Immer ein Blickfang: Die Kuppelkirche Santa Maria della Salute in Venedig. Dort wo der Canal Grande in das Markusbecken übergeht. Und Venezia zieht überall. Wie man auf Spurensuche in Bruchsal entdecken kann. | Foto: lie

Über die Eisdiele hinaus

Venezia in Bruchsal

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Wenn die Filmfestspiele von Venedig am Mittwoch beginnen, gehen Bilder vom Canal Grande sowie von Palazzi, Kirchen und Kanälen um die Welt. Berühmtheiten genießen Auftritte vor berühmter Kulisse. Neue Stars und alte Steine finden zusammen. Die Festival-Filme selbst werden allerdings nicht in Venedigs autofreier Altstadt gezeigt, sondern auf dem Lido. Der Rote Teppich wird auf der Strandinsel ausgelegt. Ein „normaler“ Stadtteil mit nur ein paar Kanälen und regem Autoverkehr. „Venice Beach“ unterscheidet sich kaum von anderen italienische Badeorten.

Fitness-Studio Venice Beach

Und doch steckt dort der Name der unvergleichlichen Lagunenstadt mit ihrem magischen Klang drin. Damit lässt sich’s überall werben. „Venice Beach“ gibt es deshalb dreimal in Bruchsal – in Form von Fitnessstudios. Noch mehr Beziehungen zwischen Venedig und Bruchsal sind zu entdecken. Süß gepflegt werden sie seit 33 Jahren beispielsweise vom Eiscafé Venezia. Die Betreiberfamilie hat mit Venezia einen der häufigsten Namen für solche Genusstempel gewählt, sie selbst stammen aus Kalabrien. In der Eisdiele finden sich Aufnahmen von Gondeln sowie ein ganz häufiges venezianischen Fotomotiv, auf genommen von der Accademia-Brücke: die Kirche Santa Maria della Salute am Ende (oder Anfang)  des Canal Grande.

Markusplatz im Schloss

Diese mächtige Kuppelkirche schmückt zudem die Beletage des Bruchsaler Schlosses. Auf einem Gemälde nach Art von Canaletto. Ein zweites Bild im Schloss setzt den Markusplatz in schönstes Licht. Selbst wenn man nicht näher vertieft, warum der Doge Francesco Lauredano 1762 den in Bruchsal residierenden Fürstbischof von Hutten zur Kardinalswürde gratulierte: Die Spuren Venedigs in der Stadt am Saalbach sind nicht zu übersehen.

Klein-Vendig am Saalbach

Apropos: Wenn Häuser nah am Wasser gebaut sind und Stein plus Kanal ein Ensemble bilden, stellte sich rasch eine Assoziation ein. Also gab es auch im alten Bruchsal eine Stelle am Saalbach, die als „Klein Venedig“ bezeichnet wurde. Eine Aufnahme von etwa 1910 erinnert an die vermeintliche Idylle. (Man weiß ja, der Geruch an solchen Kanälen kann unromantisch sein.) Bruchsal und Venedig sind auf jeden Fall noch heute nicht sehr weit auseinander. Nur zehn wunderschöne Eisenbahnstunden entfernt. Abfahrt 8.10 Uhr Gleis drei, Ankunft Venezia Santa Lucia 18.18 Uhr. Täglich außer 9. September bis 18. Oktober. Und man muss nur einmal, in München, umsteigen.

Klein Venedig nannte man diese Partie am Saalbach im alten Bruchsal. | Foto: Stadtarchiv Bruchsal