VOM INGENIEUR ZUM PRIESTER: Manuel Gärtner steht kurz vor der Priesterweihe. Sein Werdegang war allerdings alles andere als geradlinig. | Foto: Herberger

Erste Messe in Hambrücken

Vom Ingenieur zum Priester: Manuel Gärtner wagt den Schritt

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Kann man an der Frequenz eines Geräuschs erkennen, welches Teil einer Maschine demnächst den Geist aufgibt? Mit solchen Fragen hat sich Manuel Gärtner während seines Maschinenbau-Studiums beschäftigt. Nach dem Diplom hat er allerdings das Berufsziel Ingenieur aufgegeben und geistliche Ziele verfolgt. Nach dem Theologiestudium in Freiburg und Frankfurt sowie der Weihe zum Diakon steht am 12. Mai im Freiburger Münster die nächste Etappe an: die Priesterweihe durch Erzbischof Stephan Burger.

Von Armin Herberger

Man könnte nicht sagen, dass sich der Weg früh abgezeichnet hätte: Seine Mutter ist zwar im Pfarrgemeinderat, aber er selbst ging als Jugendlicher lieber in den Schachclub als zu den Ministranten. Auf dem Weg zum Abitur am Schönborngymnasium interessierten ihn vor allem Mathematik und Physik, aber er erinnert sich auch an lebhafte Diskussionen im Religionsunterricht. „Der Glaube hatte damals wenig Lebensrelevanz für mich“, blickt er zurück. Doch während des Studiums in Karlsruhe kam die Erkenntnis: „Im Letzten ist das Ingenieursein doch nicht das, was mich erfüllt.“ Am Talent lag es nicht, immerhin hat man ihm die Promotion angeboten – aber auf Sätze wie „Ich weiß noch nicht, was ich nach dem Studium machen werde“, reagieren Professoren erst einmal verwirrt.

Plan B in der Hinterhand

Eigentlich wusste er es schon und konnte sich auf das Wagnis Priesterseminar umso entspannter einlassen, weil er ja als Plan B bereits einen Beruf hatte. In seinem späteren Praxissemester in Pforzheim oder im Diakonatsjahr im Odenwald kam es ihm zudem entgegen, dass er etwa bei SEW als Werkstudent und immer wieder als Ferienjobber tätig war: „Da bekommt man Einblick in andere Arbeitswelten und kann im Gespräch mit Familien nachvollziehen, was es bedeutet, zwei Schichten hintereinander zu arbeiten.“

Schritt ins Zölibat

Die Frage nach einer eigenen Familie hat sich für ihn nie so richtig gestellt. Der Schritt ins Zölibat war jedoch nicht geprägt von der Befürchtung, keine Frau abzubekommen: „Ich war schon in Beziehungen, aber es war nie das, was es vielleicht sein soll“, sagt der 36-Jährige. Er habe nie in eine Beziehung hineingedrängt, es sei nichts tragendes für sein Leben gewesen: „Es ist gut, wie es jetzt ist, es trägt über die ganze Woche.“
Mehr Sorge bereitet da die pastorale Zukunft mit rückläufigen Kirchenmitgliedern und größeren Pfarreien. Manuel Gärtner sieht darin aber auch Chancen, manches pfarreiliche Leben habe durch den Zusammenschluss mit anderen Gemeinden neuen Schwung erhalten. „Wenn es in größeren Pfarreien ein größeres Team gibt, sind Pfarrer auch nicht mehr Alleinkämpfer. Es ist eine Chance für alle in der Kirche, wenn man Dinge bündeln kann“, so seine Hoffnung.

Erste Messe in seiner Heimat Hambrücken

Derzeit ist er zu Hause in Hambrücken: Er hat am Ostermontag in den Gottesdiensten in Hambrücken und Wiesental gepredigt und bereitet jetzt schon seine Primiz vor, wenn er am 26. Mai die erste Messe als Priester in seiner Heimatkirche St. Remigius Hambrücken halten wird.