Der angebliche Tatort: Das Parkdeck im Saalbachcenter Bruchsal. | Foto: Zäpfel

Polizei ermittelt

Übergriff im Saalbachcenter Bruchsal war frei erfunden

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„Dieser Übergriff war frei erfunden.“ Die Empörung ist dem Polizeisprecher anzuhören. Der angeblich sexuell motivierte Angriff auf eine 38-Jährige am 6. Dezember auf dem Parkdeck des Bruchsaler Saalbachenters hat nie stattgefunden. Dies hat das angebliche Opfer mittlerweile gegenüber der Polizei selbst eingeräumt. Sie hatte behauptet, sie sei von einem Unbekannten beim Beladen des Autos massiv angegangen worden, er habe sie abgepasst und ihr zwischen die Beine gegriffen.

Videospur bringt die Aufklärung

Der Frau auf die Schliche kam die Kriminalpolizei dank der Auswertung einer Videoüberwachung im Einkaufszentrum. „Da war nichts von dem Übergriff zu sehen“, so heißt es von der Polizei. Die Frau muss sich jetzt wegen der Vortäuschung einer Straftat verantworten. Sie hatte gegenüber der Polizei ganz offenbar die Tat nicht nur erfunden, sondern die „Vorgänge“ auch detailliert beschrieben. Den angeblichen Täter hat sie als 1,80 Meter groß beschrieben, er habe schulterlange Haare, schlechte Zähne und ein osteuropäisches Aussehen.

Bekannter stellt die Sicherheitsfrage

Kurz nach der angeblichen Tat hatte die Polizei die Fahndung im Nahbereich eingeleitet – ergebnislos – logisch, wenn es die Tat nie gegeben hat. Auch mögliche Zeugen wurden gesucht (Die BNN berichteten.)
Und ein Bekannter der Frau hatte sich kurz danach an die BNN-Redaktion gewendet, die angebliche Tat angeprangert und kritisch nach der Sicherheit im Center und am Bahnhof gefragt. Als Bürger Bruchsals sei man geschockt von der Veränderung unserer Stadt, hieß es in dem Schreiben.

Ähnliche Fälle

Der Fall ist nicht der erste einer vorgetäuschten Straftat. Erst im Oktober suchte die Polizei nach einem Fahrerflüchtigen, der in Heidelsheim eine 15-Jährige angefahren haben soll. Tatsächlich war die Jugendliche zusammen mit ihrem Freund auf dem Roller gestürzt und wollte das vor den Eltern verbergen.
In Karlsruhe sorgte im Mai ein Fall für Aufsehen. Eine 45-Jährige sei von einem „Antoine“ angegangen worden, so schilderte sie der Polizei. Den habe sie kurz zuvor im Internet kennen gelernt. Später kam heraus: Sie wollte ihren Freund eifersüchtig machen und hatte zwar nicht das Treffen mit dem Mann,  aber den Übergriff erfunden. Die Vortäuschung einer Straftat könne mit einer Freiheitsstraße von bis zu drei Jahren geahndet werden, so die Polizei.