In jungen Jahren haben zahlreiche Kinder schreckliche Erfahrungen in Kinderkurheimen machen müssen. | Foto: dpa

Regionalgruppe

Verschickungskinder aus dem Südwesten formieren sich

Anzeige

Nach der ersten Versammlung stellen Verschickungskinder Forderungen auf. Sie wurden zwischen den 50er und 90er Jahren in Kurheimen misshandelt. Derweil wächst eine regionale Gruppe von Opfern aus dem Südwesten an. Es soll eine Art Selbsthilfegruppe entstehen.

Immer mehr Betroffene berichten über ihre schrecklichen Erlebnisse: Verschickungskinder verschaffen sich erstmals gemeinsam Gehör. Diese Kinder wurden zwischen den 50er und 90er Jahren in Kurheimen Opfer von Misshandlungen. Bei einem ersten Kongress trafen sich am vergangenen Wochenende 70 Betroffene auf Sylt. „Damit wurde erstmalig öffentlich ein lange verdrängtes Unrecht ans Tageslicht gebracht“, teilen die Organisatoren mit.

Eine regionale Selbsthilfegruppe

Schlimme Erfahrungen bei einer Kur musste als Kind auch Petra Beller aus Bruchsal machen. Gegenüber den BNN sprach sie von „Macht, Prügel, Psychoterror und Isolation“. Die 48-Jährige organisiert die hiesige Regionalgruppe der Verschickungskinder. Nach der Berichterstattung in den BNN hätten sich 20 Betroffene aus dem Südwesten bei ihr gemeldet, sagt Beller. „Die Leute haben kostenlos die Möglichkeit sich auszutauschen.“

Im Prinzip sei es wie eine Selbsthilfegruppe. „Auch wenn ich das Wort nicht mag“, sagt Beller. Es gehe darum, eigene Themen aufzuarbeiten. Ob und wie viele Treffen stattfinden sollen, müsse sich zeigen.

„Fast tausend Berichte liegen vor“

Beim ersten Kongress der Verschickungskinder auf Sylt ging es zum einen um Austausch, zum anderen um Forderungen. Von Bundesregierung, Landesregierungen und den Trägern der Kinderkurheime sollen mindestens drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, heißt es in einer Erklärung. Damit soll eine selbstverwaltete Anlaufstelle für Betroffene finanziert werden.

„Eine Anlaufstelle ist auf jeden Fall wichtig“, sagt Beller. „Jeder geht anders damit um. Es gibt Leute, die haben Angststörungen und Panikattacken.“ Diesen könnte dann nicht in der Regionalgruppe, sondern über eine neue zentrale Anlaufstelle geholfen werden.

Wolle man flächendeckend für Aufklärung sorgen, „werden die drei Millionen Euro nicht reichen.“ Ein bis drei Millionen Betroffene könne es geben, so eine Schätzung der Initiative Verschickungskinder. „Fast tausend, oftmals erschütternde Berichte liegen schon vor“, schreibt diese.

Betroffene aus dem Südwesten können sich per E-Mail an Petra Beller wenden: verschickungskinder@ps-denkandich.de