joachim Gotthold. Die Gewalttaten ereigneten sich außerhalb der angemeldeten Demonstration.

Marsch geht von Mannheim nach Straßburg

Der „lange Marsch für Freiheit und Gerechtigkeit“, führt eine Schar zwischen 60 und 120 Kurden von Mannheim nach Straßburg. Sie alle tragen gelbe Fahnen mit dem Konterfei Abdullah Öcalans. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freiheit des seit 1999 inhaftierten Kurdenführers und einstigen Chefs der als Terrororganisation eingestuften PKK. Auch in den vergangenen Jahren kam es bei den Kurdenmärschen immer wieder zu Auseinandersetzungen, etwa in Bruchsal oder zuletzt im vergangenen Jahr in Rastatt, als eine Polizistin verletzt wurde.

So berichteten die BNN über die Messerstiche am Bruchsaler Bahnhof: