Christian Walter, hier mit Anja Göttsche, lernt sich dank Unterstützter Kommunikation mitzuteilen.
Christian Walter, hier mit Anja Göttsche, lernt sich dank Unterstützter Kommunikation mitzuteilen. | Foto: Schuler

Bildschirmoberfläche mit Daten

Unterstützte Kommunikation: Der Sprachcomputer verleiht eine Stimme

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Wie war‘s im Urlaub? Eine Frage, die die Meisten spontan beantworten, ist oft der Einstieg in eine nette Konversation. Was aber, wenn man viel erlebt, es aber niemandem erzählen kann, weil man weder sprechen noch die Hände zu Hilfe nehmen kann?

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Schuler

Christian Walter beantwortet in der Förder- und Betreuungsgruppe (FUB) der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten die Fragen allein mit seinen blaugrauen, sanften Augen. Sein Blick gleitet konzentriert über die Bildschirmoberfläche und fixiert eines der Farbfelder auf dem Desktop. Sie heißen etwa „Über mich“ oder „Fotos aus dem Urlaub“. Auf Letzterem bleibt sein Blick haften.

„Wir waren in Oberstdorf im Urlaub“, sagt plötzlich eine Stimme. „Dort war bis spät offenes Straßensingen“. Die Stimme kommt aus einem Sprachausgabegerät, das an Christian Walters Rollstuhl befestigt ist. Christian wird in der FUB betreut. Dort erhalten Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ein tagesstrukturierendes Angebot. Zweimal wöchentlich kommt Anja Göttsche vorbei, Fachpädagogin für Unterstützte Kommunikation (UK).

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Noch kein Dialog im normalen Tempo

Die Akademische Sprachtherapeutin arbeitet intensiv mit Christian. Der 25-Jährige ist aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung spastisch gelähmt. Er erlernt nach und nach die Steuerung des Sprachausgabegeräts. Ein Dialog im normalen Tempo funktioniert noch nicht. Zu erfahren, was der junge Mann fühlt oder braucht, benötigt viel Zeit, Geduld und Hintergrundwissen über ihn, um seine Mimik und Laute deuten zu können.

Göttsche betreut Christian seit sechs Jahren und sie kommen gut zurecht, sagt sie, als ein Geräusch hereindringt und Christian den Kopf vom Bildschirm abwendet. Sie weiß: „Augensteuerung ist super anstrengend.“

Wie funktioniert die Augensteuerung?

Eine Kamera im Gerät erfasst Augenbewegungen und wandelt sie in einen Mauszeiger um. So kann sich Christian durch Programme und Dateien klicken. An den Sprachcomputer lassen sich auch Spitzer oder Locher anschließen und mit den Augen steuern. Die Familie stellt bebilderte Berichte über gemeinsame Erlebnisse her, wie Konzerte oder einen Besuch in der Allianz-Arena – Christian ist großer Bayern-Fan.

Auch liebt er die Kirche und hat religiöse Lieder gespeichert oder verfasst selbst Gedichte und Fürbitten. Von diesen hat er schon manche im Gottesdienst mittels Sprachcomputer vorgetragen. Auch sein Essen kann Christian, wenn er tagsüber in der Lebenshilfe ist, selbst auswählen und bestellen. Wenn es zuhause zum Lieblingsitaliener geht, kann er zuvor die Speisekarte einsehen und das Ausgewählte im Restaurant mittels Technik äußern.

Die UK sei noch neu in vielen nachschulischen Einrichtungen und in manchen Ausbildungsgängen nicht ausreichend Thema, sagt Dominik Pfeiffer, Fachberater für Unterstützte Kommunikation in der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten. Das soll sich mit der neuen Fachstelle bessern.

Service: Infos zur UK gibt es im Internet auf: www.gesellschaft-uk.de oder beim Forum CLUKS: www.cluks-forum-bw.de oder auch beim Pädagogischen Fachdienst für Sprache und Kommunikation in Graben-Neudorf, unter der Nummer (0 72 55) 7 65 85 90.