Désirée Mannek mit ihren beiden Hunden Akira (links) und Kawaii, der zum Therapiebegleithund ausgebildet wird. Glücklicherweise waren sie nicht im Haus, als das Feuer ausbrach. Der Brand hat alles zerstört. | Foto: Steinmann-Plücker

Welle der Hilfsbereitschaft

Ubstadt-Weiher: Junge Frau verliert im Feuer alles

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Von Petra Steinmann-Plücker

Vor Tagen wurde sie noch für ihre Mitgliedschaft beim DRK Zeutern mit einer Urkunde ausgezeichnet.  Wenige Stunden später ging diese Urkunde im Löschwasser unter. Désirée Mannek hat beim Brand ihres Hauses nicht nur diese Urkunde verloren: „Was nicht verbrannt oder verrußt ist, ist vom Wasser beschädigt und zu Eisklumpen gefroren“, berichtet die junge Frau. Für ihren Heimatort sitzt sie im Gemeinderat.

Fotoalben sind verbrannt

Einfach alles ist weg – Schuhe, Kleider, Geschirr, Möbel, Kosmetika. Das sei ja noch irgendwie zu ersetzen. Viel, viel schlimmer aber, sagt die 24-Jährige mit Tränen in den Augen, seien die Erinnerungen. Fotoalben, aber auch ihre Fachbücher, Anatomieplakate und Materialien, die sie für ihre Arbeit als Logopädin braucht, sind den Flammen zum Opfer gefallen. Dabei hatte sie selbst unglaubliches Glück. Sie war spontan zu Freunden nach Köln gefahren. Ihre beiden Hunde „Akira“ und „Kawaii“ hat sie bei ihrer Familie gelassen, sodass das Haus leer war.

Mitten in der Nacht ging das Haus im Ortsteil Zeutern in Ubstadt-Weiher in Flammen auf.
Mitten in der Nacht ging das Haus im Ortsteil Zeutern in Ubstadt-Weiher in Flammen auf. | Foto: Feuerwehr

„Flashover“ hat alles vernichtet

In der Nacht hatten junge Männer aus dem Ort beim Vorbeifahren den Rauch aus dem Dach bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Und obwohl die Wehr innerhalb von wenigen Minuten vor Ort war, habe ein „Flashover“, die schlagartige Ausbreitung der Flammen, nicht verhindert werden können, fügt Désirées Schwester Felica an. Sie war gemeinsam mit der Mutter eine der ersten am Unglücksort. Désirée selbst hat sich mit dem Zeuterner Feuerwehrkommandanten Mario Dutzi einen ersten Überblick verschafft.

Verkohlte Überreste

„Das war gut so, denn wir kennen uns gut, und er weiß, wer ich bin und was ich verloren habe“, sagt sie im Nachhinein. Geblieben ist ihr das, was sie an hatte. Wenn sie jetzt durch ihr Haus geht, das einmal ihrer Oma gehörte, ist sie froh und glücklich, wenn sie aus den rußverschmierten, zusammengefrorenen Haufen erkennbare Dinge entdeckt und retten kann. Hier eine Kiste mit Fotos, dort das Innenohr vom sonst geschmolzenen, anatomischen Modell des Ohrs, der Küchenschrank von Oma.

Welle der Hilfsbereitschaft

Inmitten dieser Traurigkeit erfährt sie aber eine Welle der Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Menschen, auch fremde, bieten ihre Unterstützung an. „Das ist überwältigend und tröstet mich sehr“. Dankbar ist sie zum einen für die schnelle Hilfe in der Nacht durch die Feuerwehren von Ubstadt-Weiher aus allen vier Ortsteilen, von Langenbrücken, Bruchsal, Östringen und Odenheim, den DRK-Gruppen Zeutern, Stettfeld und Kirrlach, die mit Heißgetränken und Verpflegung, geliefert von örtlichen Geschäften, versorgten, den Nachbarn, die einen Raum zur Verfügung stellten, dem Bauhof, der sich um das Blitzeis auf der Straße kümmerte.

Gesucht werden Fotos und Erinnerungen

Eine besondere Aktion haben ihre Mutter und Schwester schnell ins Leben gerufen: Sie haben die Facebook-Seite „Share a Memory – Spendenaktion für Désirée“ eröffnet und bitten darum, „Erinnerungs-Schätze“, vor allem Fotos, am liebsten auf Papier, zu schicken.
Die ersten Erinnerungsstücke hat sie schon bekommen. Und auch die Urkunde vom DRK wurde ihr noch mal überreicht.

Zum Hintergrund: Wahrscheinlich ein technischer Defekt an einem Ölofen hat den verheerenden Brand in der Nacht zum 22. Januar ausgelöst. Für die Feuerwehr aus Ubstadt-Weiher und viele weitere Helfer war es ein Großeinsatz. Als sie eintrafen, schlugen die Flammen bereits aus dem Dach. Ein Feuerwehrmann verletzte sich beim Aufstellen von Gerätschaften. Vor allem die eisigen Temperaturen erschwerten die Arbeiten. Einige Helfer rutschten auf Glatteis aus. Der Sachschaden liegt bei etwa 100.000 Euro, so schätzt die Polizei