500 Tieren in der südpfälzischen Stadt Wörth droht wegen des Verdachts auf Geflügelpest die Keulung. | Foto: Müller

Wörth: 500 Tiere vor Tötung

Verdacht auf Geflügelpest

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Von Klaus Müller

 

Sein 60-jähriges Bestehen wollte der Rassegeflügelzuchtverein Wörth in diesem Jahr feiern. Allein, es wird nichts mehr zum Feiern da sein, vor allem nicht das Geflügel, das über Generationen gezüchtet wurde. Der komplette Bestand, über 500 Tiere, darunter etliche, die auf der Roten Liste stehen, soll gekeult werden. Das teilte gestern auf einer Pressekonferenz im Wörther Rathaus der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel mit. Bei sieben Tieren des Rassegeflügelbestandes wurde laut Kreisverwaltung der Vogelgrippevirus Typ H5 nachgewiesen.

Erster Landkreis in Rheinland-Pfalz

Der Landkreis Germersheim sei damit der erste Landkreis in Rheinland-Pfalz, in dem bei Geflügelhaltern (also nicht bei Wildtieren) Geflügelpestverdacht bestehe, so Brechtel. Vom Ausbruch der Vogelgrippe wollte der Landrat jedoch nicht sprechen. Er sprach ausdrücklich von einem Verdacht. Dass der Typ H5 bei einigen Tieren festgestellt wurde, bestätigte Kreisveterinärin Maike Wagner. Oder anders ausgedrückt: Besagtes Geflügel trägt den Virus in sich, ausgebrochen ist er aber noch nicht. Und dass es sich möglicherweise um eine niedrigpathogene Virusform handelt, entschärft für den Rassegeflügelzuchtverein keineswegs die katastrophale Entwicklung der Dinge.

Übertragung auf Menschen möglich

Von niedrigpathogen wird gesprochen, wenn das Krankheitsbild geringe Erscheinungen zeigt – im Gegensatz zur hochpathogenen Influenza („Geflügelpest“), deren Auswirkungen für die Tiere heftig sind. Zudem könnte in diesem Fall (nicht aber bei der niedrigpathogenen Form) eine Übertragung auf den Menschen möglich sein.

Keine Ausnahmeregelung

Allerdings – und jetzt kommt der Hammer für die Geflügelzüchter – sieht nach Brechtels Auskunft die Geflügelpestverordnung in beiden Fällen, also Verdacht und Ausbruch, eine Keulung des Gesamtbestandes vor. Der Landrat beruft sich dabei auf Gespräche mit dem zuständigen Umweltministerium. „So leid mir das tut – es gibt keine andere Möglichkeit. Es gibt keine gesetzliche Ausnahmeregelung.“ Das freilich können und wollen die Geflügelzüchter nicht verstehen. „Keines unserer Tiere ist bisher verendet. Und wir reden doch über eine niedrigpathogene Virusform“, befand der Vereinsvorsitzende Joachim Gottschang auf der Pressekonferenz.

Das Aus für den Verein

Der Kreisverwaltung und dem Ministerium werfen die Geflügelzüchter vor, sie hätten erst gar nicht versucht, alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen. Gottschang nannte in diesem Zusammenhang eine Ausweitung der Quarantäne, weitere Untersuchungen und erst einmal abwarten, was dabei herauskomme. Für den Verein könnte die Keulung des Bestands, darunter ganz seltene Tiere, das Aus bedeuten. Bei einer Entschädigung („unser Tierbestand ist zwischen 60 000 und 100 000 Euro wert“, so die Züchter) würde man das Rassegeflügel lediglich als Nutzgeflügel bewerten.

Eilantrag beim Verwaltungsgericht

Eine vage Hoffnung bleibt den Züchtern: Gegen die eigentlich unverzügliche Keulung reichte der Verein beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag ein. Bis gestern gab es darüber noch keine Entscheidung. Neben dem Rassegeflügelzuchtverein geraten nun auch im Radius von einem Kilometer rund 30 Kleinbetriebe mit Geflügel in den Fokus der Behörden. Sie sollen genau überwacht werden.